PTA-Forum online
Die Säure allein macht nicht das Gift
Gesund durch basische Ernährung?

Keine Ablagerungen

Der Ernährungswissenschaftler Professor Dr. Thomas Remer von der Universität Bonn forscht seit 30 Jahren zum Säure-Basen-Haushalt. Im Gespräch mit PTA-Forum betont er, dass es durch die Aufnahme säurebildender Lebensmittel nicht zu Ablagerungen in Zellen und Bindegewebe komme. Ein gesteigerter Fleischverzehr führe auch nicht »automatisch« zu Calcium-Mineralverlusten aus den Knochen, wenn die Calciumausscheidung über den Urin ansteigt – wie es bei erhöhter Eiweißzufuhr der Fall ist. Über aktiviertes Vitamin D könne die Calciumabsorption aus dem Darm gesteigert werden und so wieder für einen Ausgleich sorgen, sagt der Ernährungswissenschaftler.

Eines der Spezialgebiete von Remer ist die Belastung der Niere durch säurebildende Lebensmittel. Um Säuren abzupuffern und auszuscheiden, muss die Niere unter anderem das Zellgift Ammoniak produzieren. Diese Nierenleistung ist lebenswichtig und bei geringer Säurebelastung nicht schädlich. Werden aber größere Mengen an Säuren aufgenommen, könne man die Niere entlasten, indem man reichlich Basenäquivalente wie Kalium, Magnesium und Calcium über Obst und Gemüse aufnimmt, sagt Remer.

Gemeinsam mit dem Kinderarzt und Nephrologen Professor Friedrich Manz hat er sogenannte PRAL-Werte (PRAL: potenzielle renale Säurelast) bestimmt und Lebensmittel in die Kategorien »säurebildend« und »basisch« eingeteilt (siehe Kasten). Die Werte sind Schätzwerte für die Säurebelastung der Nieren durch die Nahrung. Wichtig ist das etwa für Patienten mit eingeschränkter Nierenleistung. Neue Studien aus den USA zeigten, dass eine gezielte Alkalisierung das Fortschreiten chronischer Nierenerkrankungen verzögern kann, auch dadurch, dass die Betroffenen mehr Obst und Gemüse essen, so Remer.

Auch Studienarzt Kabisch betont, dass die Ernährung sehr wohl einen Einfluss auf unsere Gesundheit hat, nur eben nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen wenig über die Regulation des Säure-Basen-Haushaltes. So erhöht beispielsweise der häufige Verzehr von rotem Fleisch das Krebsrisiko oder das Risiko für Typ-2-Diabetes. Rheumatiker sollten bei Milchprodukten etwas zurückhaltender sein, weil die Milchfettsäuren Entzündungen begünstigen können. Pflanzliche Kost gilt dagegen als entzündungshemmend. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen die protektive Wirkung einer Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Nüssen auf die Entstehung von Arteriosklerose. »Die Ernährung hat ihren Einfluss auf den Säure-Basen-Haushalt und verschiedenste Erkrankungen, aber der Säure-Basen-Haushalt ist in den wenigsten Fällen der mittelbare Verursacher der Erkrankungen, sondern ein Nebeneffekt«, sagt Kabisch

Mehr von Avoxa