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Chemsex

Die Risiken von Sex auf Drogen

Die Chemsex-Patienten an der Salus Klinik sind Männer, die Sex mit Männern haben. Die Praktik ist vor allem bei Schwulen verbreitet. Es gebe auch Heterosexuelle, die Sex mit Substanzen schätzten, sagt Iking. Aber diese verabredeten sich seltener gezielt dazu als manche Homosexuelle. Iking vermutet, dass bei Schwulen mitunter Ausgrenzungserfahrungen oder gefühlter Attraktivitätsverlust beim Drogenkonsum eine Rolle spielen könnten. Prakash W. bewegt sich selbst in der Schwulenszene und beschreibt die Attraktivität von Chemsex. »Sexualität hat hier einen hohen Stellen- und Identifikationswert und ist mit einem gewissen Leistungsdruck verbunden.«

Die maximale Enthemmtheit ist aber nicht nur Motivation, sondern bedingt auch die Gefahr von Chemsex: 60 Prozent von Ikings Patienten sind HIV-positiv, teils war die Infektion direkte Folge von Chemsex. Den Experten zufolge kann mit dem Drogenkonsum Kontrollverlust und ein laxer Umgang mit Kondomen einhergehen – das Risiko für eine Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten steigt. Laut Holger Wicht von der Aidshilfe gehören Chemsex-Praktizierende besonders zur Zielgruppe der sogenannten PrEP, der Prä-Expositions-Prophylaxe, einer relativ neuen Methode zur Vorbeugung einer Infektion mit dem Aids-Erreger HIV. Dabei nehmen HIV-negative Menschen ein Medikament ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen.

Die Aidshilfe schätzt den Anteil homo- und bisexueller Männer, die Sex immer oder fast immer unter stimulierenden Substanzen haben, in größeren Städten auf bis zu 20 Prozent. Chemsex ist allerdings nicht nur ein Phänomen von Metropolen mit pulsierender Partykultur. Nach Angaben der Universitätsklinik Tübingen gibt es im Südwesten Deutschlands etwa auf der Schwäbischen Alb und am Bodensee Schwerpunkte der Szene.

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