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Turbo für die Abwehr

Gegen Erkältung gewappnet

Durchschnittlich zwei- bis viermal im Jahr erkälten sich Erwachsene. Was hilft, damit die Erkältung womöglich gar nicht erst kommt oder schneller wieder verschwindet?
Annette Immel-Sehr
07.09.2020  16:00 Uhr

Die wirksamste Maßnahme gegen Erkältungen ist, sich vor dem Virenkontakt zu schützen. Die Empfehlungen sind nicht neu, doch richtig angekommen in der Bevölkerung sind sie erst im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Das, was die meisten Menschen in den letzten Monaten praktiziert haben, um eine Infektion mit SARS-CoV-2 zu verhindern, eignet sich auch dazu, Erkältungsviren nicht weiterzutragen. Dazu zählen gründliches und häufiges Händewaschen, Mund-Nasen-Schutz, Nieß- und Husten-Etikette, Entsorgung benutzter Taschentücher, Verzicht auf Händeschütteln und allgemein Abstand halten.

Zielorte der Erkältungsviren sind Schleimhautzellen im Nasen-Rachenraum. Die Viren dringen in die Zellen ein, vermehren sich dort und lösen die Krankheitssymptome aus.

Die sogenannten Erkältungs- oder Abwehrsprays sollen rein physikalisch verhindern, dass Erkältungsviren in die Schleimhautzellen eindringen. Die Flüssigkeit, die in die Nase beziehungsweise den Rachenraum gesprüht wird, legt sich als schützender Film auf die Schleimhaut. Als Filmbildner werden beispielsweise Carragelose aus Rotalgen (Alcovir®), Hypromellose (Erste Abwehr Mikro-Gel Spray Wick) sowie Glycerin mit der Peptidase Trypsin (ViruProtect Erkältungsspray) verwendet. Je nach Präparat sprüht der Nutzer bis zu mehrmals täglich. Ob die Präparate tatsächlich einen Schutzeffekt haben, ist bislang nicht ausreichend belegt. Der Effekt ist vermutlich begrenzt. Wer darauf setzt, sollte das Präparat jedoch auf jeden Fall rechtzeitig anwenden, also bereits, wenn die Gefahr besteht, sich anzustecken. Kribbelt es schon in der Nase, kommt der Einsatz zu spät.

Nicht zu viel Zink

Zink und Ascorbinsäure stehen im Fokus, wenn es darum geht, die Immunabwehr zu stimulieren. Die Zinkversorgung spielt für das Immunsystem nachgewiesenermaßen eine wichtige Rolle – ein Zinkmangel wirkt sich negativ auf die Infektabwehr aus. Die Zahl der Abwehrzellen sinkt, und die Barrierefunktion der Schleimhäute ist beeinträchtigt. Besonders alte Menschen sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen der Leber, Bauspeicheldrüse oder des Darms sind häufig nicht ausreichend mit Zink versorgt. Wenn der (meist unbemerkte) Zinkmangel behoben wird, so stärkt das die Abwehrkräfte beispielsweise bei Erkältungsinfekten. Ob eine Zink-Supplementierung bei Menschen, die bereits gut mit Zink versorgt sind, darüber hinaus einen positiven Infekt bei Erkältungen hat, ist nicht belegt.

Hochdosiertes Zink kann bei längerer Einnahme den Eisen- und Kupferstoffwechsel beeinträchtigen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt für Erwachsene, dauerhaft nicht mehr als 25 Milligramm Zink täglich über Lebensmittel und gegebenenfalls Nahrungsergänzungsmittel zuzuführen. Wenn die täglich eingenommene Zinkmenge geringfügig über den EFSA-Empfehlungen liegt, ist dies kein Problem, da die Einnahme von Supplementen in der Regel nur für einige Wochen erfolgt, bis ein möglicher Mangel behoben ist. Die meisten Hersteller apothekenüblicher Monopräparate empfehlen eine tägliche Dosierung von 15 bis 25 Milligramm. Kombinationspräparate beispielweise mit Ascorbinsäure enthalten in der Regel fünf Milligramm Zink pro Dosis.

Dauer verkürzt

Ascorbinsäure hat schon seit Jahrzehnten das Image, vor Erkältungen schützen zu können. Zwischenzeitlich sind zahlreiche Studien durchgeführt worden, um der mutmaßlichen Wirkung auf die Spur zu kommen. Das unabhängige internationale Forschernetzwerk Cochrane Collaboration hat zahlreiche Studien und ihre Ergebnisse ausgewertet. Die Wissenschaftler schlussfolgerten, dass eine längerfristige tägliche Einnahme zwar Erkältungen nicht verhindert, aber die Erkältungsdauer um etwa zehn Prozent verkürzt. Zudem fielen die Krankheitsbeschwerden milder aus. Wer allerdings erst zu Beginn der Erkältung mit der Vitamin C-Einnahme startet, hat keinen Effekt mehr zu erwarten. Die Probanden hatten täglich mindestens 200 Milligramm, meist sogar Dosen von 1000 Milligramm und mehr eingenommen.

Einige Studien untersuchten Vitamin C gezielt bei Menschen, die sich im Winter draußen intensiv körperlich betätigten, sei es bei der Arbeit oder beim Sport. Bei dieser Gruppe zeigte Vitamin C deutlich stärkere Effekte: Wenn die Studienteilnehmer zwei bis drei Wochen zuvor mit der Einnahme begannen, konnte die Zahl der Erkältungen etwa halbiert werden.

Noch Fragen offen

Auch bestimmte Pflanzen sollen als Immunstimulanzien wirken und die körpereigenen Abwehrkräfte allgemein stärken. Vor allem Sonnenhut gilt allgemein als Heilpflanze zur Vorbeugung von Erkältungen. Echinacea-Zubereitungen sollen im Anfangsstadium der Infektion T-Lymphozyten und Makrophagen stimulieren, eindringende Keime zu bekämpfen. Eine Studie mit Extrakten aus Rotem Sonnenhutkraut und -wurzel kam zu dem Schluss, dass die viermonatige prophylaktische Einnahme des Präparates die Häufigkeit von Erkältungen und deren Dauer reduziert. Andere Wissenschaftler sehen die Wirksamkeit von Sonnenhut in der Vorbeugung von Erkältungen nicht erwiesen.

In Deutschland werden Sonnenhut-Präparate meist zur unterstützenden Behandlung häufig wiederkehrender Infekte der Atemwege (und der ableitenden Harnwege) eingesetzt.

Die Herstellerangaben zur Dauer der Anwendung sind unterschiedlich und reichen von kontinuierlich maximal zehn Tagen bis acht Wochen. Kontraindikationen sind bestehende Allergien gegen Sonnenhut oder andere Pflanzen aus der Familie der Korbblütler. Menschen mit eingeschränktem Immunsystem, etwa nach Organtransplantation oder bei einer Krebsbehandlung, sowie Patienten mit Autoimmunerkrankungen, chronischen Virusinfektionen sowie fortschreitenden Systemerkrankungen sollten die Präparate ebenfalls nicht einnehmen.

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