PTA-Forum online
Notfälle

Erste Hilfe für Kinder

Bei einem Unfall müssen Ersthelfer schnell handeln. Sind Kinder betroffen, gibt es einige Besonderheiten zu beachten. Gerade Eltern sollten wissen, was bei der Erstversorgung von Kindern im Notfall zu tun ist.
Judith Schmitz
05.08.2019
Datenschutz

Unfallverletzungen sind für Kinder und Jugendliche in Deutschland eine der größten Gesundheitsgefahren. 60 Prozent der Unfälle passieren zuhause oder im häuslichen Umfeld. Gerade sehr junge Kinder sind sich vieler Gefahren noch nicht ausreichend bewusst. Kleine Kinder unter sechs Jahren verunglücken meist im Haus oder vergiften sich unwissentlich, indem sie etwa Reinigungsmittel trinken oder Tabletten schlucken. Bei älteren Kindern sind es eher Unfälle im Garten, Verkehr oder auf dem Spielplatz, die mitunter schwere Verletzungen verursachen können.

Nach einem Unfall schnell richtig zu handeln, bedeutet im Ernstfall, Leben zu retten. Zur Ersten Hilfe gehören alle Maßnahmen von Alarmierung, Absicherung der Unfallstelle bis hin zur Betreuung des kleinen Patienten. Zunächst sollte der Ersthelfer immer schnellstmöglich den Rettungsdienst verständigen oder eine andere Person darum bitten. Anschließend gilt es, den Gesundheitszustand des Kindes stabil zu halten, bis der Arzt oder der Rettungsdienst eintreffen. Je nach Situation können Beatmung, Herzdruckmassage, Blutstillen und eine stabile Seitenlage erforderlich sein. Bei Kindern ist es zudem wichtig, dass die Helfer sie liebevoll betreuen und trösten. Ein Kuscheltier etwa kann von Schrecken, Schmerzen und Schuldgefühlen ablenken.

Schnelle Hilfe bei Bade-Unfällen

Ertrinken, beispielsweise in einem ungesicherten Gartenteich, gehört zu den häufigsten Todesursachen bei Kleinkindern. Im Sommer kommt es zudem häufig zu Badeunfällen an einem See oder im Schwimmbad. Wer hier beobachtet, dass ein Kind beispielsweise leblos im Wasser treibt, sollte es so schnell wie möglich herausziehen und den Rettungsdienst alarmieren. Kann das Kind atmen und sprechen, hustet es in der Regel von allein. Ansonsten sollte der Helfer es vornüber beugen und das Kind auffordern, kräftig zu husten.

Ist das Kind bewusstlos, atmet aber normal, sollte es in die stabile Seitenlage gebracht werden. Der Ersthelfer kniet sich dazu seitlich neben das Kind. Das untere Bein des Kindes ist ausgestreckt, das obere Bein wird angewinkelt, der Oberschenkel im rechten Winkel zur Hüfte. Der untere Arm liegt angewinkelt mit der Handfläche nach oben, der obere Arm wird über die Brust gekreuzt. Handrücken an die Wange des Kindes führen, dort festhalten. Der Kopf des Kindes wird nach hinten geneigt und zum Boden hin ausgerichtet, um die Atemwege freizuhalten. Der Ersthelfer sollte darauf achten, dass der Mund geöffnet ist, damit Erbrochenes oder Blut abfließen kann und nicht in die Atemwege gelangt.

Beatmung und Herzmassage

Falls keine Atmung spürbar ist, sollte der Helfer das Kind auf den Rücken drehen und die Atemwege freilegen: Er fasst mit zwei bis drei Fingern das Kinn und mit der anderen Hand an die Stirn des Kindes und legt den Kopf auf diese Weise vorsichtig nach hinten. Dabei hebt er das Kinn leicht an und zieht es nach vorn. Dann kann der Helfer die Herz-Lungen-Wiederbelebung starten, eine Kombination aus Atemspende und Herzmassage. Der Ersthelfer sollte zunächst fünf Mund-zu-Mund-Beatmungen durchführen: dazu den Kopf des Kindes nach hinten neigen, Kinn gleichzeitig anheben und vorziehen. Daumen und Zeigefinger verschließen die Nase. Normal einatmen, Mund weit öffnen und Lippen dicht auf den Mund des Kindes aufsetzen. Luft eine Sekunde gleichmäßig einblasen, sodass sich der Brustkorb des Kindes sichtbar hebt. Erneut Luft holen.

Setzt die Atmung des Kindes wieder ein, sollte es in die stabile Seitenlage gebracht werden. Falls es weiter nicht atmet, folgt die Herzdruckmassage: Dazu den Brustkorb des Kindes frei machen und den Handballen auf die Mitte des Brustkorbs legen, den Ballen der anderen Hand darüber. Dann den Brustkorb mit gestreckten Armen senkrecht in der Frequenz von 100 bis 120 Mal pro Minute (etwa im Takt des Songs »Staying Alive« von den Bee Gees oder »Get lucky« von Daft Punk) etwa 5 cm tief eindrücken und wieder entlasten. Nach jeweils 15 Herzdruckmassagen sollten zwei Beatmungen durchgeführt werden. Bleiben Lebenszeichen aus, solange mit der Druckmassage fortfahren, bis der Notarzt übernimmt.

