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STIKO

Experten in Sachen Impfung

Tetanus, Grippe, Tollwut oder Pneumokokken – wer entscheidet eigentlich, welche Impfung wann und wie oft für wen angebracht ist? Um diese Fragen kümmert sich jedes Jahr aufs Neue die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI).
Katja Egermeier
12.07.2019
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Dreimal jährlich trifft sich ein Gremium aus derzeit 18 ehrenamtlichen Experten, um Schutzimpfungen anhand von wissenschaftlichen und klinischen Daten zu bewerten und darauf basierende Empfehlungen für Deutschland auszusprechen. Das Gremium besteht aus Ärzten, Wissenschaftlern, Vertretern von Gesundheitsbehörden und Krankenkassen, die vom Bundesgesundheitsministerium berufen und auf ihre Unbefangenheit überprüft werden.

Für die Entscheidungen der Kommission spielt nicht nur der Schutz des Einzelnen, sondern auch der Nutzen für die gesamte Bevölkerung eine Rolle. So ist bei der Zulassung einer Impfung das individuelle Risiko-Nutzen-Verhältnis, also die Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und pharmazeutische Qualität des Impfstoffs, relevant. Darüberhinausgehend analysiert die STIKO auf Bevölkerungsebene die Epidemiologie und die Effekte einer flächendeckenden Impfstrategie. In bestimmten Fällen kann so die Eliminierung einer Erkrankung möglich werden, wie es weltweit bei den Pocken der Fall war. Dank eines ein konsequenten Impfprogramms konnte die WHO die Welt 1980 für pockenfrei erklären.

Drei Jahre Arbeit

Eine neue Impfempfehlung zu erarbeiten dauert mindestens sechs Monate, meist aber ein bis drei Jahre. Es erfordert die systematische Recherche weltweit existierender Literatur, die von mindestens zwei Personen unabhängig voneinander bewertet wird sowie die Erarbeitung eines mathematischen Modells. Maßgeblich sind die Kriterien der evidenzbasierten Medizin, die STIKO-Empfehlungen gelten als medizinischer Standard.

Die Empfehlungen mit ausführlichen Begründungen werden einmal jährlich im Epidemiologischen Bulletin des RKI – meist in der Ausgabe 34 – und auf den Internetseiten des Instituts veröffentlicht. Sie beinhalten unter anderem den Impfkalender mit allen Standardimpfungen und die Tabelle der Indikations- und Auffrischungsimpfungen.

Kommt es zu Lieferengpässen von Human-Impfstoffen, prüft die STIKO, ob diese Einfluss auf die Umsetzung ihrer Empfehlungen haben und gibt Hinweise, welche alternativen Impfstoffe verwendet werden können. Wichtig ist das besonders dann, wenn kein anderer Impfstoff in derselben Zusammensetzung zur Verfügung steht.

Quelle: RKI

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