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Vielfalt im September

Gegen Myome, für Haut, Herz und Kreislauf

Aktinische Keratose, Uterusmyome und erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse: Die Einsatzgebiete der drei neuen Wirkstoffe zum 1. September sind breit gefächert.
Sven Siebenand
10.09.2021  08:30 Uhr

Die aktinische Keratose ist eine präkanzeröse Hauterkrankung, die vor allem auf UV-Licht-exponierten Hautarealen auftritt. Ihre Behandlung soll das Auftreten von Hautkrebs verhindern. Der neue Wirkstoff Tirbanibulin (Klisyri® 10 mg/g Salbe, Almirall Hermal) wird zur Behandlung von Erwachsenen mit aktinischer Keratose im Gesicht und auf der Kopfhaut eingesetzt.

Tirbanibulin wirkt als Mikrotubuli-Hemmer, wodurch schnell wachsende Zellen an der Teilung gehindert werden und absterben. Hinzu kommt, dass der Wirkstoff auch den sogenannten Src-Tyrosinkinase-Signalweg hemmt, der ebenfalls an der Zellteilung beteiligt ist. An fünf aufeinanderfolgenden Tagen wird Tirbanibulin-Salbe auf die betroffenen Bereiche im Gesicht oder auf der Kopfhaut dünn aufgetragen. Sie darf nicht auf offene Wunden oder verletzte Haut aufgetragen werden. Das Ansprechen auf die Behandlung sollte nach acht Wochen beurteilt werden. Sehr häufig treten lokale Hautreaktionen als Nebenwirkung auf, etwa Erytheme, Schuppenbildung, Verkrustung oder Schwellung. Häufig sind Juckreiz und Schmerzen im Behandlungsareal.

Gegen Myome

In Ryeqo® Filmtabletten von Gedeon Richter Pharma ist neben Estradiol und Norethisteronacetat mit Relugolix ein neuer Wirkstoff enthalten. Indiziert ist das neue Präparat bei erwachsenen Frauen im gebärfähigen Alter zur Behandlung mäßiger bis starker Symptome von Uterusmyomen. Dies sind gutartige Tumore der Gebärmutter. Ob und welche Beschwerden sie auslösen, hängt von ihrer Größe, Lage und Anzahl ab. Am häufigsten führen sie zu verstärkten vaginalen Blutungen, aber auch zum Beispiel zu Druckgefühl und Schmerzen im Unterbauch, Verstopfung oder Blasenentleerungsstörungen.

Relugolix ist ein Gonadotropin-Releasing-Hormon-Rezeptorantagonist (GnRH). Er sorgt dafür, dass weniger luteinisierendes Hormon (LH) und weniger follikelstimulierende Hormon (FSH) freigesetzt wird, was letztlich dazu beiträgt, das Myomwachstum zu bremsen. Die empfohlene Dosis beträgt eine Tablette täglich, die immer zur gleichen Tageszeit eingenommen wird. Die Behandlung sollte innerhalb von fünf Tagen nach Einsetzen der Menstruationsblutung beginnen, um anfängliche unregelmäßige oder starke Blutungen zu vermeiden. Alle anderen hormonellen Verhütungsmethoden müssen vor Beginn der Behandlung mit Ryeqo, das nach mindestens einmonatiger Anwendung eine zuverlässige Verhütung gewährleistet, beendet werden. Und vor Beginn der Behandlung muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Hitzewallungen und Uterusblutungen. Bei der Verordnung von Ryeqo sind mehrere Kontraindikationen zu beachten, unter anderem Blutgerinnungsstörungen, Osteoporose, Migräne mit Aura, bestimmte Krebserkrankungen. Auch in der Stillzeit ist das Mittel tabu.

Herzrisiko senken

Icosapent-Ethyl (Vazkepa® 998 mg Weichkapseln, Amarin Pharmaceuticals) ist ein Ester der Omega-3-Fettsäure Eicosapentaensäure. Er soll das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei mit Statin behandelten Erwachsenen verringern, wenn bei ihnen erhöhte Triglycerid-Werte (≥ 150 mg/dl) und eine bereits bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankung vorliegen oder wenn sie zusätzlich zu den erhöhten Triglyceridwerten an Diabetes erkrankt sind und mindestens einen weiteren kardiovaskulären Risikofaktor aufweisen.

Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht bekannt. Wahrscheinlich wirkt Icosapent-Ethyl entzündungshemmend, verringert die Konzentrationen schädlicher triglyzeridhaltiger Proteine und hat eine schützende antioxidative Wirkung. Die empfohlene Dosis beträgt zweimal täglich zwei Kapseln zu oder nach einer Mahlzeit. Häufige Nebenwirkungen sind Blutungen, periphere Ödeme, Vorhofflimmern, Verstopfung, muskuloskelettale Schmerzen, Gicht und Hautausschlag. 

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