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Unkonventioneller Behandlungsansatz

Fischtherapie bei Schuppenflechte

Pilotstudie zeigt Effekt

Insgesamt 67 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis nahmen an der Pilotstudie teil. Drei Wochen lang wurden sie täglich für jeweils zwei Stunden im konstant auf 36 bis 37 °C temperierten Fischbad behandelt, wobei jedem Patienten eine eigene Wanne mit 250 bis 400 rötlichen Saugbarben zur Verfügung stand. Anschließend erfolgte für drei bis fünf Minuten eine UVA-Bestrahlung mit einem handelsüblichen Selbstbräuner, und zum Schluss wurde die Haut mit einer Lotion aus Glycerin, Shea-Butter und Aloe-vera-Extrakt eingecremt. Zur Objektivierung der Wirksamkeit wurde der Psoriasis Area Severity Index (PASI) Score benutzt. Außerdem wurde das Patientenurteil eingeholt, und zwar im direkten Anschluss an die Therapie sowie zu einem festgelegten Follow-up-Termin.

Unter der kombinierten Behandlung gingen die Hautläsionen bei 31 Patienten (46,3 Prozent) um mindestens 75 Prozent im PASI zurück. Diese 75-Prozent-Marke gilt gemeinhin als Messlatte für den Erfolg einer Psoriasistherapie. Bei insgesamt 61 Patienten (91 Prozent) besserten sich die Hauterscheinungen in der Pilotstudie um mindestens 50 Prozent. Die erzielte Remission hielt in der Regel über einen längeren Zeitraum an, und zwar im Mittel über achteinhalb Monate hinweg. Die Zufriedenheit der Patienten wurde als hoch bewertet. 87,5 Prozent der Patienten gaben an, die Ichthyotherapie habe besser angeschlagen als andere Therapien, die sie vorher versucht hatten. Außerdem berichteten 65 Prozent der Behandelten, die nach der Remission neu aufgetretenen Hautveränderungen seien weniger schwer gewesen. Nebenwirkungen der Fischtherapie wurden in der Pilotstudie nicht beobachtet. Speziell auch blutige Verletzungen durch das Knabbern der Fische traten nicht auf.

Wirkung ungewiss

Prospektive klinische Studien zur Fischtherapie, wie sie die Autoren der Pilotstudie von 2006 zur Fischtherapie angeregt haben, gibt es bis heute nicht. So viel allerdings steht fest: Eine Heilung der Psoriasis ist durch die Fischtherapie nicht zu erzielen. Aber sie kann offenbar bei manchen Patienten eine deutliche und über mehrere Monate anhaltende Besserung bewirken. Nicht alle Patienten sprechen darauf an, und es gibt auch Betroffene, bei denen es durch das Geknabber der Saugbarben zu einer Verschlechterung kommt. Schmerzhaft ist die Behandlung laut übereinstimmenden Patientenaussagen nicht, die Mäuler der Minikarpfen verursachen lediglich ein kitzelndes Gefühl.

Zur Wirkweise der Fischtherapie gibt es bislang nur Spekulationen. Die These, dass der Speichel der Saugbarben bestimmte Wirkstoffe enthält, hat sich bislang nicht bestätigt. Die Autoren der Pilotstudie diskutieren verschiedene Möglichkeiten: Ein Großteil des Effekts wird dem Peeling sowie der damit verbundenen Mikromassage zugeschrieben. Außerdem könnte es sein, dass der Peelingeffekt die Penetration der UV-Strahlung erhöht, der die Patienten in Kangal durch die hohe Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Auch in der Pilotstudie wurde das Peeling mit einer UVA-Bestrahlung kombiniert. Die These, dass der hohe Selengehalt des Thermalwassers in Kangal eine Rolle spielt, wird durch die Pilotstudie nicht gestützt. Hier enthielten die Badebecken normales Wasser. Aber der entspannende Effekt des Fischbads in stressfreier Atmosphäre könnte laut den Autoren sehr wohl zu der beobachteten Besserung beitragen.

Jeder Patient muss für sich selbst entscheiden, ob ihm die wenigen, aber tendenziell positiven Daten zur Fischtherapie ausreichen, um einen Versuch mit dieser ungewöhnlichen Behandlungsmethode zu starten. Die relativ hohen Kosten müssen die Patienten selbst tragen, die Kassen übernehmen eine Ichthyotherapie erwartungsgemäß nicht. Das gilt für einen Aufenthalt in Kangal ebenso wie für die Behandlung hierzulande. Bei deutschen Touristikunternehmen kann man Pauschalreisen nach Kangal gleich inklusive Fischtherapie buchen. Für eine Behandlung hier vor Ort kommen in erster Linie entsprechend ausgerüstete Wellness-Kliniken und Heilpraktiker in Frage, die inzwischen deutschlandweit zu finden sind. Selbsthilfeorganisationen raten dringend dazu, genau über die Seriosität der Angebote zu informieren. Auch Pediküre- und Friseursalons haben mittlerweile das Fischpeeling als Marktlücke entdeckt, wobei aber Personen mit Hautkrankheiten meist von der Nutzung dieser Fisch-Spas ausgeschlossen sind.

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