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Wirksamer Rausch?
Halluzinogene Pilze bei Depressionen?

Sichtbare Geräusche

In einem Dosisbereich zwischen 12 und 20 mg verhält sich Psilocybin wie ein klassisches Halluzinogen. Das heißt: Die Substanz kann tiefgreifende Bewusstseinsveränderungen hervorrufen. Eingefahrene Denkstrukturen werden durchbrochen und von assoziativen Gedankenketten abgelöst, wie es in ähnlicher Weise auch beim Träumen geschieht. Außerdem verändert sich die Wahrnehmung: Farben werden viel intensiver erlebt, und unbewegliche Dinge wie Wände beginnen zu fließen. Auch Synästhesien sind typisch: Mehrere, normalerweise getrennte Sinneskanäle werden miteinander gekoppelt, sodass zum Beispiel Geräusche sichtbar werden.

Die massivste Bewusstseinsveränderung jedoch, die Psilocybin ebenso wie andere Halluzinogene provoziert, ist der Verlust der Ich-Empfindung. Die Wahrnehmung, von der Umwelt getrennt zu sein, verflüchtigt sich, man wird eins mit der Welt. Diesen Zustand erleben manche Menschen als beglückend, andere versetzt diese Aufhebung der Ich-Grenze in Angst und Schrecken. Viele Psilocybin-Konsumenten berichten von tiefgreifenden spirituellen Erfahrungen während des Trips. Solche Erlebnisse wurden auch im Rahmen seriöser Studien dokumentiert. In einer Doppelblind-Studie, die an der renommierten Johns Hopkins University in Baltimore, USA, durchgeführt wurde, erklärten 67 Prozent der Probanden, unter Psilocybin eine bedeutsame spirituelle Erfahrung gemacht zu haben.

Kontrollverlust und Horrortrips

Von anderen Halluzinogenen ist bekannt, dass sie Halluzinogen-induzierte persistierende Wahrnehmungsstörungen (HPPD) hervorrufen können. Auch die Begriffe »Flashback« oder »Echorausch« sind gebräuchlich. Dabei handelt es sich um ein spontanes Wiederaufflammen von Rauscherlebnissen, ohne dass die Droge erneut angewendet wird. Die als real erlebten Flashbacks können stark belastend und behandlungsbedürftig sein. Die Inzidenz nach Psilocybin-Konsum wurde bisher nicht gezielt untersucht, allerdings wurden in Studien Flashbacks als Nebenwirkung beschrieben. Auf der Basis der vorliegenden Daten wird das Risiko als nicht sehr hoch eingestuft. Das Abhängigkeitspotenzial von Psilocybin gilt ebenfalls als gering. Als größte Gefahren des Konsums Psilocybin-haltiger Pilze werden Kontrollverlust und Horrortrips vor allem infolge Überdosierung angesehen.

Vor diesem Hintergrund sind Hinweise auf günstige Psilocybin-Effekte zu sehen, die sich eventuell medizinisch nutzen lassen. Kürzlich wurden Studiendaten veröffentlich, denen zufolge die Pilze die Kreativität zu beflügeln scheinen. Forscher an der Universität Leiden, Niederlande, verwendeten bei ihrem Experiment Psilocybin in Mikrodosierung: Die Probanden nahmen im Schnitt 0,37 mg getrocknete Pilze ein. Vor und nach dem Pilzkonsum absolvierten die Probanden eine Reihe von Tests zur Fähigkeit, logisch beziehungsweise kreativ zu denken. Zum Beispiel sollten die Probanden alternative Anwendungsmöglichkeiten für Haushaltsgegenstände finden.

Tatsächlich halfen die magischen Pilze den Testpersonen auf die Sprünge. Ihre Lösungsvorschläge für ein und dieselbe Aufgabe wiesen vor und nach dem Pilzkonsum deutliche Unterschiede auf. Mit pilzlicher Unterstützung schnitten die Probanden besser ab, wenn geradliniges Denken gefordert war. Besonders auffällig jedoch war der Zugewinn an Kreativität: Unter dem Einfluss der Droge hatten die Testpersonen deutlich mehr originelle Ideen. Es fiel ihnen offensichtlich leichter, eingefahrene Denkmuster zu verlassen.

Auch ein weiteres Ergebnis ist bemerkenswert: Psilocybin scheint zu nachhaltigen Persönlichkeitsveränderungen zu führen. Das jedenfalls legen weitere Untersuchungen der Forscher aus Baltimore nahe. 60 Prozent von 51 Probanden, die sich unter kontrollierten Bedingungen mehreren Pilztrips ausgesetzt hatten, berichteten beim Follow-up nach rund einem Jahr, dass sie sich seither selbst als aufgeschlossener erleben. Auch im »Big Five«-Test, der fünf verschiedene Persönlichkeitsbereiche erfasst, ließ sich eine gesteigerte Offenheit objektivieren. Den Forschern ist es ein Rätsel, wie es zu einem solchen Langzeiteffekt kommen kann, wo doch der Wirkstoff nur wenige Stunden mit dem Serotoninrezeptor interagiert.

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