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Die Seele stärken gegen die Pandemie

Eine Depression im medizinischen Sinne ist dagegen viel mehr als eine vorübergehende Phase der Niedergeschlagenheit, erläutert der Vorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Professor Dr. Ulrich Hegerl. »Die Depression ist eine ernste Erkrankung, die das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen beeinflusst und sich auch körperlich niederschlägt.« So liege die Lebenserwartung von Menschen mit Depression zehn Jahre unter dem Durchschnitt der Bevölkerung – »und das nicht nur wegen des Suizidrisikos, sondern vor allem wegen der negativen Auswirkungen einer Depression auf Herz, Kreislauf und Stoffwechsel«.

Ein häufiges Missverständnis ist laut Hegerl: Depressive Erkrankungen überwiegend als nachvollziehbare Reaktionen auf bestehende Lebensprobleme aufzufassen und nicht als eigenständige, mit veränderten Hirnfunktionen einhergehende Erkrankung. Eine solche Auffassung kann verhindern, dass professionelle Hilfe gesucht wird. »Menschen, die an einer Depression erkrankt sind oder dies befürchten, sollten sich unbedingt Hilfe bei einem Facharzt (Psychiater), ihrem Hausarzt oder einem Psychologischen Psychotherapeuten suchen«, betont Hegerl. »Wir haben wirksame medikamentöse und psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten.«

Fachleute sprechen von einer Depression, wenn ein Mensch zwei Wochen oder länger unter jeweils mindestens zwei Haupt- und zwei Zusatzsymptomen leidet. Als Hauptsymptome zählen eine niedergeschlagene Stimmung (manchmal mit dem Gefühl innerer Leere), Interesse- und Freudlosigkeit auch an Dingen, die sonst Freude machten, sowie tiefe Erschöpfung mit Antriebslosigkeit. Zusätzliche Symptome sind Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwächen, vermindertes Selbstwertgefühl, Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken, Schlafstörungen und verminderter Appetit.

Da die Depression eine eigenständige Erkrankung ist, rechnet Hegerl zwar nicht mit einer starken Zunahme von Depressionen durch die Coronavirus-Pandemie. Aber er geht davon aus, dass durch die Folgen des Lockdowns die Krankheitsverläufe negativ beeinflusst werden. Nach einer Befragung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe leiden depressiv Erkrankte doppelt so häufig unter der fehlenden Tagesstruktur wie die Allgemeinbevölkerung (75 % versus 39 %). In der häuslichen Isolation ziehen sich depressiv Erkrankte deutlich häufiger tagsüber ins Bett zurück als psychisch Gesunde (48 % versus 21 %), verbunden mit verstärktem Grübeln. Auch bewegen sie sich in Folge der Pandemie-Maßnahmen deutlich weniger. Von all diesen Faktoren ist laut Hegerl bekannt, dass sie sich negativ auf den Depressionsverlauf auswirken.

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