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In Studie bewiesen

Dunkle Schokolade verbessert die Laune – und das Mikrobiom

Regelmäßiger Schokoladengenuss kann eine antidepressive Wirkung haben und die Stimmung bei gesunden Erwachsenen deutlich verbessern – vorausgesetzt, ihr Kakaoanteil liegt bei mindestens 85 Prozent. Der Grund dafür dürfte unter anderem in einer positiven Beeinflussung des Mikrobioms liegen. Das berichten Forschende aus Seoul im »Journal of Nutritional Biochemistry«.
Katja Egermeier
16.12.2021  16:00 Uhr

In ihrer randomisierten kontrollierten Studie testeten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen um Dong-Mi Shin von der Seoul National University zwei Arten dunkler Schokolade: mit 70 Prozent und mit 85 Prozent Kakaogehalt. Die Testpersonen – gesunde Erwachsene im Alter zwischen 20 und 30 Jahren – konsumierten drei Wochen lang morgens, mittags und abends 10 Gramm der jeweiligen Sorte. Eine dritte Kontrollgruppe verzehrte im gleichen Zeitraum keine Schokolade. Zu Beginn sowie im Anschluss daran wurde die Stimmung der Teilnehmenden anhand standardisierter Fragebögen gemessen und deren Stuhlproben molekularbiologisch analysiert.

Das Ergebnis: Die Probanden und Probandinnen, welche die 85-prozentige Schokolade zu sich genommen hatten, berichteten von einer signifikant positiven Veränderung ihrer Stimmung. Nicht so diejenigen, die drei Wochen lang Schokolade mit 70 Prozent Kakaoanteil oder gar keine Schokolade verzehrt hatten. Bei diesen zwei Gruppen hat sich der Studie zufolge kein Unterschied ergeben.

Zudem zeigte die Stuhlanalyse, dass sich die mikrobielle Diversität im Darm der Gruppe, die 85-prozentige Schokolade verzehrt hatte, nach drei Wochen signifikant erhöht hatte – inklusive des Spiegels des Darmbakteriums Blautia obeum. Die Häufigkeit von Faecalibacterium prausnitzii war dagegen reduziert. In früheren Studien, so die Forschenden, habe ein vermehrtes Auftreten von Blautia mit positiven, das von Faecalibacterium dagegen mit negativen Stimmungswerten korreliert. Es sei auch durchweg berichtet worden, dass sich im Mikrobiom gesunder Personen im Vergleich zu Patienten mit psychiatrischen Störungen vermehrt Blautia befinde.

Zwei Faktoren für gute Laune

Dieses Ergebnis weise darauf hin, dass dunkle Schokolade eine präbiotische Wirkung besitzt. Aufgrund ihres hohen Kakaoanteils sei sie in der Lage, die Vielfalt und Fülle der Darmbakterien so umzustrukturieren, dass diese über die Darm-Hirn-Achse die Funktion des Gehirns beeinflussen und eine antidepressive Wirkung entfalten können. 

Daneben wirke ein hoher Kakaoanteil womöglich noch auf eine zweite Weise positiv auf die Stimmung: Nicht nur habe sich nach dem täglichen Verzehr der Schokolade mit dem sehr hohen Kakaogehalt die mikrobielle Diversität im Darm erhöht, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen hätten zudem etwa 400 mg Polyphenole – vor allem die in Kakao vorherrschenden Flavonoid-Verbindungen Katechin und Epikatechin – aufgenommen. In der zweiten Schokoladengruppe habe dies nur 250 mg betragen – eine Dosis, die in früheren Studien noch nicht für eine Stimmungsaufhellung ausgereicht habe.

Die Aufnahme der hohen Dosis an Polyphenolen könne neben der veränderten Zusammensetzung der Darmflora also als zweiter Faktor für die antidepressive Wirkung verantwortlich sein, so die Studienautoren. Beide Wirkkomponenten seien dazu in der Lage, über die Darm-Hirn-Achse auf das zentrale Nervensystem einzuwirken, wenn auch auf verschiedenen Wegen: Die Polyphenole seien direkt wirksam, da sie die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Das Darmbakterium Blautia obeum hingegen setze spezifische Stoffwechselprodukte frei, die wiederum auf eigene Weise positive Effekte auf die Stimmung entfalten.

Natürlich müssten weitere, auch verblindete Untersuchungen mit mehr als den hier knapp 50 Testteilnehmern folgen. Doch sei dies die erste Studie, die eine Einflussnahme von dunkler Schokolade auf die Psyche belege.

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