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Anaphylaxie

Erstes Medikament gegen Erdnussallergie verfügbar

Im Dezember des vergangenen Jahres hatte die europäische Arzneimittelbehörde EMA die erste orale Immuntherapie gegen Erdnussallergie zugelassen. Nun ist das Präparat mit Erdnusspulver auf dem deutschen Markt verfügbar.
Verena Schmidt
21.10.2021  12:00 Uhr

Palforzia® enthält entfettetes Pulver von Erdnusssamen in Kapseln. Das Präparat ist zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen von 4 bis 17 Jahren mit bestätigter Erdnussallergie zugelassen. Die Therapie kann dann im Erwachsenenalter fortgeführt werden. Parallel zur Einnahme der Kapseln müssen sich die Patienten weiter erdnussfrei ernähren.

Die Behandlung ist eine orale Immuntherapie: Die wiederholte Exposition gegenüber steigenden Dosen des Allergens soll zu einer Toleranz führen. Die Therapie verläuft in drei Phasen: Auf eine initiale Dosis-Eskalation am ersten Tag folgt eine Monate dauernde Aufdosierungsphase, an die sich die Erhaltungsphase anschließt. Die Initialdosis und die jeweils erste Dosis der nächsten Stufe werden wegen möglicher allergischer Reaktionen unter ärztlicher Aufsicht verabreicht. Die anderen Dosen können zuhause eingenommen werden.

Ziel der Behandlung ist es, die Toleranzschwelle gegenüber der versehentlichen Aufnahme kleinster Mengen an Erdnuss zu erhöhen. Schwere anaphylaktische Reaktionen bei zufälligem Kontakt sollen so vermieden werden. In den beiden Zulassungsstudien tolerierte rund die Hälfte der Teilnehmer nach einer Therapiedauer von 9 beziehungsweise 12 Monaten 1000 mg Erdnussprotein. Das entspricht drei bis vier Erdnusskernen. Mehr als zwei Drittel vertrugen 600 mg Erdnussprotein, drei Viertel 300 mg.

Erdnüsse sind unter den Nahrungsmittelallergenen die häufigsten Auslöser lebensbedrohlicher anaphylaktischer Reaktionen bei Kindern und Jugendlichen. Betroffene müssen eine strikt erdnussfreie Diät einhalten und jederzeit einen Adrenalin-Autoinjektor zur Sofortbehandlung schwerer allergischer Reaktionen mit sich führen. In der aktuell veröffentlichten aktualisierten S2k-Leitlinie zum Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien wird die orale Immuntherapie bereits empfohlen.

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