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Repellenzien

Dufte Abstandhalter

Mücken sind überall auf der Welt zu Hause. Doch während heimische Insekten in der Regel nur lästig sind, übertragen die Plagegeister in tropischen Gefilden ernstzunehmende Infektionskrankheiten. Wie machen hungrige Blutsauger am besten die Fliege?
Elke Wolf
24.05.2019  17:00 Uhr

Um Insekten und Zecken auf Distanz zu halten, werden Repellenzien und Insektizide eingesetzt. Während Erste vor allem abschreckend wirken, sind Insektizide Kontakt- oder Fraßgifte. Pyrethroide wie Permethrin und Allethrin töten die Tiere, indem sie ihre Nervenbahnen lähmen. Sie dienen meist der Imprägnierung von Kleidung und Moskitonetzen oder werden vor allem in den Tropen in Form von Sprays, Räucherspiralen oder Verdampfern eingesetzt.

Repellenzien sind dagegen dermal zu applizierende Präparate mit Pflanzenextrakten oder chemisch definierten Verbindungen, die schon bei Raumtemperatur einen hohen Dampfdruck sowie eine niedrige Verdampfungsrate aufweisen. Entweder maskieren sie den Eigengeruch des potenziellen Wirts und/oder interagieren mit den Sinnesorganen der Insekten (odorant receptor neurones bei Mücken und Haller’sches Organ bei Zecken), sodass diese die Haut des Wirts als wenig attraktiv wahrnehmen. Die Blutsauger werden abgeschreckt. Eine Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt aus dem Jahr 2013 hat analysiert, dass Repellenzien das Stichrisiko um mehr als 75 Prozent senken, wenn sie korrekt angewendet werden. Allerdings bietet der Duftmantel nur Schutz auf Zeit, da sich der Wirkstoff nach und nach verflüchtigt.

Abhängig von Inhaltsstoff und Dosis können die verschiedenen Präparate unterschiedlich lange ihre Arbeit verrichten. Zecken können in der Regel nicht so lange ferngehalten werden wie Stechmücken. Generell führt eine höhere Konzentration des Repellents nicht zu einer stärkeren Wirksamkeit, sondern nur zu einer längeren Wirkdauer. Sie müssen also seltener angewendet werden. Allerdings kann die postulierte Wirkdauer individuell variieren und stellt nur einen Anhaltspunkt dar. Da jeder Mensch Körpergerüche in unterschiedlicher Konzentration und Zusammensetzung aussendet, ist die Wirksamkeit eines Repellents von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Außerdem machen starkes Schwitzen, hohe Luftfeuchtigkeit oder Abrieb das Repellent schneller unwirksam.

Sicher in den Tropen

DEET (N, N-Diethyl-3-methylbenzamid, früher N, N-Diethyl-m-toluamid) ist der älteste Vertreter unter den Repellenzien. Es ist das Mittel der Wahl für den Einsatz in den Tropen und ist der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Goldstandard. So empfehlen der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes sowie die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin Reisenden in tropische Länder synthetische Mittel, allen voran DEET und Icaridin.

Ethylbutylacetylaminopropionat (EBAAP, Insect Repellent (IR) 3535) sowie DMP (Dimethylphthalat, oft in Kombination mit DEET) haben weniger Bedeutung, da sie schwächer und kürzer wirksam sind als die beiden erstgenannten Substanzen. Von natürlichen Repellents wird explizit abgeraten. In jedem Fall sollten sich Reisende erkundigen, welche Repellenzien am Urlaubsort empfohlen werden. Häufig sind andere Substanzen dort wirksamer. Zum Beispiel sprechen DEET und Icaridin kaum auf die Sandfliegen in Neuseeland oder die Mücken in Schweden an. Und auch gegen die in Deutschland verbreiteten Schildzecken hat sich DEET als weniger effektiv erwiesen.

