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Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Gut leben mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa

Mehr Schübe durch Rauchen

Weinke machte bei der Fortbildung deutlich, dass in der Ätiologie von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa generell nicht nur genetische Prädispositionen, Autoimmunprozesse und Fehlregulationen des Immunsystems, sondern auch Umweltnoxen und hier insbesondere Nikotin eine Rolle spielen. Studiengemäß komme es bei Morbus Crohn durch Rauchen zu signifikant mehr Schüben bei gleichzeitiger Erhöhung der Rezidivrate und des Verbrauchs an Glucocorticoiden und Immunsuppressiva. Betroffene Patienten müssten daher unbedingt den Nikotinkonsum einstellen. Bei Colitis ulcerosa hingegen sei Vorsicht geboten, da der Rauchverzicht sogar Krankheitsschübe auslösen kann.

Alle Erscheinungsformen der CED können bei spezifischen Zusatz-Indikationen wie Fisteln, Stenosen oder Abszessen chirurgische Maßnahmen erforderlich machen. Bei sehr schweren Krankheitsverläufen kann sich die operative Entfernung stark entzündeter Darmabschnitte oder des ganzen Dickdarms als unumgänglich erweisen, wobei Einschränkungen der Lebensqualität durch moderne Operationstechniken und Versorgungssysteme heute weitestgehend vermeidbar sind.

Abhängig von der Diagnose, der Erkrankungsdauer und der Erkrankungsaktivität steigt das statistische Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Da Darmkrebs im Frühstadium gut behandelbar ist, sind regelmäßige Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen mittels Koloskopie bei CED-Patienten bedeutsam. Therapieansätze wie Akupunktur, Probiotika, Flohsamen und Curcumin, so Weinke, betrachte er »pragmatisch«. Bedeutsam sei für ihn allein, ob der Patient darin einen Nutzen für sich sieht.

Leitliniengerecht behandeln

Kritisiert die DGVS, dass viele CED-Patienten nur zu oft keine adäquate Behandlung erhalten, so verweist die Fachgesellschaft auf die große Bedeutung der S3-Leitlinien zur Diagnose und Therapie von Morbus Crohn beziehungsweise Colitis ulcerosa als Orientierungs- und Entscheidungslinien, die neben medikamentösen und operativen Maßnahmen auch Aspekte der komplementären und supportiven Behandlung oder des Impfschutzes zur Vorbeugung opportunistischer Infektionen aufgreifen.

Die Leitlinien fokussieren sich auf typische Fragestellungen, die in der hausärztlichen, nicht spezialisierten Praxis auftreten. Die Autoren betonen unter anderem, dass der regelmäßigen Überprüfung des Impfstatus bei CED große Bedeutung zukommt. Es gilt als gesichert, dass CED-Patienten, bei denen alle empfohlenen STIKO-Impfungen zuverlässig durchgeführt wurden und werden, den verlässlichsten erreichbaren Schutz besitzen. Die Rate an Impf-Nebenwirkungen bei CED-Patienten sei nicht erhöht. Auch ein erhöhtes Schub-Risiko nach Impfungen ist nicht beschrieben.

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