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Rhythmus im Blut

Fit und glücklich durch Tanzen

Tanzen liegt im Trend: Tanzfilme und -shows im Kino und TV locken die Menschen in Tanzschulen und Fitnessstudios. Denn Tanzen macht nicht nur richtig Spaß, sondern nebenbei auch schlank und fit.
Narimaan Nikbakht
05.12.2019
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Autorin Narimaan Nikbakht hat den Selbstversuch gewagt und den Trend-Tanz Salsa ausprobiert: Vor Kurzem habe ich mir eine Tanzeinlage von Jennifer Lopez auf Youtube angeschaut und schnell stand fest: Ich will tanzen! Nicht nur wegen ihres tollen Körpers. Millionen Deutsche, die regelmäßig tanzen gehen, können nicht irren. Ich beschließe also, es an diesem Wochenende auch einmal auszuprobieren. Und da ich von leichtem Winterblues ergriffen bin, entscheide ich mich für einen Salsa-Abend.

Samstag, 22 Uhr im Tanzsaal eines Hamburger Salsa-Clubs: Eine Bartheke im Schummerlicht, dahinter ein Dutzend Sitzecken, in der Dunkelheit Gäste, die sich darin lümmeln. Die Sitzecken umrahmen eine mittelgroße Tanzfläche, das Zentrum des Clubs. Ich stehe mit meiner Freundin Anja am Rand und beobachte Paare, die zu heißen Rhythmen über die Tanzfläche wirbeln. Manche tragen Jacket und Minikleid, andere Trainingskleidung oder Jeans und T-Shirt. Eine bunte multikulturelle Mischung – vereint in der Leidenschaft für Salsa.

Es dauert nicht lange und Klaus, 40, schlank im orangen Hemd streckt mir die Hand entgegen: »Tanzen?« Freudig stimme ich zu – doch die Begegnung gestaltet sich wenig beglückend. Salsa tanzen mit ihm ähnelt einem Nahkampf und ist ein energieraubendes Drücken und Schieben. Zudem korrigiert er mich andauernd mit »Du-bist-nicht-im-Rhythmus«-Sätzen. Ich strafe per Blick, tanze aber weiter. Mit dem Schlusstakt trennen sich unsere Lebenswege für immer.

Als nächstes fordert mich Guido, 37, auf. Sein verschwitzter Händedruck symbolisiert Unentschlossenheit: Er führt nicht. So bin ich gezwungen, mit Tanz-Hierarchien zu brechen und die Führung an mich zu reißen. Nicht ohne neidvoll einen Blick auf meine Freundin zu werfen, die gerade von einem Salsa-Akrobaten über die Tanzfläche gewirbelt wird.

Freundlicherweise überlässt sie mir bald danach ihren Tänzer, und ich merke endlich worum es geht: um Raum, Rhythmus und Führung. Mit dem richtigen Partner macht das auch wirklich Spaß.

Zwei Stunden später kommt mein Mann Arno dazu und mutiert zu meiner Überraschung mit dem ersten Taktschlag zu Fred Astaire. Es folgt eine schier endlose Folge von Schritten und Drehungen, und ich fühle mich wie eine Tanzgöttin. Ein guter Mann ist bei der Salsa eben mehr als die halbe Miete.

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