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Aktualisierte Leitlinie

Glutenfrei stört Zöliakie-Diagnose

Wer auf Verdacht einfach das Gluten in Lebensmitteln weglässt, könnte Probleme bei der Diagnosestellung einer Zöliakie bekommen. Darauf macht die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) aufmerksam.
Elke Wolf
02.02.2022  20:14 Uhr

Um eine Zöliakie, also eine Gluten-Unverträglichkeit, einwandfrei diagnostizieren zu können, galt lange Zeit eine Gewebeprobe aus dem Zwölffingerdarm als Goldstandard. In der aktualisierten S2k-Leitlinie wird jedoch vor allem die Diagnostik mittels Blutnachweis gestärkt. »Es ist möglich, im Serum Antikörper nachzuweisen, die nur bei einer Zöliakie auftreten. Das sind die sogenannten Transglutaminase-IgA-Antikörper (tTg-IgA). Der im Serum des Patienten ermittelte Titer, also die Antikörperkonzentration im Serum, erlaubt eine präzise Diagnostik. Daher empfehlen wir bei Verdacht auf Zöliakie als ersten Schritt die serologische Untersuchung. Erst bei einem positiven Befund empfehlen wir im nächsten Schritt eine Magenspiegelung«, erklärt Leitlinienkoordinator Dr. Jörg Felber, leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik am RoMed Klinikum Rosenheim, in einer Pressemitteilung der DGVS. Das gelte zumindest für Erwachsene. Bei Kindern kann die Magenspiegelung gänzlich umgangen werden, sofern der Antiköreprtiter das 10-Fache des oberen Normwertes übersteigt und das Ergebnis in einer zweiten Serumprobe zur Bestimmung eines zweiten Antikörpers, des Endomysium-IgA, bestätigt wird.

Ein Faktor erschwert allerdings die Diagnosestellung in der Erfahrung der Experten erheblich: »Schon vor der gesicherten Diagnose verzichten viele Menschen auf Gluten in ihrer Ernährung. Mit unseren diagnostischen Tests messen wir jedoch die Reaktionen des Immunsystems auf Gluten – auch den langfristigen Effekt, den Gluten auf die Darmschleimhaut hat. Fehlen Antikörper im Blut oder Entzündungszeichen der Darmschleimhaut, ist eine eindeutige Diagnose oft nicht möglich. So entstehen dann falsch-negative Ergebnisse«, heißt es in der Pressemitteilung. Die aktualisierte Leitlinie enthält deswegen auch praxisnahe Empfehlungen zur Durchführung einer Gluten-Wiederaufnahme von Gluten in die Ernährung - zum Zwecke der adäquaten Diagnosestellung.

Dieses Vorgehen erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich, ist doch die strikte, lebenslange Elimination von Gluten in der Ernährung – die sogenannte glutenfreie Diät – das Therapiemittel der Wahl bei Zöliakie.

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