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Berufsbedingte Erkrankungen

Gesund bleiben im Job

Diana Brömmel, 58, Friseurmeisterin, weiß, wie es sich anfühlt, wenn der Körper plötzlich rebelliert und jeder Tag bei der Arbeit zur Qual wird. Hier erzählt sie, wie sie ihre Hautkrankheit besiegt hat.
Narimaan Nikhbakht
26.04.2019
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Diana Brömmel steckte sich schon immer ehrgeizige Ziele. Viele erreichte sie auch: Sie arbeitete lange Jahre als Industriekauffrau und Außenhandelsökonomin. Dann verliebte sie sich und heiratete ihren Mann Ewald. Und weil der einen gut laufenden Friseursalon betrieb, kündigte Diana ihre Stelle in Berlin und stieg dort ein. Die Arbeit gefiel ihr so gut, dass sie sich erst zur Friseurin und dann zur Friseurmeisterin ausbilden ließ. Sie arbeitete mit vollem Engagement, und der Job machte ihr Spaß.

»Alles hätte toll sein können«, sagt sie im Gespräch mit PTA-Forum und streicht sich über ihre Hände. Doch dann begannen die Schmerzen. Das war 1997, Diana ist zu der Zeit etwa drei Jahre im Salon. »Es fing mit Rötungen und Schwellungen an. Anfänglich cremte ich die juckenden Hände einfach immer wieder ein, doch irgendwann ließ sich das Problem nicht mehr verstecken, die Haut an den Händen blühte regelrecht auf«, sagt sie. Die Symptome wurden schlimmer und schlimmer – permanenter Juckreiz, Spannungsgefühle bis hin zu Blasen und Hautrissen begleiteten sie fortan. »Ich war bisher immer eine sehr leistungsfähige Person, habe viel auf die Reihe bekommen. Aber meine Erkrankung kam plötzlich dazwischen. Die Hautprobleme machten es mir unmöglich, alles so zu schaffen wie bisher«, sagt sie. Diana versucht alles: Sie machte Hauttests, probierte Cortison-Cremes, Homöopathie, Schüßler-Salze. Doch nichts half ihr weiter – auch eine Darmsanierung und Eigenbluttherapie nicht. So steht sie kurz davor, ihren Beruf aufzugeben. »Ich schaffte es einfach nicht mehr, länger als zwei bis drei Stunden am Tag zu arbeiten. Dieser Zustand, dass mein Körper mich plötzlich im Stich ließ, machte mich wütend und traurig zugleich. So verlor ich mehr und mehr das Vertrauen in mich selbst«, sagt sie.

Hilfe von der Berufsgenossenschaft

Eine Freundin gibt ihr den Tipp, ein Hautschutz-Seminar für Friseure zu besuchen. Es wird von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) angeboten. »Vielleicht kennen die Fachleute dort ja Tricks, die noch nicht so bekannt sind«, ermuntert sie Diana. Und die lässt sich auf den Ver-such ein. Während des Vortrags sitzt sie mit 14 Frauen und Männern aus anderen Salons zusammen, notiert sich Tipps, stellt Fragen und wird später auch eingehend von einem Hautarzt untersucht. Sie erfährt, dass sie nicht allein mit ihren Hautproblemen ist, sondern viele Friseure damit zu tun haben. Der Grund: Der ständige Kontakt mit Wasser, nassem Haar und chemischen Präparaten beim Blondieren oder Färben belastet die Haut. Wasser und Shampoo lassen die Hornschicht aufquellen, Hautfette werden herausgelöst und die Haut trocknet aus. Je länger ein Friseur jedoch Wasserkontakt hat – manchmal mehrere Stunden täglich – desto eher können sich die Ekzeme bilden. So verwundert es nicht, dass in der Friseurbranche jede zweite Berufskrankheit etwas mit der Haut zu tun hat. Auch viele andere Arbeitnehmer bekommen es durch Stoffe, die im beruflichen Bereich eingesetzt werden, mit Allergien zu tun. Manche Bäcker etwa reagieren auf Mehlstaub, einige Ärzte auf Desinfektionsmittel, Floristen auf Pflanzenallergene.

