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Besser als zweimal Biontech?

Gemischte Corona-Impfung schützt wohl besonders gut

Eine kombinierte Impfung mit Astrazeneca als erste und Biontech/Pfizer als zweite Dosis ist nach vorläufigen Erkenntnissen einer neuen Studie nicht nur gut verträglich, sondern sogar »deutlich wirksamer« gegen das Coronavirus als eine zweifache Astrazeneca-Impfung. Die Abwehrreaktion des Körpers sei bei der Impfstoffkombination sogar »geringfügig höher« als bei einer zweifachen Biontech-Impfung.
dpa/PTA-Forum
07.06.2021  16:30 Uhr

Das teilte die Immunologie-Professorin Martina Sester an der Universität des Saarlandes heute in Saarbrücken mit. Unter ihrer Leitung hat ein Forscherteam in den vergangenen Wochen die Immunreaktion von 250 vollständig geimpften Personen untersucht.

Man sei von »der Eindeutigkeit« der vorläufigen Ergebnisse überrascht, sagte Sester. Die Analyse habe gezeigt, dass bei einer kombinierten Astra-Biontech-Impfung ebenso wie bei einer zweifachen Biontech-Impfung »etwa zehnmal mehr Antikörper im Blut« nachgewiesen werden konnten als bei der Gabe von zweimal Astrazeneca. »Bei den neutralisierenden Antikörpern zeigte die kombinierte Impfstrategie sogar leicht bessere Ergebnisse als eine zweifache Biontech-Impfung«, sagte die Professorin für Transplantations- und Infektionsimmunologie.

Noch seien die Ergebnisse der Studie nicht wissenschaftlich veröffentlicht. Da sie aber so klar seien, wolle man sie mit der Öffentlichkeit teilen. »Wir sind der Meinung, dass wenn noch weitere Forscherteams zu ähnlichen Ergebnissen kommen, man intensiv über eine Kombination von Vektor- und mRNA-Impfstoffen nachdenken sollte«, sagte Sester. Bei Menschen mit Vorerkrankungen, deren Immunabwehr geschwächt sei, könnte man überprüfen, ob diese nicht spätestens als dritte Impfung eine kombinierte Version bekommen sollten: »Um eine möglichst breite Immunreaktion des Körpers zu erzeugen«.

Ergebnis der Charité: Gut verträglich bei vergleichbarer Immunantwort

Zu einem ähnlichen, wenn auch vorsichtiger formulierten Ergebnis ist Ende vergangener Woche auch die Charité in Berlin gekommen. Dort hat ein Team um den Wissenschaftler Leif Erik Sander Daten von rund 340 Mitarbeitern des Gesundheitswesens erhoben und verglichen. Diese sind die zwischen Ende 2020 und 21. Mai geimpft worden – davon eine Gruppe zweifach mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer im Abstand von drei Wochen und eine weitere mit Astrazeneca bei der Erst- und Biontech bei der Zweitimpfung.

Hier lautete das Ergebnis, dass eine Kombination der Präparate in einem Abstand von zehn bis zwölf Wochen gut verträglich sei und vergleichbare Immunantworten wie eine Impfserie mit zweimal Biontech hervorrufe. Die Forscher selbst schränken ein, dass es sich nicht um eine randomisierte kontrollierte Studie handle, also mit zufälliger Zuordnung der Probanden zu den Gruppen. Unklar sei, inwieweit beobachtete Unterschiede auch mit dem längeren Impfintervall der Gruppe mit den verschiedenen Impfstoffen zusammenhängen könnten. Die Charité Zwischenauswertung ist als sogenanntes Preprint veröffentlicht worden. Das bedeutet, dass eine Überprüfung durch externe Experten und die Publikation in einer Fachzeitschrift noch ausstehen.

Die Ergebnisse scheinen im Widerspruch zu einer kürzlich veröffentlichten »Lancet«-Studie zu stehen, der zufolge Impflinge bei zwei unterschiedlichen Impfstoffen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für milde und moderate Nebenwirkungen nach der zweiten Dosis haben. Die Charité-Wissenschaftler weisen aber auf Unterschiede beim Studiendesign, dem Alter der Probanden und unterschiedliche Impfintervalle hin. Der längere Abstand zwischen den beiden Dosen in der Berliner Untersuchung könne mit den weniger stark ausgeprägten Impfreaktionen zu tun haben, so die Vermutung.

Hintergrund der gemischten Impfserie ist eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) nach dem Bekanntwerden von seltenen, aber schweren Komplikationen nach Astrazeneca-Erstimpfungen vor allem bei Jüngeren. Aus Risiko-Nutzen-Abwägungen heraus wird Menschen unter 60 Jahren, die schon eine Astrazeneca-Impfung haben, eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff wie Biontech/Pfizer empfohlen.

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