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Phytopharmazie

Heilpflanze des Jahres 2021: der Meerrettich

Eine vom Vorstand des Vereins NHV Theophrastus berufene Jury hat den Meerrettich (Armoracia rusticana) zur »Heilpflanze des Jahres 2021« gekürt. Die Inhaltsstoffe gelten als entzündungshemmend, antiviral und antibakteriell.
PZ
29.06.2020
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»Meerrettich hat als Heilpflanze ein großes und leider bisher zu wenig ausgeschöpftes Potenzial«, betonte der Erste Vorsitzende des Vereins, Konrad Jungnickel, anlässlich der Bekanntgabe. Wissenschaftliche Studien, so Jungnickel, zeigen, dass die Inhaltsstoffe der oft auch als »Penicillin des Gartens« bezeichneten pflanzlichen Droge nicht nur entzündungshemmende Eigenschaften, sondern auch beachtliche antivirale und antibakterielle Effekte haben. »Dies ist vor allem im Hinblick auf die zunehmenden Antibiotikaresistenzen richtungsweisend«, erläuterte Jungnickel.

Bekannt ist, dass die frische Wurzel Glucosinolate, also Senfölglykoside enthält, die beim Zerkleinern unter anderem Allyl-Senföle freisetzen. Die scharfe Wurzel, die in Süddeutschland und Österreich auch Kren genannt und nicht zuletzt in Tees, Umschlägen oder Frischpflanzenpresssäften eingesetzt wird, ist in vielen Küchen zu Hause. Sie verfeinert Fleisch- und Fischgerichte, Gemüse und Soßen. Jungnickel, der als Heilpraktiker vielen seiner Patienten zu einer naturgemäßen Ernährung rate, empfiehlt: »Meerrettich sollte – zumindest in der kalten Jahreszeit – Bestandteil des täglichen Speiseplans sein.« Der Kreuzblütler aus der Familie der Brassicaceae sei dann ein echtes Heilmittel im Sinne des griechischen Arztes Hippokrates, der sich gemäß des Mottos »Eure Nahrung sei Eure Medizin« vehement für eine gute Ernährung stark gemacht habe.

Nicht zuletzt in der Schifffahrt, so Jungnickel weiter, sind die positiven Wirkungen des Meerrettichs, der auch Cumarine, Phenolcarbonsäuren und Vitamin C enthält, bereits lange bekannt. Dort sei er bereits früher auf längeren Seefahrten als haltbares Lebensmittel zur Verhütung der Vitamin-Mangelkrankheit Skorbut mitgeführt worden. Woher der deutsche Name der Droge stammt, ist bis heute nicht sicher. Vermutet wird, dass er sich von dem Begriff »Mähre« ableitet, da der Meerrettich oftmals zur Stärkung alter Pferde eingesetzt wurde und wird.

Als Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, kürt der NHV Theophrastus die Heilpflanze des Jahres seit 2003. Heilpflanze dieses Jahres ist die Wegwarte (Cichorium intybus). Mit der Initiative und anderen Aktivitäten wie Vorträgen, Fachsymposien oder Kursen will der Verein auf Schätze der Natur aufmerksam, die – ob als Extrakt, Salatbeigabe oder Gewürz – bei sinnvollem Gebrauch manche Beschwerden lindern oder heilen könnten.

Auf seiner Homepage präsentiert der Verein in einem kurzen Video die Ansprache von Jungnickel anlässlich der Ehrung des Meerrettichs. Wissenswertes über die hoch zu schätzende Heilpflanze will der Verein auch in einer Broschüre veröffentlichen.

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