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Wie viel ist zu viel?

Gefährliche Schwangerschaftskilos 

Schwangere sind zunehmend übergewichtig oder adipös und weisen immer häufiger Schwangerschaftsdiabetes auf, warnte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DEG) kürzlich in einer Pressemitteilung anlässlich des 14. DGE-Ernährungsberichts.
Michelle Haß
21.12.2020  08:00 Uhr

Demnach seien immer mehr Schwangere bei der Erstuntersuchung übergewichtig. 2017 wurden fast 40 Prozent der Schwangeren bei der Erstuntersuchung als übergewichtig eingestuft. Im Vergleich: 2007 waren es noch 34 Prozent. Die Auswertung zeigt außerdem, dass ältere Frauen zu Beginn der Schwangerschaft häufiger übergewichtig seien als jüngere. Die Auswertung basiert auf Daten des sogenannten Mikrozensus, einer jährlich durchgeführten Haushaltsbefragung in Deutschland.

»Übergewicht in der Schwangerschaft hat Folgen für Mutter und Kind«, sagt Professor Dr. Helmut Heseker von der Universität Paderborn und Chefredakteur des aktuellen Ernährungsberichts in der Pressemitteilung der DGE. Adipositas in der Schwangerschaft sei für die werdende Mutter unter anderem mit einem erhöhten Risiko für Gestationsdiabetes, Hypertonie und Präeklampsie verbunden und mit einem erhöhten Geburtsgewicht sowie einem späteren Übergewichtsrisiko des Kindes assoziiert. Eine zu hohe Gewichtszunahme in der Schwangerschaft stelle außerdem ein Risiko für das Kind dar, später an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck oder dem metabolischen Syndrom zu erkranken.

Gemäß DGE beträgt die empfohlene Gewichtszunahme in der Schwangerschaft 10 bis 16 kg Körpergewicht, bei Übergewichtigen jedoch maximal 10 kg. Der Energiebedarf von Schwangeren werde häufig noch deutlich überschätzt, heißt es in der Pressemitteilung. Ab dem vierten Monat erhöht sich dieser um täglich 250 kcal und ab dem siebten Monat um 500 kcal. Dies würde jedoch nur für normalgewichtige Frauen gelten, die während der Schwangerschaft körperlich weiterhin aktiv sind.

Jedes siebte Kind übergewichtig

Trotz mehr übergewichtigen Schwangeren zeigt sich bei Säuglingen ein leichter Trend zu einem geringeren Geburtsgewicht. Der Anteil an Neugeborenen mit einem sehr hohen Geburtsgewicht von mehr als 4500 g ist seit den 1990er Jahren von circa 1,6 Prozent auf 1,2 Prozent in 2017 zurückgegangen. Die Prävalenzen an Übergewicht beziehungsweise Adipositas bei Kinder und Jugendliche scheint nicht mehr anzusteigen, stagniere aber auf hohem Niveau. Insgesamt liegt sie in der Altersgruppe der 3- bis 17-Jährigen in dem Zeitraum 2014 bis 2017 für Übergewicht inklusive Adipositas bei 15,4 Prozent die von Adipositas bei 5,9 Prozent. Aus über der Hälfte der betroffenen 3- bis 6-jährigen Kinder werden übergewichtige oder adipöse Jugendliche, warnt die DGE.

»Die weltweite Epidemie von Übergewicht und Adipositas stellt Deutschland weiterhin vor große Herausforderungen«, resümiert Heseker und betont: »Maßnahmen für die frühzeitige Prävention im Bereich der Ernährung, der körperlichen Aktivität und Lebensstiländerungen müssen weiter im Fokus stehen, um ernährungsmitbedingte Krankheiten sowie die damit verbundenen sozialen und ökonomischen Folgen einzudämmen. Normalgewicht vor und in der Schwangerschaft ist ein entscheidender Faktor für die Gesundheit von Mutter und Kind

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