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Wichtige Präventionsmaßnahme

Folat: Schützt Ungeborene und Erwachsene

Folsäure, beziehungsweise Folat, ist für jede Schwangere ein Muss, denn das B-Vitamin verhindert Neuralrohrdefekte beim ungeborenen Kind. Im Dreiergespann mit den Vitaminen B6 und B12 hat Folat aber noch weitere wichtige Funktionen im menschlichen Organismus
Kerstin Pohl
17.12.2019  09:00 Uhr

Aufgaben und Funktionen

Folat zählt zur Gruppe der wasserlöslichen B-Vitamine und dient als Gruppenname für verschiedene Verbindungen. Dabei ist Folat die native Form, die lichtempfindlich und hitzelabil ist. Folsäure stellt die synthetisch, industriell hergestellte Form dar, die stabil gegenüber Hitze und Licht ist.

Für Schwangere und Frauen, die eine Schwangerschaft planen, ist Folat von besonders großer Bedeutung. Das Vitamin schützt das ungeborene Kind vor Neuralrohrdefekten mit Fehlbildungen des Rückenmarks und des Gehirns und der Bildung einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Beim Embryo schließt sich um die dritte bis vierte Schwangerschaftswoche das Neuralrohr, aus dem das zentrale Nervensystem entsteht. Bleibt das Neuralrohr offen, trägt der Säugling schwere Schäden davon wie einen offenen Rücken (Spina bifida). In Europa treten laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei einer bis 1,5 von 1000 Geburten Neuralrohrdefekte auf.

Darüber hinaus ist Folat auch beim Erwachsenen wichtig für Zellwachstum, -teilung und -neubildung. In seiner Funktion als Coenzym (aktive Form: Tetrahydrofolsäure) reguliert es in Zusammenarbeit mit Vitamin B6 und Vitamin B12 den Homocystein-Spiegel im Blut. Ein erhöhter Homocysteinwert gilt als Risikofaktor für Atherosklerose und koronare Herzkrankheiten.

Wie viel braucht der Mensch?

Die tägliche empfohlene Zufuhrmenge richtet sich nach der Bioverfügbarkeit des Vitamins, das heißt, ob es aus Lebensmitteln stammt oder in einer synthetischen Form vorliegt, und wird in µg-Äquivalenten angegeben. Dabei ist Folsäure, die synthetische Form, zu nahezu 100 Prozent verwertbar, wenn sie auf nüchternen Magen eingenommen wird. Die Bioverfügbarkeit sinkt, wenn Folsäure zusammen mit Lebensmitteln verzehrt wird.

Alter Folat in µg-Äqivalent pro Tag
SÄUGLINGE
0 bis 4 Monate 60
4 bis 12 Monate 80
KINDER UND JUGENDLICHE
1 bis 4 Jahre 120
4 bis 7 Jahre 140
7 bis 10 Jahre 180
10 bis 13 Jahre 240
13 bis 19 Jahre 300
ERWACHSENE
19 bis 65 Jahre und älter 300
Schwangere 550
Stillende 450
Empfohlene Folat-Zufuhr der DGE; Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, sowie Schwangere im ersten Trimenon sollten zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung 400 µg synthetische Folsäure pro Tag einnehmen.

Woran erkennt man einen Mangel?

Bei einem Mangel sind die Prozesse der Zellteilung und des Wachstums gestört, das betrifft vor allem Zellen, die sich schnell teilen wie Blutzellen. Eine Unterversorgung an Folat zeigt sich daher zunächst in leichten Veränderungen im Blutbild in Form einer Blutarmut bis hin zu einer megaloblastären Anämie. Hierbei tauchen aufgrund von Reifungsproblemen der Erythrozyten Megaloblasten im Knochenmark sowie vergrößerte Erythrozyten im peripheren Blut auf. Aufgrund der verminderten Fähigkeit der Erythrozyten, Sauerstoff zu transportieren, fühlen sich die Patienten müde und schwach.

Zeigen sich neurologische Symptome, sollte auf jeden Fall auch der Vitamin B12 Status überprüft werden. In beiden Fällen liegt eine Anämie vor, eine Unterscheidung der unterschiedlichen Formen ist hämatologisch nicht möglich.

Wer gehört zu einer Risikogruppe?

Die wichtigste Risikogruppe sind Schwangere und Frauen die schwanger werden wollen. Circa 1/3 der gebärfähigen Frauen in Deutschland sind an Folsäure unterversorgt. Daher wird empfohlen, Folat bereits bei Planung einer Schwangerschaft zu supplementieren. Die Frauen sollen frühzeitig, mindestens aber drei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft und während des ersten Trimenons 400 µg Folsäure pro Tag zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung zu sich nehmen. Präparate, die eine höhere Menge an Folsäure enthalten, gehen mit ihrer Dosierung auf Nummer sicher: Hier soll durch eine erhöhte Zufuhr des wasserlöslichen Vitamins auch eine unausgewogene Ernährung ausgeglichen werden.

