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Magen-Darm-Erkrankungen

Ernährung ist Ursache und Therapie

Während in den vergangenen Jahren oft der Darm im Mittelpunkt des medizinischen Interesses stand, pflegte der obere Verdauungstrakt eher ein Schattendasein. Doch viele tiefer sitzende Beschwerden haben hier ihren Ursprung. Das Herbstsymposium des Verbands für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) im Oktober rückte deshalb den oberen Verdauungstrakt in den Fokus.
Inka Stonjek
22.11.2021  16:00 Uhr

Das komplexe Zusammenspiel von Mund, Speiseröhre, Magen und weiteren Organen wie Pankreas und Leber läuft im Alltag völlig unbemerkt ab. Erst wenn Blähungen, Sodbrennen oder andere Beschwerden auftreten oder sich eine ernsthafte Erkrankung bemerkbar macht, sind die Abläufe im Bauchinneren nicht mehr selbstverständlich. Dann geht es darum, Ursachenforschung zu betreiben und die Ernährung auf den Prüfstand zu stellen.

Bereits die Mundhöhle kann Ursprung zahlreicher Erkrankungen im ganzen Körper sein. So werden beispielsweise die entzündlichen Prozesse, die neben den Cholesterol-induzierten Mechanismen die Bildung atherogener Plaques in den Gefäßen begünstigen und zu kardiovaskulären Erkrankungen führen, auch von Bakterien im Mund ausgelöst. Normalerweise im warmen und feuchten Milieu in der Mundhöhle oder der Zahnfleischtasche ansässig, gelangen sie durch feine Läsionen des Zahnfleischs in den Blutkreislauf. Für rheumatoide Arthritis, Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2 gilt ein Zusammenhang zu Bakterien der Mundhöhle ebenfalls als gesichert.

Kranke Mundhöhle

Die etwa eine Billion Bakterien in der Mundhöhle bevölkern Zunge, Zähne und Schleimhäute und vermehren sich massiv bei mangelnder Mundhygiene. Zusammen mit Speichel und Nahrungsresten bilden sie einen Biofilm (Plaque) auf den Zähnen und in den Interdentalräumen. Saccharolytische Bakterien bauen Kohlenhydrate aus der Nahrung zu Milchsäure ab, die den pH-Wert in der Mundhöhle senken. »Zu wenige und zu kurze Pausen zwischen kohlenhydratreichen Mahlzeiten führen deshalb dazu, dass sich der pH-Wert im Mund nahezu den ganzen Tag unter dem Grenzwert von 5,7 befindet«, sagte Zahnärztin und UGB-Gesundheitstrainerin Dr. Angelika Pletka. Das saure Milieu demineralisiert den Zahnschmelz – Karies ist die Folge.

Parodontalpathogene Keime hingegen verstoffwechseln vor allem Proteine. Ihre Endotoxine können das Zahnfleisch entzünden (Gingivitis) und unbehandelt den gesamten Zahnhalteapparat schädigen. Neben Faktoren wie Rauchen, Stress, Adipositas oder Diabetes Typ 2 erhöht auch eine Ernährung mit einem hohen Anteil an raffinierten Kohlenhydraten, ungünstigem Fettsäure-Profil und wenig Vitaminen und Mineralstoffen das Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken.

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