PTA-Forum online
EAPT

Europas PTA trafen sich in Schweden

Seit fast 30 Jahren nehmen aktive ADEXA-Mitglieder an den Treffen der European Association of Pharmacy Technicians (EAPT) teil, die sich auf europäischer Ebene für die Interessen der Berufsgruppe PTA einsetzt.
Julia Brielich
26.08.2019
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Dieses Jahr waren wir in Stockholm zu Gast. Außer uns drei ADEXA-Vertreterinnen waren PTA aus neun Ländern anwesend: Finnland, Frankreich, Irland, Norwegen, Portugal, Slowenien, Schweden und Vereinigtes Königreich (UK). Wir konnten uns über unsere Erfahrungen als PTA austauschen, die Lage der Apotheken in den verschiedenen Ländern besprechen, über die überall bestehenden Lieferengpässe schimpfen und über die PTA-Berufsausbildung diskutieren. Dabei haben wir viele Gemeinsamkeiten, aber auch große Unterschiede entdeckt.

In Finnland wurde die Niederlassungsfreiheit geändert. Doch das Ziel, mehr Apotheken in ländlichen Gebieten anzusiedeln, ist bisher nicht erreicht worden. Die meisten neuen Apotheken wurden in Großstädten und attraktiven Lagen eröffnet. Jetzt wird überlegt, die Neueröffnung einer Apotheke an die Eröffnung einer Zweigapotheke auf dem Land zu koppeln.

Die Kollegin aus Frankreich berichtete über die Initiative, das Impfen in Apotheken zu erlauben, sowie die Schwierigkeiten, die PTA-Ausbildung staatlich zu regulieren und eine offizielle PTA-Berufserlaubnis einzuführen. Für PTA im Krankenhaus, in der Industrie und beim Militär ist der Prozess schon weit fortgeschritten, für PTA in öffentlichen Apotheken wurden noch keine Fortschritte erzielt.

Auch in Irland kämpfen PTA immer noch um ihre Anerkennung und Registrierung. Außerdem gibt es Bedenken wegen des Brexit und der zu erwartenden Lieferengpässe. Für PTA in öffentlichen Apotheken gibt es zurzeit keine Organisation, die ihre Interessen vertritt.

In Norwegen gibt es viele kleine Apotheken und einen großen Personalmangel, besonders an Apothekern. So können viele von Regierung und Kammer geplante Programme (Aufklärung der Patienten, Patientenschulungen, Beratungen, Messen von Blutdruck, Blutzucker etc.) zurzeit nicht umgesetzt werden.

In Portugal haben die Kollegen ein umfangreiches Fortbildungsprogramm für PTA auf die Beine gestellt, was sehr gut angenommen wird. Da Rezepte in Portugal nur noch auf elektronischem Weg in die Apotheke gelangen, gab es zuerst Probleme mit dem Datenschutz. Untersuchungen zeigen, dass aufgrund der Probleme beim Scannen des neuen Fälschungsschutzes und der Verifizierung viel weniger Zeit für die Patienten bleibt.

In Schweden wird darüber diskutiert, das Gesetz, das PTA verbietet, Rezepte zu beliefern, wieder aufzuheben; der Grund ist ein Mangel an Apothekern. So sollen PTA nach einer bestandenen Prüfung Rezepte beliefern dürfen. Allerdings müssen sie vor der Abgabe erst von einer Apothekerin abgezeichnet werden.

In Skandinavien wird ein großer Lieferengpass an Medikamenten erwartet, wenn der Brexit kommt. Schweden und Norwegen verfügen über keine ausreichende eigene Industrie und Ressourcen, um ohne britische Importe auszukommen.

Seit Juni 2019 müssen sich in Slowenien alle Angestellten in pharmazeutischen Berufen registrieren lassen. Das soll auch für PTA gelten. Bisher werden allerdings nur Apotheker registriert. Es gibt nur sehr wenige private Apotheken, und da genug Geld im Gesundheitssystem vorhanden ist, werden in den staatlichen Apotheken nur Apotheker eingestellt. PTA werden Stellen weggenommen, und so ist in Slowenien ein großer Rückgang an PTA zu verzeichnen. Der Beruf hat an Attraktivität verloren, und die Zukunft ist ungewiss.

Im Vereinigten Königreich (UK) wurde ein neuer Vorstand des PTA-Verbandes gewählt. Dadurch könnte künftig die Mitarbeit beim EAPT wegfallen, denn die britischen Kolleginnen wollen sich stärker um ihre nationalen Probleme kümmern. PTA sind mittlerweile offiziell anerkannt und registriert. Die Erhaltung der PTA-Erlaubnis muss jedes Jahr wiederholt werden, einige Hausarbeiten zu verschiedenen Themen sind vorzulegen und die Registrierung kostet jedes Jahr circa 130 Euro. Wie es mit dem britischen Gesundheitssystem (NHS) nach dem Brexit weitergehen wird, steht in den Sternen; es wird das Schlimmste befürchtet.

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