Die Wirksamkeit DEET-haltiger Mittel ist stark von ihrer Konzentration abhängig. So schützen sie beispielsweise in einer Konzentration von 5 Prozent etwa zwei Stunden, bei 20 Prozent rund fünf Stunden und bei 30 Prozent maximal sechs Stunden gegen Stechmücken. Die maximale Wirksamkeit wird bei etwa 50 Prozent erreicht. Höhere Konzentrationen sind deshalb nicht sinnvoll. Vielmehr kommen dann die unerwünschten Eigenschaften der Substanz zum Tragen, wie lokale Haut- und Schleimhautreaktionen sowie in seltenen Fällen neurotoxische Effekte.

Daher sollte man DEET-haltige Präparate nicht großflächig auftragen. Auch während der Schwangerschaft und Stillzeit und für Säuglinge und Kleinkinder sind sie nicht geeignet. Die vom Hersteller empfohlenen Altersangaben für Kinder (meist ab drei Jahren) variieren bei den verschiedenen Präparaten aufgrund der unterschiedlichen DEET-Konzentrationen. Die gleichzeitige Anwendung von resorptionsbegünstigenden Hilfsstoffen in Cremes wie Harnstoff oder Salicylsäure ist nicht zu empfehlen.

Zu beachten ist zudem, dass die Substanz Kunststoffe von Sonnenbrillen, Handys oder Uhren angreift. Vorsicht auch bei gleichzeitiger Anwendung eines Sonnenschutzmittels: Dann steigt die Resorption von DEET deutlich an, während der Schutz gegen UV-Strahlung abnimmt. Von einer fixen Kombination aus DEET und einem Lichtschutzfaktor ist deshalb abzuraten.

Der zweite von der WHO empfohlene Wirkstoff ist Icaridin. Hinsichtlich Wirkspektrum und -dauer ist es mit DEET weitestgehend vergleichbar, bei einigen Ektoparasiten sogar wirksamer, so gegen Zecken. 20-prozentige Zubereitungen schützen zuverlässig bis zu fünf Stunden vor Zecken und vor Mücken bis zu acht Stunden. Icaridin ist besser verträglich als DEET, außerdem greift es keine Kunststoffe an. Deshalb gilt es als wertvolle Alternative bei DEET-Unverträglichkeit sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit. Toxikologische Untersuchungen haben keine Vorbehalte gegen seine Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit ergeben. Zudem kann es schon bei Kindern ab zwei Jahren verwendet werden.

Eine weitere Alternative stellt Ethylbutylacetylaminopropionat dar. Im Gegensatz zu Icaridin und DEET ist es auch gegen Wespen, Bienen und Sandmücken, die Überträger der Leishmaniose, wirksam. Es wird allerdings weniger zur Prophylaxe von Tropenkrankheiten, sondern eher in gemäßigten Klimazonen eingesetzt, da seine Wirkdauer deutlich kürzer ist als die von DEET und Icaridin. Nennenswerte Nebenwirkungen sind in den vergangenen 20 Jahren seiner Verwendung nicht bekannt geworden. Entsprechende Präparate sind in Deutschland zum Teil schon ab zwei Monaten sowie in Schwangerschaft und Stillzeit zugelassen.

Auf pflanzlicher Basis

Unter den natürlichen Repellenzien zeigt der Ölextrakt Citriodiol® aus den Blättern des Zitroneneukalyptus beziehungsweise sein synthetisch hergestellter Hauptinhaltsstoff PMD (Para-Methan-3,8-diol) die beste Wirksamkeit. PMD besitzt eine Wirkdauer von mehreren Stunden, wirkt jedoch schwächer und kürzer als die chemischen Repellenzien. Aufgrund von potenziellen Hautirritationen bei Atopikern sollte es nur mit Vorsicht angewandt werden. Für die Schwangerschaft fehlen zuverlässige toxikologische Studien, sodass die Anwendung nicht empfohlen werden kann.

