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Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Gut leben mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa

Akute Schmerztherapie

Bei anhaltenden Bauchschmerzen im akuten Schub und bei chronisch aktiven Verläufen des Morbus Crohn trotz antiinflammatorischer Behandlung kann laut Leitlinie eine symptomatische Schmerztherapie mit Paracetamol, Spasmolytika oder gegebenenfalls Opioiden durchgeführt werden. Eine Dauertherapie sollte aber vermieden werden. Besondere Vorsicht ist bei Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika oder -phlogistika (NSAR/NSAID) wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen geboten, da diese Medikamente häufig zu Krankheitsschüben führen. Diese Medikamentengruppe sollte in der Regel nicht zur Schmerztherapie bei CED-Patienten eingesetzt werden.

Zwar gibt es keine spezielle Crohn- oder Colitis-Diät: Ausgehend von der Schwere der Entzündung, der spezifischen Krankheitssituation und des Ernährungszustandes sollte jedoch eine Ernährungsberatung durch spezialisierte Fachkräfte erfolgen. In der CED-Therapie kommen nicht selten komplementär- und alternativmedizinische Verfahren, zum Beispiel Homöopathie, Naturheilverfahren, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) inklusive Akupunktur, anthroposophische Therapieverfahren und ayurvedische Medizin als Ergänzung zu konventionellen Standardtherapien zum Einsatz. Die Studienlage zur Effektivität zum Beispiel von Artemisia absinthium (Wermut)-, Boswellia serrata (Weihrauch)-, Omega-3-Fettsäure- beziehungsweise Trichuris suis ovata (TSO)-Präparate (oral einzunehmende lebensfähige Eier des Schweinepeitschenwurms) ist laut Leitlinie allerdings unzureichend und lasse wegen fehlender Wirknachweise keine Empfehlung zu.

Jede CED-Therapie müsse stets durch einen erfahrenen Gastroenterologen begleitet werden. Dieser müsse seitens des Patienten immer über zusätzlich eingenommene Medikamente und unkonventionelle Therapieverfahren informiert werden. Dieses gelte auch und gerade für Kinder und Jugendliche, von denen in Deutschland jährlich circa 1500 neu erkranken.

CED-Kontrolle in der Kindheit

An einer CED leiden in Deutschland circa 37.000 Mädchen und Jungen unter 18 Jahren. Fast jede(r) dritte Betroffene mit CED im Kindes- und Jugendalter hat nicht einmal das zehnte Lebensjahr erreicht. Selbst Säuglinge können erkranken. CED bei Kindern und Jugendlichen sind gekennzeichnet durch einen zumeist aggressiveren Verlauf als bei Erwachsenen.

Prinzipiell gelten für Kinder und Jugendliche die gleichen Therapieprinzipien wie für Erwachsene. Leitliniengemäß muss bei diesen jedoch zusätzlich die Entwicklung von Gewicht und Größe beobachtet werden, da sie nicht nur zu Bauchschmerzen, Durchfall und Gewichtsverlust, sondern oft auch zu Wachstumsretardierungen und Entwicklungsstörungen bis hin zur verzögerten Pubertät neigen. Die Betreuung in einer pädiatrischen CED-Spezialambulanz kann dann unumgänglich werden.

Die Häufigkeit von Morbus Crohn bei Kindern und Jugendlichen hat sich in den vergangenen 20 Jahren fast verdreifacht. Ähnlich wie bei Allergien wird als ein Grund die immer geringere Konfrontation mit immunstärkenden Erregern und somit eine generelle Schwächung der körpereigenen Abwehr vermutet. Als weitere Risikofaktoren für die CED-Entstehung schon im Kindes- und Jugendalter werden neben der genetischen Prädisposition auch Besonderheiten wie Geburt mittels Kaiserschnitt oder frühes Abstillen diskutiert.

Die durch CED bedingten Entzündungen verbrauchen Energie, die eigentlich für die körperliche Entwicklung benötigt wird. Dem kindlichen Organismus mangelt es zudem an Nährstoffen, weil diese vom erkrankten Darm nicht ausreichend aufgenommen werden können. Gewichtsverlust ist bei Colitis ulcerosa (35 Prozent) weniger typisch als bei Morbus Crohn (58 Prozent). Insbesondere hier kann daher zur Remissionserhaltung eine Ernährungstherapie in Form spezifischer Trink- oder Sondennahrung mit hochkonzentrierten Nährstoffen angezeigt sein.

Pädiatrisch spezialisierte Gastroenterologen müssen nicht nur die ungebremste körperliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, sondern auch ihre besondere seelische Lage in dieser sensiblen Lebensphase im Auge haben. Das unterstreicht die Gastro-Liga. Die Erkrankung könne massiv die Entwicklung des Selbstwertgefühls und der Akzeptanz unter Gleichaltrigen stören. Gerade bei Kindern sei daher die Bedeutung der psychosozialen Betreuung nicht zu unterschätzen.

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