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Schwangerschaft und Stillzeit

Wie die Kontrolle der CED in der Kindheit hat auch die spezialisierte Therapiebegleitung vor und während der Schwangerschaft einen besonderen Stellenwert. Eine erhöhte Krankheitsaktivität in der Schwangerschaft ist gemäß MC-Leitlinie der größte Risikofaktor für eine Frühgeburt oder einen intrauterinen Kindstod. Die Fertilität scheine bei betroffenen Patientinnen in Remission nicht beeinträchtigt zu sein, allerdings könnten die aktive Erkrankung und Operationen im kleinen Becken zu einer verminderten Fruchtbarkeit führen.

Die Autoren der Leitlinien betonen, dass ein Aussetzen der remissionserhaltenden Therapie mit Ausnahme von Methotrexat in der Schwangerschaft nicht vorgenommen werden sollte. Liegt zum Zeitpunkt der Empfängnis eine aktive Erkrankung vor, so bestehe die Gefahr der Verschlechterung. Tritt die Empfängnis in der Remissionsphase ein, sei das Risiko, einen Schub zu erleiden, vergleichbar mit dem nicht schwangerer Patientinnen.

Praxisnahe Bedeutung hat in diesem Zusammenhang das Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin, das unter www.embryotox.de Informationen zur Verträglichkeit der wichtigsten Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit bietet. Hier sind auch Daten zur medikamentösen CED-Therapie in der Schwangerschaft zu finden. Die 5-ASA-Präparate, insbesondere Mesalazin und Sulfasalazin, so das Beratungszentrum, sind intensiv geprüft und gut verträglich. Glucocorticoide seien in allen Phasen der Schwangerschaft erlaubt. Mögliche Auswirkungen auf den Embryo beziehungsweise Fetus seien abhängig von der Dosis, Therapiedauer und dem Schwangerschaftszeitraum.

Innerhalb der Gruppe der Immunmodulatoren seien Azathioprin und Ciclosporin am besten untersucht. Sollte es zwingend erforderlich sein, seien in der Schwangerschaft auch TNF-α-Inhibitoren akzeptabel. Der Einsatz in der zweiten Schwangerschaftshälfte sollte jedoch begründeten Einzelfällen vorbehalten sein.

Zur Ergänzung: Bei männlichen MC-Patienten mit Kinderwunsch sollte eine Sulfasalazin-Therapie leitliniengemäß umgestellt werden, da sie zur (reversiblen) Infertilität durch Beeinträchtigung der Samenqualität führen kann. Bei Umstellung auf Mesalazin sei nach etwa zwei Monaten wieder mit einer normalen Fertilität zu rechnen.

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