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Von der Fledermaus zum Mensch

Gefahr durch Coronaviren

Die vier Humanen Coronaviren HKU1, OC43, NL63 und 229E sind für jede dritte Erkrankung der oberen Atemwege beim Menschen verantwortlich. Sie lösen Beschwerden wie Rhinitis, Konjunktivitis, Laryngitis, Pharyngitis, Otitis media und sehr selten auch Gastroenteritis aus. Im Normalfall sind diese harmlos und selbstlimitierend, bedürfen also nur einer symptomatischen Behandlung. Lediglich bei immungeschwächten Personen können schwere Krankheitsverläufe mit Pneumonien auftreten. Die Infektionen treten vorzugsweise im Winterhalbjahr zwischen Dezember und April auf. Die Viren, beziehungsweise ihre Vorfahren, existieren schätzungsweise schon seit mehr als 1000 Jahren und zirkulieren seit etwa 100 Jahren im Menschen.

Aus dem Quartett der Erkältungsviren ist 229E am längsten bekannt. Im Jahr 1965 konnten Wissenschaftler der Universität von Chicago nachweisen, dass es für Erkrankungen der oberen Atemwege verantwortlich ist. Dazu untersuchten sie benutzte Taschentücher ihrer erkälteten Studenten. Einer Forschergruppe im englischen Salisbury gelang die erste elektronenmikroskopische Aufnahme von 229E. Sie verfolgte seine Herkunft und stellte fest, dass es wie alle humanen Coronaviren seinen Ursprung in Fledermäusen hat und über Hühner zum Menschen fand. Bereits in den 1930er-Jahren war das Virus als Ursache eines großen Kükensterbens in Folge einer Bronchitis der erkrankten Tiere ausgemacht worden. Im Jahr 2012 war dann das Genom von 229E komplett entschlüsselt.

Die meisten Infektionen gehen auf das Konto von HCoV-OC43. Dieses Virus hat seinen Ursprung ebenfalls in Fledermäusen und kam vermutlich über Rinder als Zwischenwirte zum Menschen.

HKU1 fanden Wissenschaftler im Jahr 2005 in Hongkong, Nordaustralien, Frankreich und den USA. Sie gehen davon aus, dass sich das Virus bereits zum damaligen Zeitpunkt weltweit verbreitet hatte. Als Überträger von der Fledermaus auf den Menschen machten sie Mäuse aus. OC43 und HKU1 sind genetisch eng verwandt.

Vor allem bei Kindern ist HCoV-NL63 aktiv. Neben den allgemeinen Erkältungssymptomen verursacht es auch Krupp-Symptome und schwerere Erkrankungsverläufe. Erstmals wurde eine Infektion in den Niederlanden im Jahr 2004 bekannt. Der Ursprung des Virus liegt in Coronaviren infizierter Schleichkatzen. Es scheint Zusammenhänge mit dem Kawasaki-Syndrom, einer Gefäßentzündung der kleinen und mittleren Arterien, zu geben, ähnlich wie sie auch bei mit SARS-CoV-2 infizierten Kindern auffielen. NL63 benutzt mit dem ACE2-Rezeptor auch das gleiche Tor in die menschliche Zelle wie SARS-CoV-2.

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