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Pycnogenol

Extrakt aus der Meereskiefer

Pycnogenol® findet als Nahrungsergänzungsmittel weltweit Verwendung, in Deutschland ist es jedoch bisher wenig bekannt. Bei einer Presseveranstaltung informierte der Schweizer Hersteller Horphag Research über den patentierten Extrakt.
Michelle Haß
31.10.2019
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Pycnogenol ist ein standardisierter Extrakt, der aus der Rinde der französischen Meereskiefer (Pinus pinaster subsp. atlantica) gewonnen wird. Bereits seit Jahrhunderten werden Kiefernrindenextrakte traditionell verwendet. Etwa im vierten Jahrhundert vor Christus nutzte der griechische Arzt Hippokrates die Meereskiefer bei der Behandlung entzündlicher Erkrankungen. Später verwendeten Seefahrer die Rinde zur Behandlung von Skorbut.

Laut Herstellerangaben ist Pycnogenol in mehr als 1000 Produkten weltweit enthalten. Die USA bildet mit 60 Prozent Umsatz den Hauptmarkt. Hierzulande hat der Extrakt den Status eines Nahrungsergänzungsmittels, in der Apotheke findet man es unter anderem in einem Kombinationspräparat der Firma Dr. Loges (Vasologes protect®) oder als Monopräparat von Pharma Nord.

Zur Herstellung von 1 kg Extrakt werden rund 1000 kg Rinde benötigt. Die verwendete Rinde ist ein Abfallprodukt von Bäumen, die für die Holzindustrie gefällt wurden. Im Schnitt sind die Kiefern bei der Fällung 35 bis 50 Jahre alt. Sie stammen aus kontrolliertem Anbau. In Qualität und Reinheit entspricht Pycnogenol der Monographie »Maritime Pine Extract« des US-amerikanischen Arzneibuches (United States Pharmacopeia, USP), in welchem der Extrakt bei den Nahrungsergänzungsmitteln aufgeführt ist. Horphag Research betont, dass die gleichbleibende Qualität des Extraktes dadurch bedingt werde, dass man zur Herstellung die Rinde verwendet. Denn diese unterliege im Gegensatz zu anderen Pflanzenteilen keinen jahreszeitlichen Veränderungen und sei somit eine ideale Quelle für Pflanzeninhaltsstoffe.

Große Moleküle

Hauptbestandteil von Pycnogenol sind oligomere Procyanidine (OPC). Das USP fordert einen Mindestgehalt von 65 bis 75 Prozent. Weitere Inhaltsstoffe sind Biflavonoide sowie verschiedene Phenolcarbonsäuren. Biochemisch lassen sich die OPC in die Klasse der Polyphenole und weiter in die Unterklasse der Catechingerbstoffe einordnen. Die Polymere mit zwei bis zwölf Einheiten sind in der Regel zu groß, um resorbiert zu werden. Darmbakterien spalten die Moleküle in kleinere Einheiten und Monomere auf, sodass der Körper sie gut aufnehmen kann. Dabei entstehen verschiedene aktive Metabolite. Der Stoffklasse der OPC wird eine antioxidative und teilweise entzündungshemmende Wirkung nachgesagt.

Laut Horphag Research verlangsamt Pycnogenol Prozesse, die den Körper altern lassen. Die beworbenen Indikationsgebiete sind vielfältig und reichen von der Kardiologie über kognitive Einschränkungen und rheumatische Erkrankungen bis hin zu Frauengesundheit. Aufgrund der enthaltenen OPC sei der Extrakt ein effektiver Entzündungshemmer und wirke als starkes Antoxidans, heißt es.

In den 1970er Jahren hätten klinische Studien mit Patienten, die unter venösen Beschwerden litten, positive Ergebnisse im Bereich der Ödembildung und Schmerzempfindung gezeigt, so Horphag Research. Untersuchungen hätten ergeben, dass der Extrakt die endothelilale Stickstoffmonnooxidsynthetase (eNOS) aktiviere, wodurch mehr NO gebildet wird und die Venenfunktion normalisiert werde. Zusätzlich soll Pycnogenol die Produktion von Kollagen und Hyaluronsäure unterstützen, was die Beliebtheit des Extraktes in der Kosmetikindustrie erklärt.

Die empfohlene Tagesdosis beträgt zwischen 50 und 150 mg. In Studien wurde der Extrakt laut Hersteller gut vertragen und hat wenig Nebenwirkungen gezeigt. Pycnogenol sollte als Vorsichtsmaßnahme nicht von Kindern unter sechs Jahren oder während der Schwangerschaft eingenommen werden. Um gastrointestinale Beschwerden zu vermeiden, wird die Einnahme mit der Nahrung empfohlen.

Laut Angaben der Firma gibt es zurzeit mehr als 420 wissenschaftliche Publikationen, darunter circa 160 klinische Studien mit insgesamt mehr als 10.000 Studienteilnehmern. In einem Review der renommierten Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2012 kamen die Autoren allerdings zu dem Schluss, dass die Erkenntnisse nicht ausreichen, um die Verwendung von Pycnogenol zur Behandlung chronischer Erkrankungen zu unterstützen. Es seien weitere Studien nötig.

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