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Phytopharmaka

Heilpflanzen für kleine Husten-Patienten

Der Hustensaft! Wohl die meisten Menschen unseres Kulturkreises werden schon in frühester Kindheit ihre Erfahrungen mit pflanzlichen Hustenmedikamenten, mit wohlschmeckenden Säften oder Tropfen, gemacht haben. Wie recht ihre Eltern hatten, solche zu verwenden, bekräftigt die aktuelle Husten-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie.
Elke Wolf
16.10.2020  12:30 Uhr

Die S2k-Leitlinie, die im vergangenen Jahr aktualisiert wurde, widmet sich zwar dem »Husten bei Erwachsenen«. Doch der Autor – selbst Kinder- und Jugendarzt - wird wohl nicht allein dastehen mit der Überzeugung einer direkten Kongruenz der Leitlinien-Aussagen zu eigener langjähriger Praxiserfahrung mit hustenden Kindern. Zufriedene Eltern werden von ähnlich positiven Erfahrungen berichten, wenn sie in der Apotheke nach effizienter Hilfe gegen den Husten ihrer Kinder fragen.

Die Leitlinienautoren treffen eindeutige Aussagen: »Es gibt mehrere Phytotherapeutika mit in randomisierten kontrollierten Studien nachgewiesener Wirksamkeit auf die Dauer und Intensität des akuten Hustens gegenüber Placebo.« Konkret nennt die Leitlinie Zubereitungen aus Efeu, Cineol, Myrtol, Pelargonium sidoides, die Kombinationen aus Efeu und Thymian sowie aus Primel und Thymian. »Phytotherapeutika haben komplexe, in präklinischen Studien geprüfte Wirkungen, neben sekretolytischen etwa antientzündliche, antitussive oder antivirale.« Außerdem: »Die Datenlage für diese Phytotherapeutika für die Indikation akute Bronchitis ist häufig besser als für synthetische Expektoranzien.« Und: »Ergebnisse der Studien mit Phytopharmaka gelten nicht für die untersuchte(n) Pflanze(n), sondern grundsätzlich nur für das getestete Präparat.«

Leichter abhusten

Welche Wirkungen sollte ein Medikament aufweisen, um Beschwerden einer akuten Bronchitis effizient angehen zu können? Die Sekretviskosität sollte in einen physiologischen Zustand zurückgebracht und die Tätigkeit der Flimmerhärchen gesteigert werden. Neben der generellen Herunterregulierung einer überschießenden Entzündungsreaktion wären gezielte antivirale und antibakterielle Effekte wünschenswert, weiter eine Reduktion der Hustenreizintensität. Viele Pflanzenextrakte können in der Tat – bei geringen Begleit- und Nebenwirkungen – mehrere dieser Wirkungen gleichzeitig entfalten. Diese Multi-Target-Therapie ist einer der entscheidenden Vorteile der rationalen Pflanzentherapie – auch gegenüber synthetischen Medikamenten.

Die Leitlinienautoren erwähnen in diesem Zusammenhang, dass es „bei pflanzlichen Wirkstoffen nicht immer eine klare Trennung der Wirkungsweise als Hustenblocker oder Expektorans gibt. So wird Spitzwegerich unter verschiedenen Handelsnamen sowohl als Antitussivum als auch als Expektorans geführt, da die beanspruchte klinische Wirkung etwa auch von der Art der Extraktion abhängt«.

Besonders umfassend ist die Datenlage zu den vielfältigen Wirkungen des 1,8-Cineols (Sinolpan® forte, Soledum® forte), der Monosubstanz aus Eukalyptusöl ohne weitere Begleit-Terpene. Anmerkung: Als isolierte Reinsubstanz eines pflanzlichen Wirkstoffes ist Cineol per strenger Definition eigentlich kein Phytopharmakon. Neben sekretolytischen und sekretomotorischen Eigenschaften und einer Verminderung der bronchialen Hyperreagibilität konnten zahlreiche Untersuchungen effektive bakterizide, antivirale, antioxidative und antientzündliche Effekte bestätigen. In klinischen Studien zeigt das ab dem 6. Lebensjahr zugelassene Cineol eine Verbesserung des bronchialen Mukustransports durch eine Normalisierung der Viskosität und Elastizität des Bronchialskrets sowie der Ziliarfrequenz und Ziliarkinetik.

Unter den in der Leitlinie aufgeführten pflanzlichen Zubereitungen ist Gelomyrtol® das einzige, das sowohl die Zulassung für akute entzündliche Erkrankungen der Bronchien als auch der Nasennebenhöhlen besitzt. Es enthält Myrtol®, ein Destillat aus einer Mischung von rektifizierten Ölen aus Eukalyptus, Süßorange, Myrte und Zitronen, und damit hauptsächlich die Terpene 1,8-Cineol und Alpha-Pinen. Myrtol, zugelassen ab einem Alter von 6 Jahren, überzeugt in klinischen Studien mit einer signifikanten Überlegenheit in Form eines um zwei Tage schnelleren Heilungsverlaufs gegenüber Placebo. Dieses positive Ergebnis fußt auf der Tatsache, dass sich bereits nach zwei Tagen Verumtherapie die Hustenattacken deutlich reduzierten und das Abhustevermögen verbesserte. Zudem ist das Spezialdestillat in der Lage, die Hauptsymptome einer Nasennebenhöhlenentzündung anzugehen. Infektbedingte Schmerzen sowie die behinderte Nasenatmung bessern sich bereits deutlich in den ersten Behandlungstagen.

Molekularbiologische Untersuchungen bieten für diese klinischen Effekte die wissenschaftliche Basis. Durch seine multifaktorielle Wirkweise erhöht das Mischdestillat nachweislich die Zilienschlagfrequenz und verbessert die Fluidität der Sekretschicht des respiratorischen Flimmerepithels. Dadurch wird der Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege, auch mukoziliäre Clearance genannt, unterstützt.

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