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Beratung in der Apotheke

Typ-1-Diabetes: Eltern unterstützen

Typ-1-Diabetes ist in der Bevölkerung immer noch vielen Menschen unbekannt. Dabei steigen die Zahlen an Erkrankten, und theoretisch kann es jeden erwischen. Gut, wenn PTA über Symptome und Therapie aufklären und somit Eltern und Betroffene auch langfristig unterstützen können.
Isabel Weinert
18.10.2019
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Bei den meisten Kindern, die an Typ-1-Diabetes erkranken, verläuft der Ausbruch schwerwiegend. Die Kinder entwickeln wegen der steigenden Blutzuckerwerte eine Ketoazidose, also eine Stoffwechsel-Entgleisung, die tödlich verlaufen kann. Dabei ließe sich diese Erstdiagnose »auf den letzten Drücker« wahrscheinlich vermeiden, wären Eltern besser darüber informiert, wie sich Typ-1-Diabetes äußert. Die Symptome sind vor allem: Großer Durst, häufiges Wasserlassen, Erschöpfung/Müdigkeit und Gewichtsverlust. Schildern Eltern in der Apotheke derartige Symptome bei ihrem Kind, sollten PTA sie auf dem schnellsten Weg zum Kinderarzt schicken. Er findet über eine Blutzuckermessung rasch heraus, ob sich der Verdacht bestätigt.

Gut begleiten

Stellt der Arzt die Diagnose, sind Eltern erst einmal wie vor den Kopf gestoßen. Viele Fragen stellen sich, denn es ist tatsächlich nicht einfach, für das eigene Kind den Umgang mit der Stoffwechsel-Erkrankung zu lernen. Je jünger das Kind, umso herausfordernder. Hier können PTA auf verschiedenen Ebenen unterstützen: das exakte Messen des Blutzuckers erklären, die Handhabung der Pens, die unterschiedliche Wirkweise von Insulinen, den Umgang mit Unterzuckerungen (Traubenzucker oder zuckerreiche Getränke geben). Oft werden Kinder mit Typ-1-Diabetes auch mit einer Insulinpumpe behandelt und bekommen immer häufiger auch ein kontinuierliches Glucose-Messsystem (CGM oder Flash Glucose Monitoring). Dann läuft die Versorgung mit Arznei- und Hilfsmitteln in geringerem Maße über die Apotheke. In jedem Fall können PTA jedoch beraten, wenn die Eltern eines diabetischen Kindes in die Apotheke kommen, weil das Kind einen Infekt hat. Zum einen sind Diabetiker anfälliger für Infekte, wenn der Diabetes nicht gut eingestellt ist – das wäre ein wichtiger Hinweis. Zum anderen gerät der Stoffwechsel durch einen Infekt meist aus dem Ruder. Die Werte schnellen in die Höhe, und der Insulinbedarf kann vorübergehend ansteigen.

Infekten begegnen

Besonders wichtig ist dieses Wissen bei einem Magen-Darm-Infekt. Denn Durchfall und Erbrechen führen dazu, dass gegessene Kohlenhydrate nicht in die Blutbahn gelangen können. Bei der sonst üblichen Insulinmenge droht dann Unterzucker, weil das Insulin wirkt, aber die Kohlenhydrate fehlen. Der Infekt an sich fordert allerdings die Stresshormone heraus – und diese wiederum treiben den Blutzucker über Gebühr in die Höhe. Mit einer Insulinpumpen-Therapie lässt sich der Blutzucker-Achterbahn im Infekt leichter begegnen als mit einer Intensivierten konventionellen Therapie (ICT), aber in jedem Fall gilt: Der Blutzucker des Kindes muss deutlich häufiger bestimmt werden als im Normalfall. So lassen sich Unterzuckerungen frühzeitig erkennen, ebenso bedrohlich hohe Werte, die in eine Ketoazidose münden könnten.

Notfälle kennen

Typ-1-Diabetiker können aufgrund ihrer Erkrankung in zwei Notfall-Situationen geraten: den Hyposchock, bei sehr tiefen Blutzuckerwerten (unter 70 mg/dl), und die Ketoazidose, die schnell im gefährlichen diabetischen Koma münden kann. Eltern haben vor beidem Angst. Gerade zu Beginn der Diabeteserkrankung ihres Kindes geraten deshalb viele Eltern in eine Angstspirale. Sie befürchten, ihr Kind könne im Schlaf unterzuckern und an den Folgen versterben. Und sie haben Angst, eine Ketoazidose nicht rechtzeitig zu erkennen. Diese Ängste sollten PTA auf jeden Fall ernst nehmen und den Eltern raten, sich medizinisch und psychologisch unterstützen zu lassen, am besten bei dem Diabetologen ihres Kindes.

Pubertät meistern

In der Pubertät gerät der Blutzucker vieler Typ-1-Diabetiker aus dem Lot. Daran tragen die Sexualhormone Schuld, aber auch die Tatsache, dass viele Jugendliche in dieser Phase keine Lust auf ihre Krankheit haben oder sich ihrer sogar schämen. Ist dem Heranwachsenden die Apotheke vertraut, hat er im Laufe seiner Erkrankung womöglich sogar schon eine feste Ansprechpartnerin dort, kann diese Person auch in dieser Phase eine zusätzliche Stütze sein, gemeinsam mit Eltern und Arzt. Sachwissen und Empathie sind dabei die wichtigsten Säulen.

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