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Influenza

Gut geschützt mit Grippeimpfung

In den Monaten Januar bis März erreicht die alljährliche Grippewelle normalerweise ihren Höhepunkt. Um sich gegen den Erreger zu wappnen, empfehlen Experten bereits im Herbst eine Impfung.
Caroline Wendt
17.09.2019
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Plötzlich schmerzen Kopf und Glieder, und ein Blick auf das Fieberthermometer verrät, dass die Körpertemperatur rasant ansteigt: Die Symptome einer Grippe treten unvermittelt auf, und die Betroffenen empfinden von einem auf den anderen Moment ein starkes Krankheitsgefühl.

Die Ansteckung mit dem Erreger liegt in der Regel ein bis zwei Tage zurück. Verantwortlich für die Infektion sind Influenza-Viren der Typen A oder B. Die Influenza A-Viren sind in weitere Subtypen zu unterteilen, die sich auf unterschiedliche Oberflächenstrukturen der Viren beziehen (zum Beispiel H1N1). Bei den Influenza Viren vom Typ B zirkulieren weltweit zwei genetisch unterschiedliche Linien (Yamagata-Linie und Victoria-Linie).

Die Viren verbreiten sich hauptsächlich über die sogenannte Tröpfcheninfektion: Feinste Speichel- oder Schleimtröpfchen, die beim Sprechen, Nießen oder Husten entstehen, gelangen über die Atemluft auf die Schleimhäute von Kontaktpersonen. Doch die Viren können auch einen Umweg nehmen: Haben erkrankte Personen zum Beispiel in die Hand geniest und fassen danach eine Türklinke an, können die Viren dort kurze Zeit überleben (Schmierinfektion). Liegen die Außentemperaturen um den Gefrierpunkt und ist die Luft feucht, können sie auf Oberflächen sogar mehrere Wochen überdauern.

Meist unkomplizierter Verlauf

Bei ansonsten gesunden Patienten verläuft die Grippe in der Regel unkompliziert und ist nach etwa fünf bis sieben Tagen überstanden. Komplikationen wie eine Lungenentzündung treffen besonders Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen, da ihr Immunsystem schlechter arbeitet. Bei Patienten mit einer chronischen Erkrankung können sich zudem die Beschwerden der Grunderkrankung verschlimmern.

Auch Schwangere haben ein erhöhtes Risiko besonders für Lungenentzündungen. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihr Ungeborenes profitiert von einer Impfung, weil die Antikörper über die Plazenta von der Mutter auf das ungeborene Kind übergehen und dieses auch in den ersten Lebensmonaten vor einer Infektion mit den Grippeviren schützen.

Um vor einer Infektion der saisonalen Grippe geschützt zu sein, sollten sich Risikopatienten idealerweise schon vor Beginn der Grippewelle in den Monaten Oktober bis November impfen lassen. Denn es dauert etwa 10 bis 14 Tage, bis ein ausreichender Schutz aufgebaut ist. Die Impfung kann meist auch erfolgen, wenn ein leichter Infekt vorliegt. Lediglich wenn die Körpertemperatur über 38,5 °C steigt oder eine schwere, akute Erkrankung vorliegt, sollte der Impftermin verschoben werden. Einmal geimpft, reicht der Schutz in der Regel über die gesamte Grippesaison. Doch auch zu einem späteren Zeitpunkt kann eine Grippeschutzimpfung noch sinnvoll sein – je nach persönlichem Risiko und der noch zu erwartenden Dauer der Grippewelle.

Der beste Zeitpunkt

Eine Grippeimpfung ist jedes Jahr aufs Neue nötig, da sich die Eigenschaften der zirkulierenden Viren fortwährend verändern. Die Zusammensetzung des Grippe-Impfstoffs wird daher jährlich durch die Weltgesundheitsorganisation WHO neu bestimmt. Die chargenweise Prüfung und Freigabe der Impfstoffe erfolgt in Deutschland durch das Paul-Ehrlich-Institut.

Einen 100-prozentigen Schutz bietet die Grippeschutzimpfung jedoch nicht. Da die Zusammensetzung des Impfstoffes im Voraus bestimmt wird, ist es möglich, dass die Prognosen der Experten nicht zutreffen und ein anderer Virusstamm die aktuelle Grippewelle auslöst. Bei einer guten Übereinstimmung wurde laut Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bei jungen Erwachsenen eine Schutzwirkung von bis zu 80 Prozent beobachtet.

