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Halluzinogene Pilze bei Depressionen?

»Breakthrough« bei Depressionen?

Bereits Mitte des vergangenen Jahrhunderts kamen erste Überlegungen auf, die magischen Pilze könnten von medizinischem Interesse sein. Bei der psycholytischen Psychotherapie werden psychotrope Substanzen wie Psilocybin eingesetzt, um die Abwehr der Patienten zu lockern und so Zugang zu verborgenen und verdrängten Gefühlen zu gewinnen. Dieser Ansatz ist nicht vom Tisch: 2018 hat die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA Psilocybin den Status einer »breakthrough therapy« bei therapieresistenten Depressionen verliehen und dem Unternehmen Compass Pathways grünes Licht für weitere klinische Prüfungen in dieser Indikation gegeben. In einer internationalen Studie soll die Wirksamkeit einer Psilocybin-assistierten Psychotherapie nun bei mehreren hundert Patienten mit therapieresistenten Depressionen geprüft werden.

Vielversprechende Pilotstudien waren der FDA-Entscheidung vorausgegangen. Darin hatte Psilocybin bei Depressionen eine schnell einsetzende Wirkung gezeigt – und das bei guter Verträglichkeit. Bereits nach wenigen Einzeldosen kam es bei Patienten, die bereits viele Jahre unter Depressionen litten, zu einer dauerhaften Stimmungsaufhellung. Unter dem Einfluss der Droge nahmen sie die Welt nicht mehr so düster wahr, sie grübelten weniger und öffneten sich für soziale Kontakte.

Das therapeutische Potenzial des Pilzwirkstoffs könnte darüber hinaus bei Angststörungen, posttraumatischen Stresssyndromen, Alkoholabhängigkeit sowie Migräne und Clusterkopfschmerzen helfen. 2016 wurden im »Journal of Psychopharmacology« zwei Studien veröffentlicht, die unabhängig voneinander eine Wirkung von Psilocybin auf das psychische Befinden von Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen dokumentieren. Dank einer Spezialgenehmigung konnten Forscher der New York University und der Johns Hopkins University in diesen Studien den nicht verkehrsfähigen reinen Wirkstoff anwenden, der über eine verlässliche Pharmakokinetik verfügt und sich deshalb in seiner Wirkung besser steuern lässt als die Pilze.

Alle Krebspatienten, die an den beiden Studien teilnahmen,– in der einen Untersuchung 51, in der anderen 29 – litten an schweren Ängsten und/oder Depressionen. Diese besserten sich durch Psilocybin signifikant und nachhaltig. In der kleineren New Yorker Studie erlebten 83 Prozent der Patienten (versus 14 Prozent in der Kontrollgruppe) eine rasche Stimmungsaufhellung. Der Effekt hielt in den meisten Fällen über mehrere Monate hinweg an, bei nur einer einmaligen Psilocybin-Gabe. Mit dem nahenden Tod konnten die Krebspatienten nach dem Konsum gelassener umgehen, wobei viele von ihnen einen Zusammenhang mit spirituellen Erlebnissen sahen, die sie unter Psilocybin hatten.

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