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Therapie und Prophylaxe

Harnwegsinfektionen im Kindesalter

Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen im Säuglings- und Kindesalter. Was es schwierig macht: Kinder zeigen nicht unbedingt die typischen Symptome, die man von Erwachsenen kennt, oder können sie nicht mitteilen. Hier ist also Aufmerksamkeit gefragt, wie eine aktuelle Leitlinie verdeutlicht.
Juliane Brüggen
25.10.2021  12:30 Uhr

Bei den ganz Kleinen ist es fast wie Rätselraten, wenn unspezifische Symptome wie Trinkschwäche oder Erbrechen auftreten. Doch genau dies sind laut der aktuellen S2k-Leitlinie »Diagnostik, Therapie und Prophylaxe von Harnwegsinfektionen im Kindesalter« (2021) mögliche Symptome einer Harnwegsinfektion (HWI) bei Säuglingen. Oft fallen sie auch nur durch hohes Fieber auf. Nicht abschließend geklärt ist, ob ein auffällig veränderter Uringeruch ebenfalls ein Indikator ist.

In den ersten zwei bis drei Lebensmonaten können Übererregbarkeit, Erbrechen, Trinkunlust und verminderte Aktivität die einzigen Hinweise auf eine Harnwegsinfektion sein. Auf Komplikationen wie eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) oder eine Urosepsis (Erreger im Blutkreislauf) weisen bei Neugeborenen Trinkschwäche, Gewichtsverlust, eine grau-blasse Hautfarbe, Ikterus, zentralnervöse Symptome und Berührungsempfindlichkeit hin.

Je älter die Kinder sind, umso spezifischer die Symptome und umso besser können die Kinder sie mitteilen. Typisch sind laut Leitlinie häufiges Wasserlassen, ungewöhnlich kleine Urinmengen, erschwertes und schmerzhaftes Wasserlassen, und Unterbauchschmerzen. Auch wenn Kinder sich wieder einnässen, obwohl sie schon trocken waren, kann eine Harnwegsinfektion dahinterstecken. Fieber, Schüttelfrost und Flankenschmerzen weisen auf eine Pyelonephritis hin.

Die Leitlinienautoren empfehlen, bei jedem unklaren Fieber bei Säuglingen und jungen Kleinkindern eine Urindiagnostik durchzuführen, ebenso in jedem Alter, wenn Symptome vorliegen, die für eine Harnwegsinfektion sprechen.

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