Verschiedene Impfstoffe

Die Abwehr älterer Menschen reagiert oft nicht mehr adäquat aufeine Impfung. Daher gibt es Impfstoffe, die Wirkverstärker enthalten, sogenannteAdjuvantien.  (zum Beispiel Fluad®). Bislangexistieren davon jedoch nur trivalente Impfstoffe auf dem Markt. Sie enthaltenAntigene von zwei Influenza Typ-A-Stämmen und einem B-Stamm. TetravalenteImpfstoffe (zum Beispiel Influsplit Tetra® oder Influvac Tetra®) enthaltenzusätzlich Antigene eines zweiten Virus vom Typ-B. Tetravalente Impfstoffewerden seit März 2018 von der STIKO für alle Patientengruppen empfohlen.

Die Grippeimpfstoffe werden auf Basis von Hühnereiern gezüchtet und können daher Spuren von Hühnereiweiß enthalten. Personen, die nur mit leichten Symptomen auf Hühnereiweiß reagieren, können laut dem RKI mit allen zugelassenen Influenza-Impfstoffen geimpft werden. Bei Patienten mit schweren Allergien muss der behandelnde Arzt von Fall zu Fall das Verhältnis zwischen Nutzen und Risiko einer Impfung abwägen. Ist bei einem Patienten eine heftige Reaktion bis hin zur Anaphylaxie auf den Impfstoff bekannt, eignen sich Impfstoffe, die auf Basis von Zellkulturen hergestellt wurden (zum Beispiel Flucelvax® Tetra).

Impfstoff Besonderheit Beispiel
Trivalente Impfstoffe Schützen vor zwei A- und einem B-Influenza-Stamm Afluria®, Begripal®, Influvac®, Xanaflu®
Tetravalente Impfstoffe Schützen vor zwei A- und zwei B-Influenza-Stämmen, derzeitige Empfehlung der STIKO für alle Personengruppen Flucelvax® Tertra, Fluenz® Tetra, Influsplit Tetra®, Influvac Tetra®, Vaxigrip Tetra®, Xanaflu Tetra®
Impfstoff zur nasalen Anwendung Für Kinder und Jugendliche zwischen 2 und 17 Jahren mit beispielsweise einer Spritzenphobie oder einer Gerinnungsstörung, nicht bei Kindern mit z.B. einer Immunschwäche oder schwerem Asthma Fluenz Tetra®
Impfstoff mit Adjuvans Wirkverstärker für ältere Patienten (>65 Jahre), allerdings derzeit nur als trivalenter Impfstoff verfügbar Fluad®
Impfstoff auf Zellkulturbasis Für Patienten mit einer ausgeprägten Hühnereiweißallergie (Anaphylaxie) Flucelvax® Tetra
Auf einen Blick: Impfstoffe im Vergleich

Bei den intramuskulär oder subkutan zu applizierenden Impfstoffen handelt es sich um Totimpfstoff. Für Kinder zwischen zwei und 17 Jahren mit beispielsweise einer Spritzenphobie oder Gerinnungsstörung, gibt es zudem Lebendimpfstoff, der in die Nase gesprüht wird (zum Beispiel Fluenz Tetra®). Der Lebendimpfstoff eignet sich jedoch nicht für alle: Für Kinder mit beispielsweise einer Immunschwäche oder schwerem Asthma kommt diese Form der Impfung nicht in Frage.

Die Influenza-Impfung ist in der Regel gut verträglich. Nach einer Injektion kann die Einstichstelle gerötet sein, anschwellen oder schmerzen. Zudem können in den ersten drei Tagen nach der Impfung Symptome wie Frösteln, Müdigkeit oder Muskelschmerzen auftreten. Nach der Applikation eines nasal zu applizierenden Lebendimpfstoffes können auch Fieber, Appetitlosigkeit oder eine laufende Nasen dazu kommen.

Eine Grippe löst die Impfung aber in der Regel nicht aus. Lediglich beim Lebendimpfstoff besteht ein geringes Risiko, dass Impfviren bei immungeschwächte Kindern eine Grippe hervorrufen. 

 

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