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Neue Leitlinie

FSME-Impfung ab dem ersten Geburtstag

Mehr als ein Drittel der FSME-Erkrankten tragen dauerhafte neurologische Schäden davon. Die neu überarbeitete S1-Leitlinie zur Frühsommer-Meningoenzephalitis empfiehlt deshalb, alle Personen ab dem ersten Geburtstag vor dem Aufenthalt in Risikogebieten zu impfen.
Elke Wolf /Caroline Wendt
17.03.2020  15:30 Uhr

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat Anfang des Jahres ihre S1-Leitlinie »Frühsommer-Meningoenzephalitis« komplett überarbeitet. Danach sind nicht nur Kleinnager wie Mäuse Wirtstiere für FSME-Viren, sondern unter anderem auch Ziegen, Schafe und Rinder. Bislang galt die Übertragung durch Rohmilch von letztgenannten Nutztieren als Ausnahme. Die Viren könnten zudem durch eine Organtransplantation von Mensch zu Mensch übertragen werden, und eine Infektion könne bei diesen Patienten fulminant und sogar tödlich verlaufen, schreiben die Leitlinienautoren.

Zecken sind geduldige Jäger, sie sitzen im hohen Gras oder Gebüsch und warten. Kommt ein potenzieller Wirt vorbei, der sie mit Kleidung oder Haut abstreift, suchen sie sich eine gut durchblutete, nicht allzu dicke Hautstelle, um zuzustechen. Der FSME-Erreger ist ein behülltes Einzelstrang-RNA-Virus aus der Familie der Flaviridae, einer Familie, zu der beispielsweise auch das Gelbfieber-, das West-Nil- oder Dengue-Virus gehören. In Deutschland kommt hauptsächlich der zentraleuropäische Subtyp des FSME-Virus vor, der meist durch den gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) übertragen wird.

Bei Weitem nicht jede Zecke ist infektiös: In den durch das Robert-Koch-Institut (RKI) definierten Risikogebieten tragen 0,1 bis 5 Prozent der Zecken den Erreger in sich. Diese Regionen liegen vornehmlich in Bayern und Baden-Württemberg. Dort variiert die Inzidenz zwischen 0,7 und 2 Fällen pro 100 000 Einwohner und Jahr. Laut RKI ist die Zahl der FSME-Erkrankungen 2019 bundesweit im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit 440 Fälle gezählt, 2018 waren es 584. Für dieses Jahr hat das RKI neue FSME-Risikogebiete in Sachsen und Thüringen ausgewiesen. Somit sind aktuell 164 Kreise als FSME-Risikogebiete definiert – gut dargestellt auf einer Karte, die das RKI jedes Jahr veröffentlicht.

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