Zahlreiche ätherische Öle haben eine abwehrende Wirkung auf Insekten. So kommen etwa ätherische Öle aus Nelken, Teebaum oder Zitronellagras zum Einsatz. Und auch die in Kokosöl und -fett enthaltenen Caprin- und Laurinsäuren haben eine nachweislich mückenabwehrende Wirkung. Allerdings wirken sie nur für kurze Zeit (manchmal weniger als eine Stunde) und haben ein eingeschränktes Wirkspektrum, zum Beispiel sind sie machtlos gegen Zecken oder Anopheles-Mücken. Ihre pflanzlichen Wirkstoffe machen die Zubereitung auch nicht besser verträglich als ihre synthetischen Pendants. Zahlreiche ätherische Öle haben ein allergenes Potenzial, einige können die Haut lichtempfindlich machen – erst recht in Kombination mit Sonnenlicht – oder die Schleimhäute reizen. 

Andere Applikationswege

Mückenbänder fürs Handgelenk, die mit Repellenzien imprägniert sind, bieten im Gegensatz zu flüssigen Abwehrmitteln keinen flächendeckenden Schutz. Auch die Wirkung von Geräten, die UV-Licht (Lichtfallen) oder Ultraschall (Buzzer) aussenden, ist anzuzweifeln. Eine sinnvolle zusätzliche Schutzmaßnahme in den Tropen ist dagegen die Verwendung von Insektiziden in Form von Sprays, Räucherspiralen oder Verdampfern. Sie enthalten meist Pyrethroide wie Permethrin oder Allethrin.

Hierzulande kommen »Mückenstecker« als Biozidverdampfer zum Einsatz, indem sie an herkömmliche Steckdosen angeschlossen werden. Sie enthalten Wärmeplatten und Wirkstoffplättchen getränkt mit Pyrethroiden wie Prallethrin (NexaLotte® Mückenstecker) oder Transfluthrin (Globol® Mückenstecker). Die enthaltenden Insektizide sind zwar wirksam (etwa bei starker Mückenbelastung in Ferienhäusern oder in Epidemiegebieten), aber in Sachen Umwelt- und Personenschutz nicht unbedenklich. Um Reizungen der Haut, Augen und Atemwege zu vermeiden, sollten die Räume besonders von empfindlichen Personen und Kindern während der Anwendung nicht betreten werden. Anschließend Fliegengitter anbringen und gut lüften.

Wirkstoff Präparate
DEET (N,N-Diethyl-3-methylbenzamid) Anti Brumm® forte (30%, ab drei Jahren), Autan® Tropical Dry Spray (25%, ab zwei Jahren), Care Plus® Anti-Insect DEET (30%, 40%: ab 13 Jahren, 50%: ab 18 Jahren, Lotion, Spray, Gel), Jungle Formula by Azaron® Xtreme (50%, ab 18 Jahre), Nobite® Hautspray (50%, ab fünf Jahren)
Icaridin (in der Regel ab zwei Jahren) Anti Brumm® Classic, Night und Sun (20%), Autan® Protection plus Pumpspray (20%), Ballistol® Stichfrei (20%, mit ätherischen Ölen, Spray und Mückenschutztücher), Care Plus® Anti-Insect Sensitive (12,5%), Doctan® classic und Kinder (20%, ab sechs Monaten), Jungle Formula by Azaron® Complete (20%, ab drei Jahren), mosquito®protect Mückenschutzspray (20%), Nobite® Haut sensitive (30%)
IR 3535 (Ethylbutylacetylaminopropionat) Jungle Formula by Azaron® Kids (20%, ab einem Jahr)
Citriodiol® beziehungsweise PMD (Para-Menthan-3,8-diol) Anti Brumm® Naturel (31%, ab einem Jahr), Jungle Formula by Azaron® Natural (40%, ab drei Jahre), mosquito®classic Insektenschutzspray (20%, ab einem Jahr), Nobite® Haut Botanic (50%, ab drei Jahren), Soventol® protect Mückenschutz (11%, ab einem Jahr), Zedan® Outdoor (20%, ab sechs Monaten)
Verschiedene ätherische Öle, unter anderem PMD (Para-Menthan-3,8-diol) Care Plus® Insektenschutz Natural (ab drei Monate, Spray, Roll-on, Stick), Effitan® Insektenschutzspray
Eine Auswahl an Insekten- und Zeckenschutzmitteln aus der Apotheke (Quelle: ABDA-Datenbank)

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