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Untergewicht

Gesund zunehmen

Angesichts der immer weiter steigenden Zahl ­Adipöser und Übergewichtiger werden Menschen, die mit Untergewicht zu kämpfen haben, oft kaum wahrgenommen. Ein zu geringes Gewicht kann aber zahlreiche Probleme mit sich bringen: etwa ein geschwächtes Immunsystem, Kraftlosigkeit und Konzentrations­störungen. Mit einem gesunden Zunehm­programm können Betroffene gegensteuern.
Andrea Pütz
26.02.2019  14:36 Uhr

Angesichts der immer weiter steigenden Zahl ­Adipöser und Übergewichtiger werden Menschen, die mit Untergewicht zu kämpfen haben, oft kaum wahrgenommen. Ein zu geringes Gewicht kann aber zahlreiche Probleme mit sich bringen: etwa ein geschwächtes Immunsystem, Kraftlosigkeit und Konzentrations­störungen. Mit einem gesunden Zunehm­programm können Betroffene gegensteuern.

Liegt der Body-Mass-Index (BMI) unter 18,5 sprechen Mediziner von Untergewicht. Ab einem Alter von 65 Jahren steigt die Grenze zum Untergewicht auf einen BMI von 20, ab 70 Jahren auf 22. Der BMI ist jedoch nur eines von mehreren Kriterien, um das Gewicht zu beurteilen. Er berück­sichtigt nicht den Körperbau und die Verteilung von Fett- und Muskelmasse. Der Arzt kann etwa mithilfe der bioelektrischen Impedanz-Analyse (BIA) auf einer Spezialwaage auch den Anteil an Fett- und Muskelmasse im Körper feststellen. Beides zusammen liefert ein genaueres Bild über den Ernährungszustand als der reine BMI-Wert.

Leichtes Untergewicht bereitet vielen­ Menschen keine Probleme, so­lange der Körper alle wichtigen Nährstoffe aus der Nahrung bekommt, die er benötigt. Manchmal ist leichtes Unter­gewicht auch Veranlagung. So haben manche Menschen einen beson­ders regen Energieumsatz und verbrennen automatisch mehr Kalo­rien am Tag als der Durchschnitt.

Alarmsignal Untergewicht

Wenn aber das Gewicht zu stark absinkt, etwa aufgrund von Krankheit oder im Alter, ist das ein Alarmsignal. Der Körper geht an seine Reserven, da ihm wichtige Nährstoffe fehlen. Die wichtigste Basis bei starker Gewichtsabnahme ist zunächst immer eine gründliche ärztliche Untersuchung, um die Ursachen aufzudecken. Um zu prüfen­, ob der Patient mangelernährt ist, sollte auch der Mikronährstoff­status im Labor untersucht werden. Hierbei kann der Arzt auch gleichzeitig mögliche Ursachen des Unterge­wichtes untersuchen (etwa Schild­drüse, Tumormarker).

Das Alter spielt bei Untergewicht häufig eine Rolle. Viele Senioren em­pfinden es als enorm anstrengend, sich täglich gesunde und schmackhafte Mahlzeiten zuzubereiten. Dazu können auch ein nachlassender Geschmackssinn, Probleme mit den Zähnen und Medikamente den Appetit verderben.

Oft sind es auch chronische Krankheiten und die Nebenwirkungen ihrer Behandlung, die Mangelernährung und Untergewicht auslösen. So kann eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Unverträglichkeit gegenüber Lactose oder Fructose dazu führen, dass es den Speicherfettdepots an den Kragen geht. Einige schwere Erkrankungen können den Körper geradezu auszehren (Kachexie). Dabei werden auch die letzten Fettreserven (etwa unter den Fußsohlen, um die inneren Organe) und Muskelmasse verbrannt, um Energie zu gewinnen. Bei Krebs spricht man in diesem Zusammenhang von Tumorkachexie, bei einer chronischen Lungen­erkrankung von pulmonaler Kachexie. Aber auch andere Erkran­kungen wie Herz­insuffizienz oder eine entzündliche Darm­erkrankung wie Morbus Crohn können den Körper derart auszehren.

Betroffene spüren die Folgen des Untergewichts an nachlassender Leistung­ – sowohl körperlich als auch geistig. Sie sind häufig müde, fühlen sich kraftlos und haben Konzen­trationsstörungen. Die Stresstoleranz sinkt, die Reizbarkeit steigt. Mikronährstoffdefizite spiegeln sich teils auch in Rissen der Mundwinkel sowie trockener Haut und spröden Haaren wider. Das Immunsystem schwächelt, Viren und Bakterien können es leichter angreifen. Untergewicht verlangsamt zudem­ den Stoffwechsel, bei Kindern sogar das Wachstum. Bei Frauen bleiben­ die Menstruationsblutungen aus. Langfristig erhöht sich das Osteoporose-Risiko, da sich der Körper auch aus den Mineralstoff­depots im Knochen bedient.

Also jetzt nur noch Sahnetorte, Pommes frites und Schnitzel essen? Das ist natürlich keine gute Lösung – und bei vielen Betroffenen auch gar nicht möglich und gewollt. Der Körper lechzt nicht nur nach Energie, sondern vor allem nach Vitalstoffen wie Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen. Wer die Gewichtszunahme langfristig planen möchte, sollte seine tägliche Kalorienzufuhr (von durchschnittlich 2500 bis 3000 Kilokalorien) um etwa 500 bis 800 Kilokalorien steigern. Es kann hilfreich sein, für ein bis zwei Wochen­ ein Ernährungsprotokoll zu führen, um ein Gefühl für die Energieaufnahme zu bekommen. Ständiges Kalorienzählen produziert auf Dauer jedoch meist zu viel Stress.

Gerade bei chronischen Erkrankungen ist eine Gewichtszunahme häufig mühsam und nur langsam zu er­reichen. Machen sich Betroffene dies zu Beginn der Ernährungstherapie klar, ist der Frust zwischendurch nicht so groß, wenn es auch mal einen Schritt zu­rückgeht. Größere Nahrungsmengen spielen bei Untergewicht eher eine unter­geordnete Rolle. Schnell ginge dabei­ der Genuss verloren, wenn sich regelmäßig Übelkeit und Völlegefühl einstellen. Außerdem steigt das Stress­level. Etwa sechs kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt sind sinnvoll und bekömmlicher.

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