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Bullet Journals

Eine Methode, viele Möglichkeiten

Bullet Journals sind auf Social-Media-Kanälen wie Youtube und Instagram derzeit ziemlich angesagt. Ein analoges Tool im digitalen Zeitalter – ist das nicht völlig veraltet? Es lohnt, sich die Methode genauer anzusehen.
Maria Pues
13.06.2019
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Ein Notizbuch, einen Stift und ein Lineal : Viel mehr benötigt man nicht, um die Bullet Journal Methode für sich zu erkunden. Die Betonung liegt dabei gleichermaßen auf »für sich« und auf »erkunden«, denn die Methode versteht sich ausdrücklich nicht als eine vorgefertigte Schablone für alle. Das ist ihr Vorteil und Nachteil zugleich: Wer mit fertig strukturierten Werkzeugen gescheitert ist, findet hier etwas, das er auf die eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Es erfordert allerdings ein wenig Nachdenken und Ausprobieren. Dann kann man die Methode einsetzen, wo und wie man es für richtig hält: um den Alltag in den Griff zu bekommen, in der Ausbildung, um rechtzeitig zum Prüfungstermin die Vorbereitungen abgeschlossen zu haben, um sein Körpergewicht oder seinen Blutzucker zu senken, um seinen Garten zu gestalten und für vieles andere mehr.

Ein wenig Hintergrund vorab: Entwickelt hat die Bullet Journal Methode der New Yorker Ryder Carroll, Jahrgang 1981 und von Beruf Digital Product Designer. Aufgrund eines Aufmerksamkeitsdefizit-Syndroms (ADS) hatte er seit der Schulzeit Probleme, da sein Fokus sich im Sekundentakt auf das Nächstbeste richtete – keine gute Voraussetzung, um erfolgreich zu sein oder Projekte zu planen und umzusetzen. Er suchte für sich selbst eine Möglichkeit, seinen Alltag in den Griff zu bekommen: um nichts mehr zu vergessen, Aufgaben zu ihrer Zeit zu erledigen, sich dabei auf sie zu konzentrieren, Ideen festzuhalten, Lebensziele zu identifizieren und zu verfolgen und vieles mehr. Dazu verwendete er ein Notizbuch, in dem er alles nach einem bestimmten System notierte. Daraus entstand – über viele Zwischenschritte – das Buch, in dem er seine Methode erklärt (siehe Kasten).

Aufgaben und Gedanken schnell notieren

Die Methode an sich ist einfach. Ihr liegt das sogenannte Rapid-Logging zugrunde, das schnelle Notieren von Aufgaben, Terminen, Gedanken und allen anderen Dingen, die einem wichtig erscheinen. Dabei muss man zunächst gar nicht entscheiden, wann eine Aufgabe erledigt werden soll. Man notiert sie einfach am aktuellen Tag. Erst am Abend oder am nächsten Morgen entscheidet man, was damit geschehen soll. Um alles schneller wiederfinden zu können, versieht man die einzelnen Notizen mit bestimmten Symbolen. Dass Aufgaben mit einem Punkt gekennzeichnet werden, hat einen praktischen Grund: Hat man sie erledigt, verwandelt man den Punkt in ein »x«. Verschiebt man sie auf den nächsten Tag, verwandelt man den Punkt in einen Pfeil nach rechts (>); verschiebt man sie auf einen späteren Zeitpunkt (in den Future Log oder den Monthly Log) gibt es in einen Pfeil nach links (<), da sich die entsprechenden Übersichten weiter vorn im Journal befinden. So kann man schnell reagieren, wenn das Leben einem einen Strich durch die schöne Planung macht.

