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Gesunder Arbeitsplatz – ein Obstkorb reicht nicht

Sport, gesundes Essen, eine angenehme Arbeitsatmosphäre – all das lässt sich mit dem Begriff betriebliches Gesundheitsmanagement zusammenfassen. Unternehmen schreiben sich das gerne groß auf die Fahne. Doch was bringen die Angebote für Beschäftigte tatsächlich?
dpa/Katja Egermeier
27.04.2021  11:00 Uhr
Gesunder Arbeitsplatz – ein Obstkorb reicht nicht

Man erkenne die Qualität des Gesundheitsmanagements daran, ob ein Großteil der Kollegen daran teilnimmt, sagt Dirk Hübel, Vorstand des Bundesverbands betriebliches Gesundheitsmanagement (BBGM). Wenn die Kolleginnen und Kollegen dann noch in der »Wir-Form« sprächen, sei das eine Form der Loyalität und Ausdruck einer hohen Partizipation. Also etwa: Wir haben jetzt montags einen Rückenkurs, kommst Du mit? »Das bedeutet, dass viele die Maßnahmen wahrnehmen und sich damit identifizieren«, sagt Hübel.

Führungskräfte vor!

Führungskräfte spielen dabei eine entscheidende Rolle. Laut Hübel bieten sie Orientierung und haben eine Vorbildfunktion – auch bei betrieblichen Gesundheitsangeboten. »Im Optimalfall nehmen sie aktiv teil und sprechen darüber mit ihren Mitarbeitern.«

Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt immer vom Unternehmen ab. «Das Angebot muss zu den Mitarbeitern und den Rahmenbedingungen passen», sagt der Sportwissenschaftler. Der obligatorische Rückenkurs oder Obstkorb würden nur helfen, wenn damit auch der Bedarf der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gedeckt werde. Vielmehr gehe es beim betrieblichen Gesundheitsmanagement um eine Optimierung der Arbeitsverhältnisse. Dazu gehört die Ergonomie der Arbeitsmittel ebenso wie die Verpflegung beispielsweise in der Kantine oder Suchtprävention und die Reduzierung von Dauerstress-Quellen.

Gibt es für all das in ihrem Betrieb Ansprechpartner? Ist im Unternehmen eine Person für das Gesundheitsmanagement verantwortlich und hat sie oder er eine Stellvertretung? Diese Fragen helfen bei einer Einschätzung der Qualität.

Wertschätzung besonders wirkungsvoll

Der Fokus beim betrieblichen Gesundheitsmanagement sollte laut Hübel dabei auf psychosoziale Aspekte gelegt werden, auf eine positive Grundstimmung. Wichtig sei eine aktive Kultur des Vertrauens und der Wertschätzung im Unternehmen, sowohl unter Kollegen als auch zwischen Führungskräften und Mitarbeitern.

Nichtsdestotrotz: Die gesundheitsorientierte Ausrichtung der Kantine auf gesundes Essen lohne sich immer, so der Experte. Ein vegetarisches Gericht pro Woche sei aber nicht ausreichend. Größeren Effekt hat vielleicht ein »Obst- und Gemüsebeauftragter«: Eine Person, die Obst und Gemüse liebevoll in mundgerechte Happen zuschneidet, die mal eben im Vorbeigehen mitgenommen werden können. »Dabei geht es vordergründig um den wertschätzenden Aspekt – eine Person investiert extra Zeit für das Wohlergehen der Kollegen«, sagt Hübel.

Das Angebot in der Kantine lässt sich Susanne Leitzen, Verantwortliche aus dem Fachbereich »Job & Fit – Mit Genuss zum Erfolg!« bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), zufolge anhand verschiedener Punkte bewerten: Gibt es eine Salat- und Gemüsebar? Wechselt das Angebot je nach Saison? Steht mindestens einmal in der Woche ein Gericht mit Fisch auf der Speisekarte? Wird täglich ein vegetarisches Gericht angeboten?

Ein richtiges Gesundheitsmanagement funktioniere letztendlich immer nur «top-down», also von der Führungsebene zu den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, stellt Hübel klar. Deshalb sollten Angestellte ihren Bedarf den Vorgesetzten anzeigen. Beschäftigte können beispielsweise im Kollegenkreis fragen, ob andere ebenfalls Bedarf sehen und das Thema etwa im nächsten Mitarbeitergespräch anbringen, rät Hübel. Wenn Mitarbeiter ohne die Unterstützung der Führungsebene eigenständig versuchen, Gesundheitsmaßnahmen umzusetzen, seien diese erfahrungsgemäß oft nicht von Dauer.

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