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Expopharm Impuls 

Effizientes Labor durch Software-Programme

Bei der Rezepturherstellung gilt es, stets sauber und korrekt zu arbeiten – auch in stressigen Zeiten. Entsprechende Laborsoftware-Programme versprechen, Arbeitsabläufe zeitsparender und sicherer zu gestalten. Welche Vorteile sie wirklich bringen und wo noch Änderungsbedarf besteht, war Thema in einer Diskussionsrunde bei der Expopharm-Impuls.
Michelle Haß
08.10.2020  15:30 Uhr

»Laborsoftware-Programme haben viele Vorteile. Aber einer der größten ist sicherlich die Zeitersparnis, die sie mit sich bringen«, sagte Apothekerin Susanne Ulmer am Rezeptur-Mittwoch der diesjährigen Expopharm Impuls. Eine geeignete Software fasse die gesamte Dokumentation an einem Ort zusammen, sodass lästiges Suchen in Ordnern nach Unterlagen ausbleibt, erleichtere die Plausibilitätsprüfung und vereinfache den Alltag, beispielsweis durch eine automatische Chargenvergabe oder Ansatzberechnung, erklärt sie weiter. Ulmer ist bei Pharma4u verantwortlich für den Bereich Rezeptur und betreut dort vor allem die Weiterentwicklung der Laborsoftware Labor+.

Auch Dr. Uwe Weidenauer, promovierter Technologe und Apothekenleiter, bestätigt, dass sich durch eine Laborsoftware Ressourcen sparen ließen. Hochgerechnet würde er in Wochen, in denen viele Rezepturen anstehen, rund fünf Stunden einsparen können. Arbeitskapazitäten, die man anderweitig einsetzen könne. Er betont: »Für mich ist eine Laborsoftware jedoch in erster Linie ein Qualitätstool, das die lückenlose Dokumentation verbessert beziehungsweise sichert.« Positiv bewertet er außerdem das umfangreiche fachliche Wissen, das in solchen Programmen hinterlegt sei und beispielswiese die Plausibilitätsprüfung von Rezepturen enorm vereinfachen würde.

Verbesserungsbedarf

Apotheker Philipp Böhmer konnten die Laborprogramme bisher noch nicht vollständig überzeugen. Er arbeitet in der Rezeptur mit selbstentwickelten Datenbanken und Programmen wie Excel. Sein Hauptkritikpunkt an den herkömmlichen Software-Programmen: Die doppelte Datenpflege aufgrund der fehlenden Schnittstelle mit dem Warenwirtschaftssystem. »Eine Zusammenarbeit wäre hier wünschenswert«, sagt Böhmer.

In naher Zukunft werde es das wohl aber eher nicht geben, erklärt Ulmer. Denn in der Praxis sei dies schwer umzusetzen und müsse auch von beiden Seiten gewollt sein. Ein bisschen Hoffnung gibt sie dennoch: »Wir sind schon in Gesprächen mit verschiedenen Softwarehäusern. Ich denke, da wird sich auf jeden Fall etwas tun, aber das wird noch etwas Zeit beanspruchen.«

Daneben wünscht sich Weidenauer eine Schnittstelle mit Lieferanten von Ausgangsstoffen sowie »eine globale Plausibilitätscheck-Datenbank«, das heißt eine Vernetzung aller Apotheken, die dort ihr Know-how einspeisen können. Dieses müsse natürlich anschließen noch geprüft werden, gibt er zu bedenken. Etwas Ähnliches in einem etwas kleineren Maßstab biete bereits das DAC/NRF mit ihrem Rezepturenfinder, erinnert Ulmer. Dort werden neben Rezepturformeln aus anerkannten Formularien und der Fachpresse freie Rezepturen aus Anfragen von Apotheken in einer Datenbank zusammengefasst.

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