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Wassersport

Fitness im kühlen Nass

Sportkurse im Wasser sind im Trend: Sie erfrischen, sind anstrengend und verhelfen schnell zu mehr Fitness. PTA-Forum hat das selbst beim Aqua-Boxing in der Schwimmhalle ausprobiert.
Narimaan Nikbakht
20.05.2019
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Mitreißende Club-Beats beschallen das Hallenbad. »Und rechts und rechts … und links und links … und jetzt im Wechsel!“ Unermüdlich läuft der Aqua-Kick-Punch-Trainer Klaus Görtz (54) am Beckenrand auf und ab. Er behält die Gruppe genau im Blick. Heute besteht sie aus vier Frauen und zwei Männern, alle zwischen 25 und 65 Jahren. Immer wieder zeigt Klaus den Teilnehmern an Land, wie sie die Übungen richtig ausführen sollen. Wenn nötig korrigiert er – per Zuruf.

Vor etwa einem Monat erzählte mir eine Freundin von dem Aqua-Boxing-Kurs bei Bäderland Hamburg. Sie besucht ihn seit einiger Zeit in der Alster-Schwimmhalle. »Was ist denn das wieder für ein neuer Trend?«, fragte ich. Sie erklärte mir, dass, wie bei anderen Kampfsportarten an Land, auch beim Aqua-Kick-Punch verschiedene Arm- und Beintechniken sowie Übungen aus dem Boxen und Taekwondo zum Einsatz kommen. »Als Gegner haben wir es aber nur mit Wasser zu tun. Trotzdem ist es ein intensives Kraft-Ausdauertraining und fördert super die Fettverbrennung«, so meine Freundin.

Mir ist klar: Das will ich ausprobieren. Da ich viel am Schreibtisch vor dem Computer sitze, habe ich häufig mit Rückenschmerzen zu tun – ein sanftes und zugleich effektives Training ist genau das, was ich brauche.

Wenige Tage später jogge ich im stehtiefen Wasser – zum Warmwerden. An den Händen trage ich Auftriebs-Handschuhe aus Schaumstoff, die den Wasserwiderstand erhöhen. Damit boxe ich, zum Takt der Musik, eifrig durchs Wasser und versuche, möglichst wenig Spritzer zu erzeugen. Die Schlag- und Kick-Kombinationen haben es in sich.

Links vor mir höre ich eine Frau schnaufen. Ihr Blick ist konzentriert, ihre Wangen sind leicht gerötet. Auch in mir steigt, trotz des kühlen Nass, Hitze den Körper hoch und ich spüre meine Oberschenkel. Der Wasserwiderstand zeigt Wirkung. Während der Schlagkombinationen versuche ich permanent, mit dem ganzen Körper die Bewegungen auszugleichen, um die Balance zu halten. Dabei baut der Trainer immer wieder kleine Variationen ein: Mal führen wir Kicks mit den Beinen aus, mal Punches mit den Armen. Und ein andermal verschiedene Rechts-Links-Kombinationen. Das trainiert nicht nur alle Muskeln, sondern auch Gleichgewichtssinn, Koordination und Konzentration. Zugleich kann ich jegliche aufgestauten Stress- und Wutgefühle der letzten Wochen rausboxen. Ein wirklich befreiendes Gefühl! Auch meine Haut ist permanent dem Wasserwiderstand ausgesetzt, das wirkt wie eine Massage. Das Beste aber ist: Das, was ich beim Sport sonst nicht so mag – das Schwitzen – spüre ich beim Training im Wasser gar nicht.

Nach 45 Minuten fühle ich mich rundum wohl und frei im Kopf. Gut gelaunt steige ich aus dem Wasser. Ich bin zwar komplett ausgepowert, fühle mich zugleich aber erfrischt und angenehm entspannt. Zufrieden falle ich ins Bett und schlafe tief und fest. So ausgeruht und ausgeglichen bin ich selten in den nächsten Tag gestartet.

Der Selbsttest zeigt: Fitness im Wasser bringt Spaß, ist effektiv und kann bis zu 600 Kilokalorien innerhalb von 45 Minuten verbrauchen. Neben dem Aqua-Boxing gibt es noch viele weitere Trend-Kurse im kühlen Nass:

Aqua-Fitness

Die bekannteste Variante der Wasser-Fitness-Kurse ist Aqua-Fitness. Mit Wasser-Gymnastik hat das nicht mehr viel zu tun. Zu mitreißender Musik greifen die Teilnehmer zu Hilfsmitteln wie Schaumstoffgürteln, Pool-Nudeln, Aqua-Gloves (Schwimmhandschuhe) und speziellen Wasser-Hanteln, um den Wasserwiderstand zu erhöhen. Damit trainieren sie fünfmal effektiver als auf dem Trockenen und optimieren so Muskelaufbau, Kondition, Herz-Kreislauf-System und den gesamten Bewegungsapparat. Der Grund: Der Wasserwiderstand ist 900 Mal größer als in der Luft. Darum verbrauchen Wassersportler ein Drittel mehr Kalorien als »Land«-Sportler. Zudem wirkt der Wasserdruck wie eine kleine Massage. Das aktiviert die Durchblutung von Haut und Muskeln und strafft und stärkt das Bindegewebe.

Für wen geeignet? Sowohl für Einsteiger als auch für Fitness-Erprobte, die sanft aber effektiv ihren Körper formen oder abspecken möchten. Menschen mit Rücken- oder Gelenkschmerzen, Venenleiden oder Gewebeschwäche profitieren genauso von dem schonendem Sport im Nass wie Übergewichtige und Schwangere.