Wichtig: War das Kind längere Zeit im Wasser, ist der Körper womöglich unterkühlt. Bei einer leichten Unterkühlung sollte nasse Kleidung entfernt und das Kind in warme Decken (etwa die Rettungsdecke aus dem Kfz-Verbandkasten) gewickelt werden. Zum Aufwärmen können falls möglich warme gezuckerte Getränke gereicht werden.

Ist die Körperkerntemperatur unter 30°C gesunken, verlangsamt sich die Atmung. Pulsfrequenz und Blutdruck sinken, und die Muskeln werden starr. Das Kind wird bewusstlos, Atem- und Kreislaufstillstand können folgen. Jetzt sollten keine Aufwärmversuche unternommen werden, und das Kind darf nur sehr vorsichtig bewegt werden. Das Kind sollte nach Absetzen des Notrufes behutsam in die stabile Seitenlage gebracht und zugedeckt werden, damit es nicht weiter auskühlt. Der Helfer sollte ständig den Atem kontrollieren und falls dieser aussetzt, Atemspende und Herz-Lungen-Massage durchführen.

Zur Beobachtung sollte das Kind nach jedem Badeunfall ins Krankenhaus kommen, auch wenn keine Herz-Lungen-Wiederbelebung nach der Rettung nötig war. Dort prüfen die Ärzte auch, ob eventuell doch etwas Wasser in die unteren Atemwege gelangt ist. Denn das könnte später Entzündungen und Lungenödeme hervorrufen.

Zu viel Sonne

Trifft starke Sonneneinstrahlung für eine längere Zeit auf den unbedeckten Kopf oder Nacken, droht ein Sonnenstich. Dabei werden Gehirn und Hirnhaut gereizt und schwellen an. Typische Symptome sind Schwindel, Kopfschmerzen, Nackensteifheit, Übelkeit und Erbrechen. Betroffene Kinder haben einen hochroten Kopf und können bewusstlos werden. Säuglinge und Kleinkinder sind aufgrund ihrer noch dünnen Schädeldecke besonders anfällig für einen Sonnenstich.

Bei entsprechenden Symptomen sollte das betroffene Kind sofort in den Schatten gebracht werden. Der Kopf des Kindes sollte höher als die Beine gelagert werden, der Hals sollte dabei nicht abknicken. Helfer können den Kopf des Kindes beispielsweise mit feuchten kalten Tüchern kühlen. Ist das Kind bewusstlos, atmet aber normal, sollte es in die stabile Seitenlage gebracht werden. Ein wichtiger Hinweis: Kleinkinder können auch zeitverzögert, also einige Stunden nach der starken Sonneneinstrahlung, erbrechen oder fiebern. Dann sollten die Eltern sofort den Arzt aufsuchen, es droht eine Hirnhautentzündung.

Fremdkörper entfernen

Erstickungsgefahr droht, wenn sich das Kind beispielsweise an einer Stachelbeere oder Weintraube verschluckt. Bekommt es keine Luft mehr, muss der Fremdkörper schnell aus Luft- und Speiseröhre befördert werden. Kleine Kinder sollten mit nach vorne gebeugtem Oberkörper über das Knie gelegt werden. Kinder und Jugendliche können sich im Sitzen oder Stehen nach vorn beugen. Der Ersthelfer sollte dann nicht allzu kräftig zwischen die Schulterblätter schlagen. Hat dies keinen Erfolg, kann der sogenannte Heimlich-Griff versucht werden: Der Helfer steht hinter dem Kind, legt eine Faust in den Oberbauch unterhalb des Brustbeins und drückt bis zu fünfmal ruckartig kräftig nach hinten und oben. Zwischen den Oberkörperkompressionen sollte er prüfen, ob sich der Fremdkörper gelöst hat.

Ein Stich von Biene, Wespe oder Hummel im Hals- und Rachenbereich kann die Atemwege anschwellen lassen. Hier besteht unter Umständen ebenfalls Erstickungsgefahr. Der Hals sollte in diesem Fall schnell von außen mit einem Eisbeutel oder kaltem Umschlag gekühlt werden. Kann das Kind noch schlucken, sollte es Speiseeis oder Eiswürfel lutschen.

Bei Allergikern sind im Falle eines Insektenstichs schwere allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock möglich. Bei ersten Symptomen sollte sofort ein Notarzt gerufen werden. Meist führen Kinder oder ihre Eltern ein Notfallset mit einem Adrenalin-Injektor mit sich. Das Mittel sollte schnell intramuskulär in die Außenseite des Oberschenkels appliziert werden. Ein Allergiepass, den gefährdete Allergiker meist bei sich tragen, enthält in der Regel weitere Empfehlungen zu Sofortmaßnahmen.

Mehr von Avoxa