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Coronavirus

Gefäßschädigung durch Covid-19

Anfangs als reine Lungenkrankheit betrachtet, deuten immer mehr Studien darauf hin, dass Covid-19 die Blutgefäße schädigt und Gefäßerkrankungen wie Thrombosen, Lungenembolien oder Schlaganfälle begünstigt. Mögliche Ursachen wurden während einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) vergangene Woche thematisiert.
Julia Endris
28.10.2020  13:00 Uhr

Immer mehr Studien belegten, dass Covid-Patienten ein deutlich erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen haben. »Dazu zählen Thrombosen, Lungenembolien oder schwere Durchblutungsstörungen in Beinen und Armen«, erläuterte Professor Dr. Markus Steinbauer. Im Extremfall könnten diese sogar tödlich verlaufen.

»Bei Covid-19-Patienten mit Thrombosen, die intensivmedizinisch betreut wurden, lag die Sterblichkeit in einer Studie bei rund 50 Prozent«, erklärte Steinbauer, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg.

Untersuchungen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf von Verstorbenen mit Covid-19 ergaben zudem, dass mehr als 58 Prozent einen Verschluss der Unterschenkelvenen aufwiesen, die zuvor im klinischen Befund nicht aufgefallen waren. Ein Drittel der Patienten verstarb an einer Lungenembolie.

»Warum sich bei Patienten mit Covid-19 Gefäßerkrankungen und vor allem Thrombosen häufen, ist noch nicht klar«, erläuterte Steinbauer. Die genauen Ursachen für die Gefäßschädigungen müssten erst noch wissenschaftlich aufgearbeitet werden, so der DGG-Experte.

Einsatz von Blutverdünnern bei Covid-19-Patienten erwägen

Als eine Möglichkeit diskutieren Experten, dass das Blut bei Covid-19-Infizierten stärker gerinnt. Außerdem schädigt das Virus offenbar die innere Zellschicht der Blutgefäße und führt zu Entzündungen oder sogar zum Absterben der Gefäße. »Bei der Behandlung von Covid-19-Patienten, insbesondere auf Intensivstationen, sollte daher besonders auf Gefäßerkrankungen geachtet und auch der Einsatz von Blutverdünnern erwogen werden», erläuterte der Regensburger Gefäßchirurg . Erste Studienergebnisse deuten Steinbauer zufolge an, dass eine solche Therapie die Sterblichkeit unter Covid-19-Patienten deutlich reduzieren kann.

Auch eine kürzlich veröffentliche US-amerikanische Beobachtungsstudie weist darauf hin, dass der Blutverdünner Acetylsalicylsäure (ASS) bei Covid-19 Vorteile bringt. Laut Studie

hat sich gezeigt, dass hospitalisierte Covid-19-Patienten, die zuvor bereits ASS auf ihrem Medikationsplan hatten oder die bei Einlieferung ins Krankenhaus ASS erhalten hatten, Vorteile im Krankheitsverlauf von Covid-19 hatten.

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