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»Der Mensch ist eine Uhr«
Gut schlafen, gesünder Leben

Zeitnatur achten

Dauerhaft belastbar, ständig einsetzbar, leistungsfähig bis zum Äußersten: Wie Fietze kritisiert auch Professor Dr. Christian Cajochen, Schlaf-Forscher und Leiter des Zentrums für Chronobiologie an der Universität Basel, das falsche Selbstverständnis der modernen Leistungsgesellschaft, das grundlegende Gesetze der Zeitnatur des Menschen außer Acht lässt. Neueste Forschungsergebnisse heben den Stellenwert dieser Zeitnatur als bedeutend hervor, so Cajochen. Nicht nur das, sie weisen auch auf große Gefahren durch Missachtung der durch die Natur gegebenen Rhythmen hin.

Immer mehr Menschen kämen nachts nicht zur Ruhe, da sie selbst kurz vor dem Schlafengehen nochmal kurz E-Mails checken, Nachrichten lesen oder chatten. Ganz abgesehen von den aufwühlenden Inhalten der Informationen beziehungsweise der ständigen Erreichbarkeit als Entspannungshemmnis: Die User seien einem Lichtspektrum ausgesetzt, das sich in der Natur und auch in der bisherigen Beleuchtungstechnik nicht wiederfinde.

»Wer zehn Nächte hintereinander nur sechs Stunden schläft, befindet sich, was Leistungsvermögen, Reaktionsgeschwindigkeit, Gedächtnis und Urteilskraft angeht, in einem Zustand, als hätte er ein Promille Alkohol im Blut.«
Professor Dr. Christian Cajochen

Der Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers werde durch das Hormon Melatonin gesteuert, das mit der Dämmerung und Dunkelheit verstärkt ausgeschüttet wird. Seine Arbeitsgruppe habe zeigen können, dass diese Melatonin-Ausschüttung durch das Blaulicht der Leuchtdioden (LED) von Computer-, Smartphone- und Tablet-Monitoren negativ beeinflusst wird. Es bewirke, dass die Bildung von Melatonin im Körper verlangsamt, verzerrt beziehungsweise verzögert wird. Das damit einhergehende Schlafdefizit könnte der Grund für die ständige Erschöpfung der modernen »multiscreen online society« sein.

Menschen sind ,wie die meisten Tiere, Wesen, die einem inneren zeitlichen Takt unterworfen sind. Dieser lasse sich nicht beliebig verändern, so Cajochen. Auch physiologische Prozesse wie die Verdauung oder der körperliche Ab- und Umbau von Medikamenten beziehungsweise die Stimmungslage oder die Fähigkeit, komplizierte Aufgaben zu lösen, hängen von der Tages- und Nachtzeit ab: »Der Mensch ist eine Uhr und jeder ist seine eigene«, erklärt der Wissenschaftler. Den Rhythmus dieser Uhr zu stören, sei ein riskantes Unterfangen.

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