PTA-Forum online
Dysphonien
Gut bei Stimme bleiben

Komplexes Zusammenspiel

Die Stimme entsteht in einem engen Zusammenspiel von Atmung, Stimmlippen sowie Muskeln und Nerven des Kehlkopfes. Stimmlippen, die fälschlicherweise häufig als Stimmbänder bezeichnet werden, erzeugen durch Schwingungen Töne. Sie sitzen waagrecht im oberen Teil der Luftröhre, im Kehlkopf. Im Normalzustand sind die Stimmlippen entspannt, und der Atem strömt durch die Stimmritze ungehindert ein und aus.

Beim Sprechen spannen sich die mit Schleimhaut überzogenen Bänder, und die Stimmritze verengt sich. Beim Ausatmen drückt nun der aufsteigende Luftstrom gegen die Stimmbänder und bringt sie zum Schwingen. Ein Ton entsteht. Lautstärken und Tonhöhen hängen von der An- und Entspannung der Stimmlippen ab, beziehungsweise davon, wie schnell diese schwingen. Je schneller, umso höher der Ton. Im Rachen, in Mund- und Nasenhöhle werden die Töne weiter geformt und verstärkt. Zunge und Lippen bilden daraus Geräusche und Wörter.

Schonend reden

Patienten mit funktionellen Stimmstörungen belasten ihre Stimme zu viel, zu wenig oder auf eine falsche Weise. Die Stimmlippen schwingen und schließen nicht mehr so wie bei einem Gesunden. Die Stimme verändert sich und bringt weniger Leistung. Häufig trifft es Menschen, die ihre Stimme dauerhaft beanspruchen und die sich keine Pausen gönnen. Um erste Anzeichen einer schwachen Stimme zu kompensieren, belasten Betroffene sie häufig noch zusätzlich, eine Art Teufelskreis entsteht.

Je nach Ausprägung unterscheiden Mediziner zwischen hyperfunktionellen und hypofunktionellen Störungen. Dabei beziehen sich die Vorsilben »hyper« und »hypo« darauf, ob sich die Stimmlippen zu stark oder zu gering spannen. Bei hyperfunktionellen Störungen ist die Stimmlage meist erhöht und der Umfang vermindert; gegebenenfalls fühlt sich der Hals trocken an. Der Patient hat das ständige Bedürfnis, sich zu räuspern. Im Gegensatz dazu nimmt die Muskelspannung der Stimmlippen bei hypofunktionellen Störungen ab, und die Stimme wirkt behaucht und kraftlos. Auch Mischformen sind möglich. So können Menschen mit hypofunktioneller Stimme bei hoher Belastung eine Hyperfunktion entwickeln, da sie mit viel Spannung und Anstrengung sprechen, um die fehlende Stimmkraft auszugleichen.

Funktionelle Dysphonien werden in der Regel mit einem gezielten Stimmtraining behandelt. Kommen noch psychisch bedingte Ursachen hinzu, kann eine begleitende Psychotherapie helfen. Die Stimmtherapie soll die Leistungsfähigkeit der Stimme verbessern beziehungsweise wiederherstellen.

Zu Beginn der Therapie führt der Logopäde ein ausführliches Anamnesegespräch, untersucht die Stimmfunktion und legt gemeinsam mit dem Patienten individuelle Therapieziele fest. Während der Therapie selbst werden bestimmte Bereiche wie Körperwahrnehmung und -haltung, Atmung und Artikulation in direkten Übungen trainiert. So verspannt sich der Kehlkopfbereich zum Beispiel in Folge einer starren Haltung. Die Stimmlippen schwingen nicht mehr frei, und die Stimmbildung ist gestört. Aber auch indirekte Maßnahmen (siehe Kasten Stimmhygiene), die dazu dienen, stimmschädigende Verhaltensweisen zu minimieren, bespricht der Logopäde mit dem Patienten.

Mehr von Avoxa