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Männergesundheit

Die Leiden des starken Geschlechts

Typisch Mann, typisch Frau: Das gilt auch in der Medizin. Prostataerkrankungen und Erektionsstörungen beispielsweise betreffen nur die Männer. Ihr allgemeiner Gesundheitszustand  gilt im Vergleich zu den Frauen als schlechter. Männer sind oft Vorsorgemuffel, die nur selten zum Arzt gehen. Die wichtigsten Untersuchungen zur Krebsprävention sollten sie aber kennen.
Carolin Antropov
19.03.2019
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Der Männer-Spezialist in der Medizin ist der Androloge, das Pendant zum Gynäkologen. Es handelt sich um eine Spezialisierung, die nur Dermatologen, Urologen oder Endokrinologen offensteht. Zwar gehört der berüchtigte Männerschnupfen nicht zum Spezialgebiet der Andrologen, dafür gibt es aber eine Reihe anderer typisch männlicher Erkrankungen, mit denen sie sich beschäftigen.

Molekularbiologisch betrachtet wird ein Mann durch das Chromosomenpaar XY zum Mann. Dabei ist das Y-Chromosom geschlechtsbestimmend: Es enthält das sogenannte Sex determining region of Y-Gen (SRY-Gen) und führt zur Ausbildung männlicher Merkmale. Fehlt dieses Gen – wie bei Vorliegen von XX bei Frauen – so differenziert sich der Organismus zum weiblichen Erscheinungsbild.

Androgene dominieren

Unter dem Einfluss der Sexualhormone bilden sich die primären Geschlechtsmerkmale wie Penis und Hoden sowie die sekundären Geschlechtsmerkmale wie Bartwuchs und eine tiefe Stimme aus. Dabei produzieren Männer und Frauen prinzipiell die gleichen Hormone, jedoch in unterschiedlicher Menge. Während bei Frauen hohe Konzentrationen an Estrogenen und Gestagenen zirkulieren und Testosteron nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist es beim Mann genau umgekehrt. Hier dominieren die männlichen Sexualhormone, die als Androgene bezeichnet werden. Sie zählen zu den Sexualsteroiden und wirken primär direkt am Zellkern. Dort beeinflussen sie die Transkription von Genen.

Testosteron wird beim Mann vor allem in den Leydig-Zwischenzellen der Hoden gebildet. Ein hormoneller Regelkreis mit negativem Feedback steuert Produktion und Freisetzung (siehe Grafik): Im Hypothalamus wird das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) pulsatil freigesetzt. Dadurch schüttet der Hypophysenvorderlappen luteinisierendes Hormon (LH) sowie Follikel-stimulierendes Hormon (FSH) aus. LH stimuliert in den Hoden direkt die Testosteronsynthese, welche wiederum hemmend auf den Hypothalamus wirkt.

Als wasserunlösliches Steroid liegt Testosteron im Blutplasma fast ausschließlich an Proteine gebunden vor. Als Arzneistoff kann es gut in Gelform transdermal appliziert werden. In Hoden und Prostata, aber auch anderen Organen wie Leber, Gehirn und Kopfhaut wird Testosteron durch das Enzym 5α-Reduktase in 5α-Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt. DHT ist deutlich stärker wirksam als Testosteron und seine biologisch aktivste Form.

Beschwerden aufgrund einer vergrößerten Prostata sind bei Männern eine wahre Volkskrankheit. Die kastaniengroße Vorsteherdrüse umschließt die Harnröhre und kann über den Enddarm ertastet werden. Im Laufe des Lebens wächst sie unter dem Einfluss der Androgene und führt unter Umständen im höheren Alter zu einem Symptomkomplex, unter anderem mit gesteigertem Harndrang (Polyurie), schwachem Harnstrahl, Restharnbildung und nächtlichem Wasserlassen (Nykturie). Ärzte nennen dies benignes Prostatasyndrom (BPS). Das tatsächliche Volumen der Prostata lässt dabei keinen Rückschluss auf die Symptomstärke und den Leidensdruck des Patienten zu. Als Komplikationen sind wiederkehrende Harnwegsinfektionen und besonders der akute Harnverhalt gefürchtet, bei dem die Blase gar nicht mehr entleert werden kann. Letzteres ist ein Notfall, der mit starken Schmerzen und Druckgefühl einhergeht.

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