Wasser meiden

Als Diana erfährt, dass die Lösung in ihrem Fall eigentlich nur darin bestehen kann, das entsprechende Allergen, also den Wasserkontakt strikt zu meiden, ist sie verwirrt. »Die ganze Zeit war ich auf der Suche nach einem Mittel, dass mir helfen könnte, mit den reizauslösenden Mitteln klarzukommen. Und nun sollte ich Wasser so oft wie möglich meiden. Wie sollte das gehen?« Die Lösung hieß: Einweghandschuhe. Aber in einem Beruf, in dem sich vieles um Ästhetik und Schönheit dreht, weigern sich viele Friseure, damit zu arbeiten. Außerdem gibt es auch Berufskollegen, die trotz Handschuhen Hautprobleme bekommen. Verantwortlich dafür ist dann das Material der Handschuhe.

Auch Diana fand, dass es nicht zu ihrem trendigen Salon passte, so zu arbeiten. Aber sie schob alle Eitelkeiten beiseite und trug fortan beim Haarewaschen, Farbemischen, Tönen oder Reinigen von Scheren und Bürsten ungepuderte Handschuhe. »Aber nicht aus Latex, weil dieses Material wieder die Haut reizen könnte, sondern Handschuhe aus Vinyl oder Nitril«, betont sie. Wenn sie die Handschuhe länger trägt – etwa beim Haarefärben –,zieht sie darunter noch Baumwollhandschuhe an, damit die Haut nicht schwitzt. »Nach dem Waschen der Hände trockne ich sie jetzt akribisch auch zwischen den Fingern ab, und das nur noch mit einem weichen Einmalhandtuch. Die Haut wird dadurch weniger irritiert als durch raues Papier oder feuchte Stoffhandtücher«, erklärt Diana. In den Pausen, nach Arbeitsende und in ihrer Freizeit verwendet sie sowohl Pflege- als auch Schutzcremes ohne Duft- und Farbstoffe. Die Maßnahmen zeigen Wirkung. »Bereits nach wenigen Wochen spürte ich, wie die Reizungen zurückgingen und sich meine Haut merklich erholte.« Nach etwa einem Jahr ist sie fast beschwerdefrei und kann ihren Job wieder mit Freude ausüben.

Rückenschmerz und Varizen vorbeugen

Da Diana auch Verantwortung für ihre Mitarbeiter trägt, hat sie neben dem kompletten Hautschutz-Programm auch mehrere ergonomische Rollhocker gekauft. Es geht ihr dabei darum, sich und ihre Mitarbeiter vor Rückenschmerzen und Krampfadern zu schützen. Denn beim Schneiden, Färben und Föhnen halten Friseure manchmal in Bewegungen inne, die Schultern, Arme, Hände und Wirbelsäule stark belasten können. »Wir müssen zum Beispiel häufig die Oberarme seitlich anheben und in dieser Zwangslage länger halten. Auch das lange Stehen ist anstrengend und verursacht ohne Sitzpausen auf dem Rollhocker gerne dicke Beine und geschwollene Füße«.

Durch langes Stehen ohne Veränderung der Haltung wird das Blut in den Beinvenen nicht mehr ausreichend zum Herzen zurücktransportiert. In der Folge sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe der Unterschenkel an. Diese schwellen an, und auf Dauer bilden sich Krampfadern. »In den Pausen und nach Feierabend lege ich so oft wie möglich die Beine hoch. Und bei der Arbeit trage ich nur noch flache Schuhe, eventuell mit kleinem Absatz.« Mit ihrer Geschichte möchte Diana allen Menschen Mut machen, die auch von einer berufsbedingten Krankheit betroffen sind. Keine Frage: Eine solche Erkrankung kann gravierende Einschnitte in das bisher geführte Leben mit sich bringen. Aber es lohnt sich, nicht gleich aufzugeben, sondern Beschwerden auf den Grund zu gehen und deren Auslöser auszuschalten. »Ich bin jedenfalls froh, heute noch in meinem Traumberuf arbeiten zu können«, sagt Diana.

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