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Influenza-Viren

Grippe-Impfung immer wieder nötig

Jährlich ein neuer Impfstoff

Das hat auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Impfstoffe. Nur die Influenza-A-Viren H1, H2 und H3 infizieren den Menschen, alle anderen haben Tiere als Wirte, beispielsweise Vögel (H1 bis H16), Wale (H13) oder Fledermäuse (H17, H18). A/H1 infiziert außer dem Menschen auch Schweine, A/H3 auch Pferde. Auch das Influenza-B-Virus kommt als Krankheitserreger am Menschen in Frage. Influenza-C-Viren können ebenfalls eine Virusgrippe beim Menschen hervorrufen, diese verläuft jedoch sehr mild und bedarf keiner Impfprophylaxe. Influenza-D-Viren infizieren hauptsächlich Rinder und Schweine.

Antigen-Drift und Antigen-Shift führen dazu, dass die Dauer des Impfschutzes stark begrenzt ist. Außerdem sind in jeder Grippesaison andere Subtypen aktiv. Da die bisher übliche Herstellung der Impfstoffe in bebrüteten Hühnereiern bis zu 18 Monate in Anspruch nimmt, braucht es eine frühzeitige Prognose zu den aktuellen Virenstämmen der künftigen Saison. Die Weltgesundheitsorganisation verfolgt die Bewegung der Viren über den Globus und gibt anhand epidemiologischer Daten Empfehlungen zur Zusammensetzung der Impfstoffe. Für Deutschland liegt die Entscheidung darüber beim Paul-Ehrlich-Institut.

In den Impfstoffen werden zwei Influenza-A- und ein oder zwei Influenza-B-Subtypen kombiniert. Im Falle einer Pandemie enthält der Impfstoff nur einen einzigen Subtypen, bisher waren das H5N1 (Ausbrüche der Vogelgrippe, vor allem in Asien) und H1N1 (Grippe-Pandemie 2009/10).

Im Handel befinden sich sowohl Tot- als auch Lebendimpfstoffe. In Deutschland aktuell zugelassene Totimpfstoffe enthalten Teile von Viren wie Oberflächenproteine (zum Beispiel Begripal®, Fluad®). Lebendimpfstoffe sind so genannte attenuierte Impfstoffe, das bedeutet, dass die Virulenz (krank machende Wirkung) der Viren herabgesetzt ist, sie sich jedoch noch im niedrigen Temperaturbereich der oberen Atemwege vermehren können. Lebendimpfstoffe stimulieren das Immunsystem länger als Totimpfstoffe und rufen zusätzlich zu einer humoralen auch eine zelluläre Immunantwort hervor. Allerdings gibt es häufigere und schwerere Nebenwirkungen, so dass sie aktuell nur für Kinder zwischen zwei und 17 Jahren zugelassen sind. Attenuierte Lebendimpfstoffe werden nasal appliziert (Fluenz Tetra®).

Das Problem der langwierigen und damit kaum steuerbaren Impfstoffproduktion sollen Zellkulturen lösen. Sie können auf einen kurzfristigen Bedarf schneller reagieren und haben wesentlich kürzere Produktionszeiten, erfordern allerdings eine hohe biologische Schutzstufe. Der erste auf diesem Weg erzeugte Grippe-Impfstoff Flucelvax® Tetra erhielt 2018 die Zulassung für Europa. Derzeit forschen vor allem die Gesundheitsbehörden Europas und der USA an einem Impfstoff mit längerer Wirksamkeit, der Antikörper gegen Oberflächenproteine auslöst, die selten von Mutationen betroffen sind. 

In diesem Jahr soll sich gegen Grippe impfen lassen können, wer möchte, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn jüngst. Dann wird der Impfstoff jedoch knapp. Nach wie vor gelten als bevorzugte Impfkandidaten die von der STIKO genannten Gruppen. 

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