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Herpes Zoster

Gürtelrose rechtzeitig erkennen

Circa 400.000 Menschen pro Jahr erkranken hierzulande an Herpes Zoster oder – umgangssprachlich – der Gürtelrose. Oft kommen Betroffene gar nicht auf die Idee, dass es sich darum handeln könnte und gehen erst spät zum Arzt. Dabei sind eine frühe Diagnose und Therapie entscheidend für den weiteren Verlauf.
Isabel Weinert
16.02.2021  09:00 Uhr

Erkrankt ein Mensch an einem Herpes Zoster, dann sind in seinem Körper, genauer in den sensorischen Spinal- und Hirnnervenganglien, persistierende Varicella-Zoster-Viren (VZV) wieder zum Leben erwacht. Jeder, der als Kind an den Windpocken erkrankt war, ist diesem Risiko ausgesetzt, denn die Erreger der Windpocken persistieren nach der Infektion lebenslang in den Neuronen der Spinal- und Hirnnervenganglien.

Eine Gürtelrose beginnt oft unspezifisch. Ein wenig Unwohlsein und leichte bis mäßige Schmerzen in einem Hautareal oder auch Juckreiz – dieses sogenannte Prodromalstadium geht in 80 Prozent der Zosterfälle der Hautmanifestation voraus. Nicht selten führt das zu Fehldiagnosen wie der einer Gallenblasenentzündung, eines Herzinfarkts oder eines Glaukoms. Es ist also wichtig, dass Patienten auch in der Apotheke auf die Idee gebracht werden, dass den genannten Beschwerden auch ein Vorstadium einer Gürtelrose zugrunde liegen könnte.

Geschwächte Abwehr

Die meisten Menschen haben den Begriff »Gürtelrose« schon gehört und kennen jemanden, der bereits einmal daran erkrankt war. Kein Wunder, denn Herpes Zoster ist nicht selten. Ab dem 50. Lebensjahr steigt die Erkrankungshäufigkeit mit jedem Jahr kontinuierlich an, bis auf circa 14 Erkrankungen pro 1000 Patientenjahre im Alter von 75 Jahren, so die »S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Zosters und der Postzosterneuralgie«. Normalerweise hält eine körpereigene VZV-spezifische Immunabwehr die Viren in Schach. Doch mit dem Alter verliert das Immunsystem an Schlagkraft. Auch eine geschwächte zelluläre Immunität bei malignen Lymphomen, bei HIV-Infektionen oder unter einer immunsuppressiven Therapie können die Viren aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen lassen. Dann vermehren sie sich erneut, Nervenbahnen entzünden sich, und nach drei bis fünf Tagen zeigt sich meist der typische, schmerzhafte Hautausschlag. Laut Lehrbuch handelt es sich um einen Ausschlag, der mit einer unspezifischen Rötung an der betroffenen Stelle inklusiver kleiner Hautknötchen beginnt. Binnen Stunden entwickeln sich daraus kleine Hautbläschen, die anfangs mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt sind, die dann eintrübt. Sie halten sich etwa fünf Tage, dann platzen sie und trocknen aus. Nach zwei bis vier Wochen hat sich die Haut wieder erholt.

Doch nicht immer zeigt sich der Hautausschlag so klassisch, und keineswegs immer manifestiert er sich gürtelförmig um den Körper. Manchmal kommt der Ausschlag eher unscheinbar daher, das betroffene Areal ist eher schwach gerötet und die erhabenen Stellen sind nicht mit Flüssigkeit gefüllt. Zwar entwickelt sich Herpes Zoster meist im Bereich des Thorax, er kann sich aber überall am Körper zeigen, am zweithäufigsten am Kopf. In jedem Fall sollte man auch dann an eine Gürtelrose denken, wenn es zunächst nicht typisch aussieht oder lokalisiert ist. Besondere Schwierigkeiten bereitet die Diagnose eines sogenannten Herpes Zoster sine herpete. Dabei schmerzt zwar das betroffene Areal, aber es tritt kein Hautausschlag auf. Das ist häufiger mit zunehmendem Lebensalter der Fall.

Sind die Hauterscheinungen wieder verschwunden, bedeutet das nicht, dass die Krankheit ausgeheilt ist. Denn die Entzündung der Ganglien kann weiter lodern. Das macht sich in starken Schmerzen bemerkbar. Hält dieser Zustand länger als drei Monate an, sprechen Mediziner von einer postzosterischen Neuralgie (PZN). Sie stellt die häufigste Komplikation einer Gürtelrose dar.

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