PTA-Forum online
Humane Papillomaviren

HPV: Gegen Krebs impfen

Gebärmutterhalskrebs ist weltweit der vierthäufigste Tumor bei Frauen. Verantwortlich sind humane Papillomaviren, kurz HPV. Eine Impfung schützt vor der Infektion mit den gefährlichsten HPV-Typen und verhindert somit langfristig Krebserkrankungen.
Caroline Wendt
22.10.2019  09:00 Uhr

Derzeit sind circa 44,6 Prozent der 17-jährigen Mädchen in Deutschen gegen humane Papillomaviren geimpft. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass die Impfung eine sinnvolle Krebsprävention darstellt. Die Viren sind nämlich in nahezu 100 Prozent der Fälle für Zervixkarzinome (Tumoren des Gebärmutterhalses) verantwortlich. Gemäß Angeben des Robert-Koch-Instituts (RKI) erkranken in Deutschland jedes Jahr 4500 Frauen neu an Gebärmutterhalskrebs, etwa 1500 versterben jährlich.

Die Viren sind zudem zu einem gewissen Anteil auch an anderen Krebsarten ursächlich beteiligt: Tumoren im Mund/Rachenraum (Oropharynx), am Anus, bei Frauen in der Vagina und der Vulva und bei Männern am Penis können durch HP-Viren verursacht werden. So sind etwa 600 Anal- und 250 Peniskarzinome sowie mindestens 750 Oropharynxkarzinome pro Jahr auf eine Infektion mit den Viren zurückzuführen.

Es gibt allerdings nicht nur eine Art von humanen Papillomaviren, sondern über 200. Nicht alle dieser unbehüllten DNA-Viren sind gleichermaßen gefährlich. Es existieren fünf verschiedene Genera: Alpha- Beta-, Gamma-, Mu- und Nu-HPV. Alpha-Viren können neben der Haut auch die Schleimhäute infizieren und somit auch die Gebärmutterschleimhaut oder die Mund- und Rachenschleimhaut. Mediziner unterscheiden hier zwischen Hochrisiko-HPV-Typen und Viren mit geringem Risiko. Wird das Genom eines Hochrisiko-Virus in eine Wirtszelle integriert oder persistiert die Infektion, kann die befallene Zelle bösartig entarten. In der Folge entwickeln sich zunächst Krebsvorstufen und später Karzinome. Die Virus-Typen 16 und 18 bergen das höchste Risiko.

Doch auch eine Infektion mit einem Niedrigrisiko-Virus kann Konsequenzen haben. So sind die Virustypen 6 und 11 in 90 Prozent für das Auftreten von Genitalwarzen verantwortlich.

Humane Papillomaviren verbreiten sich durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch. Sie dringen über Mikroverletzungen der Haut oder Schleimhaut ein und infizieren die Epithelzellen. Dabei schützt mitunter noch nicht mal der Gebrauch eines Kondoms vor einer Ansteckung beim Geschlechtsverkehr, denn allein sehr enger Körperkontakt reicht aus, damit die Viren einen anderen Menschen infizieren können. In seltenen Fällen geschieht die Ansteckung über eine Schmierinfektion. Außerdem kann es vorkommen, dass eine Mutter während der Geburt das Virus an das Neugeborene weitergibt – laut RKI ein seltener Übertragungsweg.

Eine Infektion mit HPV gehört zu den am häufigsten sexuell übertragenen Krankheiten in Deutschland. Beinahe jeder hat in seinem Leben bereits einmal eine Infektion durchgemacht, meist unbemerkt. Denn in 90 Prozent der Fälle wird der Körper selbst mit den Viren fertig und die Krankheit heilt ohne Folgen aus.

Verursachen die Viren Probleme, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Infektion mit einem HP-Virus mit geringem Krebspotential. Nach einer Inkubationszeit von durchschnittlich zwei bis drei Monaten können sich die Genitalwarzen (Condylomata acuminata) ausbilden. Diese werden von den Betroffenen meist als störend empfunden. Zudem können die Warzen jucken. Diese sogenannten Feigwarzen sind spitz und wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter groß. Zunächst treten sie alleine auf, später können sie sich beetartig im Genitalbereich ausbreiten.

Hochrisiko-HPV-Typen verursachen hingegen keine spürbaren Symptome. Experten schätzen, dass sich das Gewebe des Gebärmutterhalses innerhalb von drei bis sechs Jahren verändert. Daraus kann binnen zehn bis 30 Jahren ein Tumor hervorgehen. Für Tumorentwicklungen bei Männern liegen derzeit noch keine Informationen vor.

Während der gesamten Erkrankungsdauer, also von Beginn möglicher Symptome bis hin zur persistierenden Form, können die Viren wahrscheinlich an Sexualpartner übertragen werden.

Mehr von Avoxa