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Hitzewelle

Gefahren für Senioren mindern

Heiße Sommertage machen vielen Menschen zu schaffen. Besonders Ältere leiden darunter, weil die Anpassung des Körpers an die Anforderungen der Umwelt weniger gut funktioniert.
Michelle Haß
24.06.2019  17:10 Uhr

Ältere Menschen haben ein vermindertes Durstempfinden und spüren Durst erst, wenn sie bereits viel Flüssigkeit verloren haben. Deshalb sollten sie sich bewusst etwas zum Trinken bereitstellen und gegebenenfalls ein Trinktagebuch führen. Am besten eignen sich Mineralwässer, verdünnte Säfte und ungesüßter Tee.

Alkoholische und koffeinhaltige Getränke sollte man nur in Maßen genießen, denn Koffein wirkt gefäßdilatierend und kann zu Kreislauf-Problemen beitragen. Auch reichlich kalte Getränke sind ungeeignet, da sie Kältesignale an den Körper senden und dieser beginnt aufzuheizen. In der Praxis macht sich eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr häufig in Form von kognitiven Einschränkungen bemerkbar. Falls Patienten plötzlich ungewöhnlich verwirrt erscheinen, sollten PTA und Apotheker nachfragen, wieviel der Betroffene bereits getrunken hat. Denn häufig wird das Trinken einfach vergessen. Doch Vorsicht: chronisch Kranke mit Herzinsuffizienz oder Nierenfunktionsstörungen müssen mit der Trinkmenge aufpassen. Die allgemeine Regel lautet, circa eineinhalb Liter pro Tag zu trinken. Die individuell passende Flüssigkeitszufuhr sollte mit dem Arzt geklärt werden und unbedingt eingehalten werden.

Im Gleichgewicht

Flüssigkeitsverluste durch Schwitzen können sich auf den Elektrolythaushalt auswirken, und es gilt, verlorene Elektrolyte wieder auszugleichen. Leichte Suppen eignen sich auch im Sommer hierfür hervorragend und stellen einen optimalen Flüssigkeits- und Elektrolytlieferanten dar, ebenso Obst und Gemüse. Außerdem sollte bevorzugt Mineralwasser anstelle von Leitungswasser getrunken werden. Fette und üppige Mahlzeiten liegen schwer im Magen und belasten den Kreislauf. Aber an heißen Tagen warnt die meisten Menschen ohnehin ein nur geringer Appetit davor, allzu deftig zu essen. Patienten, die harntreibende Medikamente einnehmen, müssen in der Sommerhitze besonders aufpassen. Zum einen schwemmen die Medikamente Flüssigkeit aus dem Körper aus, zum anderen beeinflussen sie den Elektrolytaushalt. Es kann hilfreich sein, wenn der Arzt während der heißen Sommermonaten entsprechende Werte besonders streng überwacht.

In Bewegung bleiben

Auch während der warmen Jahreszeit ist es wichtig aktiv zu bleiben und sich ausreichend zu bewegen. Der Aufenthalt in der Sonne fördert zusätzlich die Vitamin-D-Synthese. Bewegung bekommt im Sommer am besten morgens oder abends. In den Mittagsstunden hilft körperliche Ruhe, den Kreislauf stabil zu halten. Menschen, die regelmäßig Sport treiben, sollten ausreichend Flüssigkeit zuführen und auf die Grenzen ihres Körpers hören. Gerade bei hohen Temperaturen kann es sein, dass der Körper nicht die gewohnte Leistung erbringt und man sich überlastet. Eine lebensgefährliche Überhitzung des Körpers durch Sport bei hohen Temperaturen verursacht oft erst nach dem Sport akute Symptome und bedarf dringend der Hilfe eines Notarztes. Senioren haben wesentlich weniger aktive Schweißdrüsen als Jüngere. Aus diesem Grund kann der Körper Wärme nicht mehr so effizient regulieren. Generell sollten schnelle Temperaturwechsel vermieden werden, da sie häufig zu Kreislaufproblemen führen. Gerade beim Baden im Schwimmbad oder See passiert es, dass man die Wassertemperatur unterschätzt und der Kreislauf versagt.

Medikation beachten

Bei Hitze ist die Nebenwirkungsgefahr von manchen Medikamenten erhöht. Einige Arzneistoffe beeinflussen die Thermoregulation des Körpers, entweder zentral im Gehirn oder indem sie auf Blutgefäße oder Schweißdrüsen wirken. Ein Beispiel hierfür ist das atypische Neuroleptikum Clozapin, das häufig zu einer benignen Hyperthermie und Störungen der Schweiß- und Thermoregulation führt. Klinisch äußert sich dies in vermehrtem Schwitzen und Fieber. Viele Patienten bringen diese Symptome nicht mit ihrer Medikation im Zusammenhang. Hier ist entsprechende Aufklärungsarbeit gefragt. Auch andere Psychopharmaka zeigen diese Nebenwirkung. Bei der Kombination mehrerer serotonerger Arzneimittel wie SSRI, SNRI, Triptane und trizyklische Antidepressiva sollte bei Auftreten von Hyperthermie-Symptomen immer an ein Serotonin-Syndrom gedacht werden.

Unter manchen Medikamenten müssen Patienten mit direkter Sonneneinstrahlung gerade um die Mittagszeit aufpassen, weil die Arzneimittel photosensibiliserend wirken. Zu den bekannten Stoffen zählen: Hydrochlorothiazid, Antibiotika wie Ciprofloxacin oder Doxycylin, Retinoide sowie das pflanzliche Antidepressivum Johanniskraut. In Deutschland sind etwa 300 Medikamente mit photosensibilisierendem Potential bekannt. Eine ausführliche Tabelle finden Sie hier.

Bei hohen Temperaturen verändert sich zusätzlich die Physiologie des Körpers, und Medikamente wirken gegebenenfalls anders. Schwitzen und eine vermehrte Vasodilatation der Gefäße erhöhen das Herzzeitvolumen. Verringert sich der Wassergehalt im Körper, (Dehydratation) schränkt das die Nierenfunktion ein und kann so Wirkstoffspiegel beeinflussen. Besonders betroffen sind hier Wirkstoffe mit geringer therapeutischer Breite wie Herzglykoside oder Lithium, bei denen sich schon kleine Schwankungen im Plasmaspiegel klinisch bemerkbar machen.

Diabetiker, die Insulinpflichtig sind, sollten im Sommer ihren Blutzucker gut im Auge behalten, da sich bei Hitze leichter Hypoglykämien entwickeln. Auch saisonale Schwankungen von HbA1c, Blutfetten und Blutdruck treten laut Studien auf. Danach liegen die Werte im Sommer häufig niedriger als im Winter. Bei Bedarf kann der Arzt die Therapie entsprechend anpassen, um hypotone oder hypoglykämische Stoffwechsellagen zu vermeiden. Immer wieder einen Tipp wert: Im Sommer gilt es besonders, darauf zu achten, dass die Lagertemperatur von Medikamenten nicht überschritten wird. Diese liegt bei den meisten Präparaten unter 25 Grad Celsius.

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