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Früherkennung

Durchblick beim Grauen und Grünen Star

Fast eine Million meist ältere Menschen lassen sich Jahr für Jahr am Auge operieren, weil ein Grauer Star ihre Linse eintrübt. Hinterher sehen sie meist deutlich besser. Beim Grünen Star ist eher Schadensbegrenzung als Heilung möglich. Umso wichtiger ist die Früherkennung.
Barbara Erbe
17.06.2021  16:00 Uhr

Sowohl der Graue als auch der Grüne Star zählen in Deutschland zu den häufigsten Augenerkrankungen. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Denn was im Alltag ähnlich klingt und auch oft miteinander verwechselt wird, sind zwei höchst unterschiedliche Krankheitsbilder.

Als Grauen Star oder Katarakt bezeichnet man den Vorgang, dass sich die Augenlinse, die ursprünglich klar war, nach und nach eintrübt. Betroffene sehen dann wie durch einen leichten Schleier, der mit der Zeit immer dichter wird. Auch reagieren viele empfindlicher auf Licht und fühlen sich früher geblendet. Da sich die Linse in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankungen weiß-gräulich eintrübt, hat der Krankheit möglicherweise im Volksmund die Bezeichnung des Grauen Stars eingebracht.

»Weltweit ist die Katarakt immer noch die häufigste Ursache für Erblindung«, berichtet Professor Dr. Martin Spitzer, Direktor der Klinik und Politklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Eppendorf, da es in vielen ärmeren Ländern an ausreichenden Behandlungsmöglichkeiten der Katarakt mangelt. Warum es im Laufe des Lebens auf kurz oder lang bei nahezu jedem Menschen zu einer Linsentrübung kommt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Bei Diabetes und anderen Stoffwechselstörungen, starkem Rauchen, Mangelernährung oder bestimmten Augenerkrankungen oder -verletzungen kann eine Katarakt bereits in jüngeren Jahren auftreten.

»Weltweit ist die Katarakt immer noch die häufigste Ursache für Erblindung.«
Prof. Dr. Martin Spitzer, Direktor der Klinik und Politklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Eppendorf

Was auch immer dahinter steckt: Die Patienten bemerken die fortschreitende Sehverschlechterung in der Regel selbst und gehen - zumindest in den Industrienationen - von sich aus zum Augenarzt. In Deutschland unterziehen sich deshalb Jahr für Jahr um die 900.000 Menschen einer Katarakt-Operation, sagt Spitzer im Gespräch mit PTA-Forum, bei der die Linse ausgetauscht wird. »Die Operation zählt zu den Routineeingriffen und führt bei den allermeisten Menschen zu einer Sehverbesserung und damit zu einem deutlichen Gewinn an Lebensqualität.«

Sehnerv unter Druck

Die Geschichte des Grünen Stars verläuft dagegen ganz anders. Das Glaukom schreitet zunächst meist völlig unbemerkt voran. Wird es nicht frühzeitig entdeckt und behandelt, kann Blindheit drohen. Nimmt man einen kleinen blinden Fleck wahr, ist der Sehnerv schon deutlich beeinträchtigt. In Deutschland sind über 920.000 Menschen an einem Glaukom erkrankt, die allermeisten davon erst ab einem Alter von 40 Jahren.

Es gibt mehrere Formen des Glaukoms, denen eines gemeinsam ist: Immer gehen die Nervenfasern zugrunde, die den Sehnerv bilden – und diese Schädigungen des Sehnervs sind unumkehrbar. Der wichtigste Faktor dabei ist ein erhöhter Augeninnendruck, erläutert Ophthalmologe Spitzer. Als weitere mögliche Ursache gilt eine unzureichende Blutversorgung der Sehnervzellen. Dennoch sei es falsch, das Glaukom allein über den erhöhten Augeninnendruck zu definieren, erklärt der Sprecher des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands, Dr. Ludger Wollring. »Entscheidend ist die Beurteilung des Sehnervens durch den Augenarzt

Antiglaukomatosa helfen

Den meisten Glaukom-Patienten kann mit Antiglaukomatosa in Form von Augentropfen geholfen werden, die die Produktion des Augenkammerwassers senken oder dessen Abfluss verbessern. Dazu zählen konsequent teils mehrmals täglich getropfte Prostaglandinanaloga, Betablocker, Carboanhydrasehemmer oder Alpha-Agonisten, teils auch in Kombination. Auf diese Art wird verhindert, dass der Sehnerv weiteren Schaden nimmt – bereits bestehende Schäden können nicht mehr korrigiert werden.