Das Journal benötigt nur wenig Struktur: Ganz vorn richtet man ein Inhaltsverzeichnis (Index) ein. Während sich das Bullet Journal füllt, nummeriert man die Seiten. Wichtige Projekte notiert man mit ihren Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis, um sie bei Bedarf schneller wiederfinden zu können. Dann folgen eine Übersicht über die nächsten Monate (Future Log), eine Übersicht über den aktuellen Monat (Monthly Log) und die Tagesübersichten (Daily Logs). Deren Umfang richtet sich nach der Menge, die man notieren möchte. Ryder Carroll stellt jedem Monat nicht nur einen Monthly Log voran, sondern auch eine Tagesübersicht. Sie erfüllt jedoch nicht die Funktion eines herkömmlichen Terminkalenders, der anstehende Termine enthält. Er verwendet sie vielmehr, um Ereignisse zu protokollieren, nachdem sie stattgefunden haben: zum Beispiel die PTA-Prüfung bestanden, eine tolle Fortbildung besucht, die erste Fahrradtour des Jahres gemacht. So dient die Übersicht der Erinnerung, was im jeweiligen Monat passiert ist, was man erlebt hat oder – wenn man sich etwas vorgenommen hat – welche wichtigen Zwischenziele man erreicht hat. Eine wichtige Motivations-Quelle für Tage, an denen es nicht so gut läuft.

Auch für langfristige Ziele

Man kann ein Bullet Journal aber auch nutzen, um ferne oder langfristige Ziele zu erreichen: für die Planung des Urlaubs (Vorfreude inklusive) oder die Umsetzung gesundheitlicher Ziele. Das macht die Methode auch für Apothekenkunden und Patienten interessant. Ein Beispiel: zu hohe Blutzuckerwerte oder zu viel Gewicht auf der Waage. Oft spielen hierbei eine ungeeignete Ernährung und zu wenig Bewegung eine wichtige Rolle. Will man das Problem bei der Wurzel packen, kann man dort gezielt ansetzen. Anders gesagt: Es gibt verschiedene Stellschrauben, an denen man drehen kann. Konkret heißt das, für sich selbst eine Ernährung zu finden, die einem schmeckt und die den Blutzucker nicht zu stark in die Höhe treibt, und Bewegung, die Spaß macht.

Oft merken Betroffene, dass die Umsetzung mal besser und mal weniger gut klappt und der Weg nicht immer geradeaus geht. Genau darum geht es: Nicht „aus der Kurve zu fliegen“, wenn die Strecke schwierig wird, und seinen eigenen Fahrstil zu entwickeln – eigene Strategien, mit denen man sein wichtiges Ziel auch unter ungünstigen Bedingungen nicht aus den Augen verliert.

Die Zukunft gestalten

»Die Vergangenheit zu lesen, die Gegenwart zu ordnen, damit Sie die Zukunft gestalten können«, so formuliert Carroll das Ziel seiner Methode. Warum nicht digital? Erledigte Aufgaben verschwinden im Journal nicht in der Unsichtbarkeit. Die Frage, was man in den letzten Wochen und Monaten gemacht und geschafft hat, beantwortet sich beim Durchblättern ganz leicht. Gleichzeitig blickt man nicht Tag für Tag ausschließlich auf eine lange Liste unerledigter Aufgaben, sondern auch auf eine motivierende Sammlung erledigter Dinge.

Warum nicht mit einem Kalender? Dort haben alle Tage und Wochen einen festen Umfang und bieten damit häufig entweder zu viel oder zu wenig Platz. Warum nicht ein Tagebuch? Dort erfolgen die Eintragungen meist ausführlich, man konzentriert sich auf einzelne, oft emotionale Ereignisse. Das Bullet Journal ist anders: Es konzentriert sich auf Fakten, das Notieren erfolgt stichpunktartig, schnell und so, dass man auch Jahre später noch weiß, worum es gegangen ist.

 

Ein paar Tipps für die ersten Versuche: Ein einfaches Notizbuch oder Schulheft eignet sich bestens. Damit hat man keine Hemmungen, alles einfach mal auszuprobieren und seine eigene Struktur zu finden. Nach einer endgültigen Struktur für die Zukunft zu suchen, wäre unnötiger Perfektionismus und vergebene Mühe, denn das Leben ändert sich und das Journal mit ihm. Dass es nicht perfekt sein möchte, macht einen großen Teil seines Charmes aus. Aufwendige Gestaltungen sind nett, aber nicht notwendig: Klar, übersichtlich und unkompliziert soll es sein. Auch Wochen oder Monate im Voraus anzulegen, ist nicht erforderlich. Damit brächte man sich um einen wichtigen Aspekt des Bullet Journals: jeden Abend beziehungsweise Morgen neu über seinen Tag zu entscheiden. Starten kann man zu jeder Zeit. Man muss mit der Umsetzung seiner Ziele und Vorsätze also nicht mehr bis zum nächsten Jahreswechsel warten.

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