Auch Vegetarier können trotz des regelmäßigen Verzehrs von Gemüse und Obst unzureichend an Folat versorgt sein. Das liegt an der schlechteren Bioverfügbarkeit von Folat aus pflanzlichen Lebensmitteln.

Auch Krankheitsbilder einer Malabsorption wie einer Zöliakie, Gastritis oder des Kurzdarm-Syndroms verschlechtern die Aufnahme des Vitamins.

Die Einnahme bestimmter Medikamente kann ebenfalls das Risiko erhöhen, nicht ausreichend Folat aufzunehmen. So sollten beispielsweise Patienten, die Methotrexat, Phenytoin oder Phenobarbital einnehmen, regelmäßig ihren Folsäurestatus überprüfen lassen.

Wie kommt es in den Körper?

Das hitze- und lichtempfindliche Vitamin wurde als erstes aus Spinatblättern isoliert. Das gab ihm auch seinen Namen. Folat leitet sich vom lateinischen Wort folium für Blatt ab. Besonders reich an Folat sind infolgedessen Blattgemüse wie Spinat und Salate. Auch Kohlgemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchte (Kichererbsen, Linsen, Bohnen), Paprika, Tomaten und Eier enthalten größere Mengen Folat.

Der gleichzeitige Verzehr von Vitamin-C-haltigen Lebensmitteln, beispielsweise ein Glas Orangensaft zum Essen, erhöht die Resorption des hitze- und lichtempfindlichen Folats.

  • Erbsen, tiefgefroren, gegart 78 µg/100 g
  • Kohlrabi, roh 70 µg Folat/100 g
  • Blattspinat, gegart 105 µg Folat/100 g
  • Grünkohl, tiefgefroren, gekocht 64 µg Folat/100 g
  • Feldsalat 145 µg Folat/100 g
  • Gemüsepaprika, roh 55 µg Folat/100 g
  • Kartoffeln, geschält und gekocht 8 µg Folat/100 g
  • Vollkornbrot 34 µg Folat/100 g
  • Ei, gekocht 35 µg Folat/60 g

Quelle: DGExpert

Achtung, Wechselwirkung!

Folsäure und Folsäureantagonisten wie die Chemotherapeutika Trimethoprim, Proguanil, Pyrimethamin oder das Immunsuppressivum und Zytostatikum Methotrexat (MTX) können sich gegenseitig in ihrer Wirkung blockieren. Daher sollte die Einnahme von Folsäure im zeitlichen Abstand von etwa 24 bis 48 Stunden erfolgen.

Die Blutspiegel verschiedener Antikonvulsiva wie Phenytoin, Phenobarbital, Primidon können durch die Einnahme von Folsäure-Präparaten gesenkt werden. Insbesondere nach der Gabe hoher Folsäure-Dosen steigt dadurch das Krampfrisiko.

In Kombination mit 5-Fluorouracil können hohe Dosen an Folsäure zu schweren Durchfällen führen. Metformin, orale Kontrazeptiva, Salizylate und NSAR können hingegen zu einer Unterversorgung an Folat führen. Das Antibiotikum Chloramphenicol kann bei einem Folsäuremangel das Ansprechen einer Folsäure-Behandlung verhindern.

Falsch dosiert, was nun?

Eine Überdosierung allein durch die Ernährung ist nicht möglich. Anders sieht es aber bei gleichzeitiger Einnahme von Folsäurepräparaten und mit Folsäure angereicherten Lebensmitteln aus. Hier können 5 bis 10 mg Folsäure pro Tag zu gastrointestinalen Problemen und Schlafstörungen führen. Dabei liegt die tolerierbare Gesamtzufuhrmenge an Folsäure bei 1000 µg pro Tag für Erwachsene. Bei Kindern und Jugendlichen zwischen einem bis 17 Jahren liegt der Grenzwert bei 200 bis 800 µg pro Tag.

Gut zu wissen …

Ein mit Folsäure angereichertes Speisesalz kann zur Bedarfsdeckung beitragen. Es enthält pro Gramm Salz 100 µg Folsäure; das entspricht 200 µg Folsäure pro Portion Salz (2 g). Da das Vitamin aber nicht unbegrenzt funktionsfähig bleibt, gibt es bei solch angereichertem Haushaltssalz ausnahmsweise ein

Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Dieses Spezialsalz ist durch den Zusatz von Folsäure leicht gelblich. Das hat jedoch weder Einfluss auf Geschmack, noch auf die Verwendung des Salzes in der Küche.

In der Schweiz ist es schon seit vielen Jahren üblich, Mehl mit Folsäure anzureichern. Auf diese Weise wird über ein Grundnahrungsmittel die Folsäureversorgung verbessert.

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