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Die Klimadiät

Essen und die Umwelt schonen

Die Erde heizt sich auf – und vor allem der weltweite Appetit auf Fleisch ist mit schuld daran. Dabei bietet gerade die Ernährung eine ideale Möglichkeit, zum Klimaschutz aktiv beizutragen.
Franziska Horvat
30.06.2021  12:30 Uhr

Selbst kochen oder schnell etwas beim Imbiss holen, Äpfel aus der Region oder die Ananas aus Südamerika kaufen, Fleisch zum Mittagessen oder lieber etwas vegetarisches – jeden Tag treffen Menschen viele kleine Entscheidungen, die mit dem Essen zu tun haben. Jede Wahl wirkt sich nicht nur auf die Gesundheit aus. Die Produktion, Verarbeitung und der Konsum von Lebensmitteln ist maßgeblich am Anstieg der Treibhausgase und damit am weltweiten Klimawandel beteiligt. Das betrifft besonders die Konzentration der Treibhausgase Kohlendioxid (CO2), Methan (CO4) und Lachgas (N2O). Gletscher schmelzen ab, Überschwemmungen, Stürme und Waldbrände häufen sich, der Meeresspiegel steigt an – Die Auswirkungen der globalen Erwärmung sind bereits sichtbar, und das Gleichgewicht des Ökosystems und die Ernährungsgrundlage der Weltbevölkerung gefährdet.

In Deutschland gehen etwa 20 Prozent aller Emissionen an Treibhausgasen auf das Konto der Ernährung. Ernährungsbedingte Emissionen entstehen vom Feld bis zum Teller. Etwa die Hälfte stammt aus der Landwirtschaft, meist aus der Produktion tierischer Nahrungsmittel. Auch Verbraucheraktivitäten im privaten Haushalt leisten einen wesentlichen Beitrag, zum Beispiel durch das Kühlen und Erhitzen von Lebensmitteln oder durch Einkaufsfahrten mit dem Auto. Bei stark verarbeiteten oder eingeflogenen Lebensmitteln können auch andere Bereiche der Produktkette große Emissionen verursachen, wie die Lebensmittelverarbeitung oder der Transport.

Pflanzlich klar vorne

Gemäß der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind 14,5 bis 18 Prozent der gesamten von Menschen gemachten Treibhausgase der Haltung von Tieren zuzuschreiben – mehr als dem gesamten Verkehrssektor zukommt. Eine zentrale Ursache für die starke Klimabelastung tierischer Nahrungsmittel ist der höhere Energieeinsatz meist aus fossilen Energieträgern wie Erdöl, Erdgas und Kohle, bei deren Verbrennung CO2 entsteht. Vor allem die Herstellung synthetischer Stickstoffdünger, die in der konventionellen Landwirtschaft für die Produktion von Futterpflanzen nötig sind, verbraucht sehr viel Energie. Zum anderen werden Wirtschaftsdünger wie Gülle, das heißt Exkremente von Nutztieren, auf die Felder ausgebracht. Gülle enthält Kalium, Phosphor und Stickstoff. In Deutschland ist eine übermäßige Düngung mit Stickstoff ein großes Problem. Denn zu viel Sticksoff im Boden kann zu Lachgas umgewandelt werden: ein Klimagas, das für die Atmosphäre 300-mal schädlicher ist als Kohlendioxid.

Zudem verwenden die Tiere die in der pflanzlichen Nahrung enthaltene Energie überwiegend für ihren eigenen Stoffwechsel und um »nicht fleisch-lieferndes« Gewebe aufzubauen. Durch diese sogenannten »Veredelungsverluste« geht ein Großteil des Energiegehaltes von pflanzlichen Nahrungsmitteln verloren, sodass ein Vielfaches an Futterpflanzen für die Erzeugung tierischer Produkte notwendig ist. Daher ist es viel effizienter, Pflanzen direkt als Nahrung für den Menschen zu nutzen, anstatt sie an Tiere zu verfüttern.  Pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst haben eine zehn- bis 30-mal bessere Klimabilanz als Fleisch.

Die industrielle Landwirtschaft setzt häufig importiertes Soja aus Südamerika ein, etwa 80 Prozent davon landet im Tierfutter. Nur ein Bruchteil der Ernte dient direkt der Ernährung des Menschen. Für den Anbau von Soja werden in Brasilien und Argentinien große Flächen Regenwald- und Savannenflächen zerstört. Das verursacht unter anderem riesige CO2-Emissionen, denn vor allem die Bäume sind neben den Meeren wichtige Kohlenstoffspeicher.

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