Aqua-Jogging

Laufen und Rennen im Wasser trainieren die Ausdauer. Ein Auftriebsgurt verhindert, dass die Füße den Boden berühren und der Kopf unter Wasser gerät. Für Einsteiger bietet sich die langsamere Variante ohne Gurt an: Aqua-Walking im flachen Wasser. Dadurch können Sie dank Bodenkontakt Geh- und Laufbewegungen machen, ohne die Gelenke und Bänder zu belasten.

Für wen geeignet? Aqua-Jogging eignet sich für alle, die sich zum einen beim schlichten Schwimmen langweilen und denen es im Park zu kalt, zu windig oder regnerisch ist, um zu joggen. Ebenso für all diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen oder verletzungsbedingt beim Joggen pausieren müssen.

Aqua-Bouncing

Trampolin springen im Wasser klingt nicht nur lustig – es ist durch ein spezielles 1x1 Meter großes Unterwassertrampolin mit vier Saugnapf-Füßen tatsächlich möglich. Das Springen im Wasser schont Gelenke und Wirbelsäule. Die Kursteilnehmer hüpfen auf und ab – und je nach Sprungstärke kommen sie dabei bis zum Bauch aus dem Wasser, manchmal sogar noch ein wenig mehr. Es folgen kurze Sprints auf dem Trampolin, die den Puls in die Höhe treiben können, danach Kraft- und Ausdauerübungen, bei denen auch Pool-Nudeln, Therabänder oder Schaumstoff-Manschetten zum Einsatz kommen. Ein idealer Kurs, um den körpereigenen Gleichgewichtssinn zu trainieren. Das rhythmische Hüpfen sorgt zudem dafür, dass die Körperzellen besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt werden, was das Lymphsystem anregt.

Für wen geeignet? Für alle, die einen definierten Körper und festeres Bindegewebe haben möchten und schwerelos ihre Kraft-Ausdauer trainieren möchten (effektiv beim Abnehmen). Selbst ältere Menschen mit Knie-, Hüft- und anderen Knochenproblemen können die Übungen ausführen. Die positiven Wassereigenschaften minimieren das Verletzungsrisiko.

Aqua-Cycling

Hier steht ein speziell für den Wasser-Einsatz angepasstes Fahrrad-Ergometer stabil auf dem Boden des Schwimmbeckens und bewegt sich nicht vom Fleck. Die Aqua-Radler sitzen bis auf Höhe der Brust komplett im Wasser und trainieren mit verschiedenen Übungen Bein-, Arm-, Bauch- und Rückenmuskeln und auch das Bindegewebe. Mal stehen sie, mal sitzen sie mit dem Oberkörper weit nach vorn gestreckt auf dem Fahrrad, ein anderes Mal machen sie spezielle Armübungen, während sie in die Pedale treten. Die Massage-Wirkung des Wassers formt zusätzlich Schenkel und Po und hilft bei Cellulite.

Für wen geeignet? Alle, die sich beim Training »an Land« auf dem Ergometer langweiligen, können dieser Variante eine Chance geben. Durch die individuelle Einstellung des Wasserwiderstandes am Aqua-Bike können sowohl gut Trainierte als auch Einsteiger oder Ältere zusammen radeln.

Aqua-Zumba

Schwingende Hüften, Arme, die in die Luft geworfen werden, fröhliches Lachen – das klingt nach Aqua-Zumba. Zumba stammt aus Südamerika. Das Wort bedeutet übersetzt soviel wie: Sich schnell bewegen und Spaß haben. Genau wie bei der Land-Variante tanzen die Kursteilnehmer auch hier zu lateinamerikanischen Rhythmen – kombinieren diese aber mit typischen Übungen aus der Wassergymnastik. Sie trainieren dabei nicht nur einzelne Muskeln, sondern beanspruchen gleichzeitig den ganzen Körper und verbrennen viele Kalorien.

Für wen geeignet? Alle, die Lebensfreude tanken möchten und sich von lateinamerikanischen Rhythmen mitreißen lassen. Aqua-Zumba eignet sich für alle Altersgruppen und soll genau wie die normale Variante die Figur formen, aber vor allem Spaß bringen. Kurse finden Interessierte etwa über die Homepage von Zumba Fitness: www.zumba.com/de-DE.

Aqua Floatfit

Dieser Trend-Kurs, der aus England stammt, ist ein Mix aus Muskel- und Balance-Training. Dabei trainieren die Teilnehmer auf einer schwimmenden, luftgefüllten Matte, der sogenannten Aquabase. Diese ist vorne und hinten durch Schnüre verankert, damit Sie während des Trainings nicht abtreiben oder gar andere Teilnehmer rammen kann. Dennoch bleibt die Base beweglich. Egal, ob man hüpft, sich dreht oder yogaähnliche Übungen macht – ständig gilt es, die Balance zu suchen und den kompletten Körper anzuspannen. Das trainiert sowohl Tiefenmuskulatur als auch Körpermitte, Gleichgewichtssinn und die Konzentration.

Für wen geeignet? Für alle, die Kilos loswerden wollen und den Nervenkitzel suchen. Wer vom Brett fällt, wird definitiv nass. Manche springen aber auch einfach nur zur Abkühlung während oder nach der 30- bis 45-minütigen Session ins Wasser. Kurse finden Interessierte unter www.aquaphysical.com.

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