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FSME und Borreliose

Folgen eines Zeckenstichs vorbeugen

Antibiose vorbeugend?

Borrelien können Zecken deutschlandweit übertragen. Nach einem Stich lässt sich nach Angaben des RKI bei 2,6 bis 5,6 Prozent der Betroffenen eine Infektion mit dem Erreger nachweisen. Doch nur 0,3 bis 1,4 Prozent entwickeln eine klinisch manifeste Erkrankung. Das häufigste und bekannteste Zeichen für eine Borreliose ist die Wanderröte – das Erythema migrans. Fieber, Lymphknotenschwellungen, Muskel- und Gelenkschmerzen sind weitere mögliche Symptome. Borrelien können auch das Nervengewebe (Neuroborreliose), die Gelenke (Lyme-Arthritis) und selten auch das Herz (Lyme-Karditis) befallen.

Um Spätmanifestationen zu verhindern, erhalten Patienten im Frühstadium eine Antibiose, meist in Form von oralem Doxycyclin oder Amoxicillin, alternativ auch von Cefuroxim oder Azithromycin. Prophylaktisch wird in Deutschland kein Antibiotikum gegeben. Dieses könnte aber nach einem Stich das Borreliose-Risiko reduzieren, wie eine im November 2021 im Fachjournal »BMC Infectious Diseases« veröffentlichte Metaanalyse zeigt. Laut den Autoren erwiesen sich dabei die topische Azithromycin-Therapie und die zehntägige Antibiose weniger effektiv als die Einmalgabe von 200 mg Doxycyclin. Die Autoren der seit März 2021 abgelaufenen S2k-Leitlinie »Kutane Lyme Borreliose« empfahlen die orale Doxycyclin-Prophylaxe in Europa jedoch nicht. Sie verwiesen auf Auswirkungen auf die Darmflora und eventuelle Resistenzentwicklungen bei häufiger Prophylaxe. Die prophylaktische Anwendung einer antibiotischen Salbe etwa mit Azithromycin empfahlen sie wegen derzeit fehlender klinischer Daten nicht.

Weniger Nachteile hätte eine zugelassene Schutzimpfung. US-amerikanische Wissenschaftler haben einen Impfstoffkandidaten auf mRNA-Basis mit dem Namen I9ISP entwickelt und in Tierversuchen bereits erfolgreich getestet. Der Impfstoff besteht aus einer Mischung von mRNA, die für 19 Speichelproteine (19ISP) der Zecke Ixodes scapularis (I. scapularis) codieren. Er ist also nicht gegen B. burgdorferi selbst gerichtet, sondern gegen Bestandteile des Zeckenspeichels. Der Impfstoff beruht auf der Beobachtung, dass einige Tierarten bei wiederholter Exposition mit den Blutsaugern »resistent« werden. Sie entwickeln bei Kontakt mit dem Zeckenspeichel ein Erythem an der Einstichstelle. Die Zecken saugten in Versuchen mit dem Impfstoff an den betroffenen Stellen weniger Blut und fielen bereits nach etwa 48 Stunden wieder ab und genossen die Blutmahlzeit nicht wie sonst rund 96 Stunden lang. Beim Menschen führt ein Erythem an der Stichstelle auch dazu, dass die Zecke schneller bemerkt und entfernt werden kann. Da die Parasiten bakterielle Erreger wie Borrelien erst gegen Ende an ihren Wirt abgeben, bedeutet eine kürzere Saugdauer ein geringeres Infektionsrisiko. Das Prinzip könnte grundsätzlich auch vor der Übertragung anderer Bakterien aus Zecken schützen, so die Wissenschaftler von der Yale University in der Zeitschrift »Science Translational Medicine«.

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