Lässt sich der Augendruck durch die medikamentöse Behandlung nicht mindern, sind ambulante laserchirurgische Verfahren wie die Selektive Laser Trabekuloplastik (SLT) eine Option. Auch sie verbessern den Abfluss des Kammerwassers, erläutert Spitzer. »Dieses Verfahren ist weitgehend schmerzfrei, dauert nur wenige Minuten und hat keine nennenswerten Nebenwirkungen. Allerdings hält der drucksenkende Effekt meist nur ein bis zwei Jahre an.« Es obliegt dem behandelnden Ophthalmologen, ob nicht auch diese Art Ventil, mit dessen Hilfe das Kammerwasser besser abfließen kann, chirurgisch bei einer Trabekulektomie gelegt werden kann, oder ob die Implantation von bestimmten Stents oder eine Reihe sogenannter nicht-penetrierender Operationsverfahren sinnvoll sein könnte.

Neben einem erhöhten Augeninnendruck und der genetischen Veranlagung gibt es weitere Risikofaktoren, die die Entwicklung eines Glaukoms begünstigen. Dazu gehören die ethnische Zugehörigkeit - so haben beispielsweise Menschen afrikanischer Abstammung ein höheres Erkrankungsrisiko -, Fehlsichtigkeit wie höhergradige Kurzsichtigkeit oder starke Weitsichtigkeit, Diabetes mellitus sowie Durchblutungsfehlregulationen und Gefäßverschlüsse.

Linsentausch bei Katarakt

Anders als eine Glaukom-Operation, bringt die Operation einer Katarakt den Betroffenen meist eine deutliche Verbesserung ihrer Sehkraft. Mehr noch: Viele Brillenträger brauchen danach nur noch eine schwächere oder gar keine Sehhilfe mehr. Denn bei dem Eingriff wird die getrübte Linse verflüssigt und abgesaugt sowie durch eine Kunstlinse ersetzt, deren Brechkraft individuell berechnet wird. Dadurch können vorher bestehende Fehlsichtigkeiten ganz oder teilweise ausgeglichen werden. So lässt sich etwa ein Auge, das zuvor kurzsichtig war, so einstellen, dass es ohne Brille für die Ferne gut sieht.

Allerdings kann eine Kunstlinse keine Naheinstellung (Akkommodation) leisten, wie es die junge natürliche Linse kann. Deshalb bleibt man nach einer Kunstlinsen-Implantation weiter alterssichtig und braucht eine Lesebrille – außer, wenn man sich zum Einsatz von Multifokallinsen entscheidet, die aber nicht für jeden Patienten geeignet sind. Die Wahl der geeigneten Kunstlinse sollte vorab nach individueller augenärztlicher Beratung erfolgen. Es ist an den Patienten zu entscheiden, in welchem Bereich (Ferne, Nähe oder Zwischenentfernungen) sie auch ohne Brille möglichst scharf sehen möchten. Für die Staroperation ist in den meisten Fällen nur eine örtliche Betäubung erforderlich, sodass sie ambulant durchgeführt werden kann. Die Linsen werden jedoch in getrennten Sitzungen, zwischen denen mehrere Tage bis Wochen liegen, ausgetauscht.

Nach der Operation halten Antibiotika- und entzündungshemmende Cortisol-haltige Augentropfen das Auge keimfrei. Die Tropfen müssen mehrmals täglich für etwa fünf Wochen in abnehmender Häufigkeit eingeträufelt werden. Freilich sollte beim Duschen oder Haarewaschen in den ersten Wochen kein Wasser ins Auge gelangen.

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