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Auch gegen Affenpocken

Die Pockenimpfung im Laufe der Zeit

Hersteller ist nach eigenen Angaben lieferfähig

Die WHO wies kürzlich darauf hin, dass es nicht flächendeckend verfügbar sei. Dem Hersteller des Affenpocken-Impfstoffs zufolge ist bei dem aktuellen Ausbruch nicht mit einem Mangel des Vakzins zu rechnen. Britische Gesundheitsbehörden haben jüngst nach Angaben der UK Health Security Agency mehr als 1000 Dosen davon an Kontaktpersonen von Affenpocken-Infizierten verabreicht. Auch Deutschland sorgt für den Fall vor, dass solche sogenannten Ringimpfungen bei Kontakten von Erkrankten notwendig werden sollten: Lauterbach kündigte am Dienstag die prophylaktische Bestellung von bis zu 40.000 Dosen Imvanex an.

Konkrete Pläne, diesen auch zu verwenden, gebe es noch nicht. »Wir könnten diesen Impfstoff, sollte es notwendig werden, unmittelbar einsetzen«, sagte Lauterbach. In dem neueren Impfstoff sieht Kollaritsch allenfalls ein Instrument, um Menschen zu impfen, die ein hohes Risiko haben, dem Erreger ausgesetzt zu sein. Als Beispiel nannte er das Personal spezieller Isolierstationen, die Infizierte versorgen. »Für die breite Bevölkerung wäre diese Impfung Unfug. Affenpocken sind wesentlich harmloser als die Pocken und infektionsepidemiologisch von viel geringerer Bedeutung. Wir müssen auch bedenken, dass eine sehr gute Therapie für Infizierte verfügbar ist.«

Auch Virologe Nowotny betonte: »Es gibt einen Riesenunterschied zwischen Affenpocken und Corona. Das wird diesmal keine Pandemie. Ich gehe davon aus, dass der Spuk in einigen Wochen bis wenigen Monaten vorbei ist.« Der Erreger der Affenpocken sei ein DNA-Virus – das heiße, es sei sehr viel träger als SARS-CoV-2 und mutiere kaum. Varianten werde man daher nicht so schnell sehen. Er nehme auch nicht an, dass Impfstoffe speziell an Affenpocken angepasst werden müssen.

Die Mortalität bei dem bisher bei der Häufung in Europa nachgewiesenen westafrikanischen Stamm der Affenpocken betrage in der Literatur ein Prozent: »In westlichen Ländern ist aber von geringeren Werten auszugehen.« Der Leiter der STIKO, Thomas Mertens, sagte kürzlich im SWR: »Ich glaube nicht, dass es jetzt Sinn macht, sich Gedanken darüber zu machen, die ganze Bevölkerung im Augenblick gegen Pocken zu impfen.«

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hielt fest, dass nach derzeitigem Wissen ein enger Kontakt für eine Erreger-Übertragung erforderlich sei, »deshalb kann gegenwärtig davon ausgegangen werden, dass der Ausbruch begrenzt bleibt«. Empfohlen wird Isolierung beziehungsweise Quarantäne für Infizierte und ihre engen Kontakte. Kontakte von Infizierten müssen aus Expertensicht genau nachverfolgt werden. Das kann aber herausfordernd werden: Die Inkubationszeit beträgt laut RKI 5 bis 21 Tage. Menschen mit mehreren Sexualpartnern haben nach RKI-Einschätzung eine höhere Infektionsgefahr als andere. Gerade bei ihnen dürften auch anonyme Kontakte eine Rolle spielen.

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