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Honig

Goldener Sirup mit therapeutischem Potenzial

Schon seit Jahrtausenden wird Honig traditionell als Heilmittel verwendet. Dank einem breiten Spektrum an Inhaltsstoffen werden ihm eine Reihe von Wirkungen nachgesagt. Dabei sind einige besser untersucht als andere. Im europäischen Raum wird Honig vorwiegend zur Therapie von Erkältungshusten sowie zur Wundbehandlung eingesetzt.
Michelle Haß
21.05.2019
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Honig ist ein von Bienen produziertes Naturprodukt. Er dient ihnen als Nahrungsquelle, vor allem in den kalten Wintermonaten, und sichert so ihr Überleben. Chemisch betrachtet enthält Honig eine Vielzahl an Inhaltsstoffen. Dabei bilden Kohlenhydrate, also Zucker, den Hauptbestandteil. Neben den typischen Monosaccharide Glucose und Fructose enthält der Honig Disaccharide wie Maltose und Sucrose sowie weniger bekannten Oligosaccharide.

Schon während des Sammelns von Blütennektar versetzen die Bienen diesen mit eigenen Enzymen wie Amylasen. Im Bienenstock kommen weitere Enzyme sowie Säuren und sonstige Eiweiße hinzu. Sie bewirken die Reifung des Blütennektars zum uns bekannten Honig. Darüber hinaus enthält Honig in geringen Anteilen Vitamine, Mineralstoffe und verschiedene sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, zum Beispiel Polyphenole. Die Zusammensetzung verschiedener Honigsorten ist sehr unterschiedlich und von geographischen und klimatischen Bedingungen abhängig. Unter anderem deshalb werden dem Honig auch ganz unterschiedliche Effekte auf die Gesundheit nachgesagt. Gleichzeitig erschwert diese Variabilität eindeutige Aussagen über die medizinische Wirksamkeit des Naturproduktes.

Effektiv gegen Keime

Viele Daten und Untersuchungen weisen auf die antimikrobiellen Eigenschaften des Honigs hin. Verantwortlich dafür ist unter anderem ein bieneneigenes Enzym, die Glucose-Peroxidase, die kontinuierlich Wasserstoffperoxid bereitstellt und so Krankheitserreger abtötet. Zusätzlich übt der hohe Zuckergehalt im Honig einen starken osmotischen Druck auf Mikroorganismen aus, wodurch diese sterben. Antibakteriell wirksame Pflanzeninhaltsstoffe, die je nach Art des Honigs variieren, können die antimikrobiellen Eigenschaften zusätzlich unterstützen. So zeigen spezielle Honigarten sogar gegen antibiotikaresistente Keime eine Wirkung.

Eine besondere Honigart ist der Manuka-Honig. Echter Manuka-Honig kommt aus Neuseeland und wird dort aus dem Blütennektar der Südeseemyrte (Manuka), einer Verwandten des australischen Teebaums, gewonnen. Er enthält das antimikrobiell wirksame Methylglyoxal, ein Abbauprodukt enthaltener Pflanzenstoffe. Der Vorteil von Methylglyoxal gegenüber Wasserstoffperoxid ist, dass es eine höhere Stabilität besitzt und so auch nach Erhitzen noch antimikrobiell wirkt.

Schutzbarriere

Zahlreiche Studien haben den Effekt von Honig auf die Wundheilung untersucht. Neben den antimikrobiellen Eigenschaften sind es physikalische Mechanismen, die eine positive Wirkung hervorrufen. Denn, auf die Wunde aufgetragen, dichtet Honig diese dank seiner hohen Viskosität nach außen hin gegen Keime und andere Fremdstoffe ab und bildet so eine effektive Barriere. Durch Bildung eines feuchten Milieus fördert es zusätzlich die Wundheilung.

In der klinischen Anwendung konnte man diese Effekte allerdings bisher nicht abschließend bestätigen. In einem Review von 2014 überprüften Autoren der Cochrane-Gesellschaft die Evidenz der Honig-Wirkung auf die Heilung jeglicher Art von Wunden. Eine Evidenz hoher Qualität besteht den Ergebnissen zufolge für die Verwendung von Honig bei Brandwunden. Verbrennungen zweiten Grades heilten im Schnitt vier bis fünf Tage schneller als mit gewöhnlichen Verbänden. Erste Belege gibt es auch dafür, dass infizierte, post-operative Wunden mit einer Honig-Behandlung schneller heilen als unter Antiseptika mit Wundverband. Eine abschließende Bewertung gaben die Autoren jedoch nicht, und sie schätzen diese aufgrund der momentanen Datenlage als schwierig ein. Und auch nach der derzeit gültigen S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung (DGfW) sollte bei chronischen Wunden kein Einsatz von Honig erfolgen.

Gegen Reizhusten

Honig ist eines der klassischen Hausmittel bei Husten. Seine positive Wirkung dürfte auf den physikochemischen Eigenschaften eines Demulzienz basieren: Demulzienzen bilden einen beruhigenden Schutzfilm auf die Schleimhäute im Hals- und Rachenraum und lindern so das Schmerzempfinden sowie den Hustenreiz.

Klinische Daten für die Wirksamkeit von Honig bei Erkältungshusten wurden vor allem an Kindern erhoben. Die Cochrane-Gesellschaft fand in einem systematischen Review keine Evidenz für oder gegen die Verwendung von Honig zur Linderung von Husten bei Kindern. Bei einer dreitägigen Anwendung konnte aber eine Verbesserung der Symptome im Vergleich zu keiner Behandlung wahrgenommen werden. Und auch ein US-amerikanisches Forscherteam kam zu dem Schluss, dass Honig bei Kindern mit Husten durchaus empfehlenswert ist.

Wichtig: Bei der medizinischen Anwendung von Honig sollte dieser stets Arzneibuchqualität aufweisen. Um Infektionen zu vermeiden, sind die in der Wundbehandlung verwendetem Produkte immer steril (zum Beispiel Medihoney®). Säuglingen unter zwölf Monaten darf Honig nicht verabreicht werden. Denn er kann geringe Mengen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten, das bei Säuglingen Krampfanfälle bis hin zur Lähmung (kindlicher Botulismus) verursacht.

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